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1989/90 - Maueröffnung und friedliche Revolution

In der ehemaligen DDR existierten nicht wenige davon. Die wenigsten von ihnen waren sichtbar. Für Berühmtheit sorgte die am 13. August 19961 errichtete Mauer - antifaschistischer Schutzwall - zwischen Ost- und West-Berlin. Die sogenannte "grüne Grenze" zwischen Deutschland Ost und Deutschland West bestand aber schon viel länger und war schon in den 50er Jahren nicht mehr gefahrlos passierbar.
Doch Mauern sind nicht für die Ewigkeit gebaut. Am 9. November 1989 geschah etwas, was das Schicksal der Deutschen in Ost und West grundlegend ändern sollte. Die Mauer öffnete sich und bis auf einige Mauer-Relikte und Museen entlang des ehemaligen Todesstreifens erinnert wenig an die einstige Grenzsicherung. Doch die Folgen wirken bis in unsere Gegenwart. In diesem Jahr jähren sich die friedliche Revolution und der Mauerfall zum 20. Mal. Diese Ereignisse waren Ergebnis, aber auch Auslöser für tief greifende Veränderungen, die Deutschland und Europa Ende der 1980er Jahre erfassten.
Einer, der die Ereignisse um die Öffnung der Mauer in Berlin miterlebte, war Eckhard Müller, heute Vorsitzender des Kulturbundes Gera. Als wenn er es geahnt hätte, begann er sofort alles zu sammeln, was es an Materialien, Dokumenten, Aufrufen, Programmen, Fotos, Plakaten und Flugblätter damals gab. Über 2.000 solcher Originaldokumente zählen zu seinem Besitztum, das er wie seinen Augapfel hütet. Über 600 davon zeigt er derzeit in der Ausstellung "Die Mauer" in den Räumen des Kulturbundes.
"Wir hören in diesen Tagen sehr viel von den Ereignissen aus den Jahren 1989/90. So manches ist dabei auch durch die eigenen Erlebnisse subjektiv gefärbt. Im Gegensatz dazu sollen die bewegte Zeit des Mauerfalls und auch der damalige Zeitgeist, anhand von authentischen Dokumenten, vor allem für junge Menschen nacherlebbar werden", bringt Eckehard Müller das Anliegen der Ausstellung auf den Punkt.
In zwei Räumen werden die dramatischen Ereignisse der friedlichen Revolution beleuchtet und ihre Akteure, vor allem die Bürgerbewegungen, in den Mittelpunkt gestellt. In beeindruckenden Bildern wird gezeigt, wie vielschichtig dieser Prozess verlief und das der Ausgang weder zwangsläufig noch selbstverständlich war. Erinnert wird an die bis 1961 rund 3,1 Millionen Bürger, die der DDR den Rücken kehrten, den systematischen Ausbau der Grenzsicherungssysteme, an die ca. 1.300 Mauer- und Grenzopfer sowie an die historischen Ereignisse: Öffnung der Grenze in Ungarn zu Österreich und deutsche Botschaft in Prag.
Vor allem für die jüngere Generation bietet die Ausstellung nicht nur einen hohen Fundus von Informationen, sie lässt nachvollziehen, wie 1989 viele Ostdeutsche, darunter auch zahlreiche Geraer, aus einem verordneten Zwangsschlaf erwachten, ihre Angst überwanden und die Geschicke in ihre Hände nahmen.
Was mit wenigen Personen begann, führte rasch zu oppositionellen Aktivitäten und mündete in eine breite Volksbewegung. Anhand zahlreicher authentischer Dokumente kann nachvollzogen werden, wie sich immer mehr Menschen gegen Hoffnungslosigkeit, Verfall und Stillstand in der Gesellschaft wehrten. Die Ausstellung dokumentiert die Entwicklung der Bürgerbewegung und die Gründung von Parteien, sie zeigt aber auch den unterschiedlichen Umgang mit der neu gewonnenen Freiheit. Während die einen die DDR reformieren wollten, stimmten andere mit den Füßen ab und verließen das Land. Doch eines war allen gemein: Mit ihrem Handeln wurde die DDR überwunden. Es war das Volk, das Staatspolitiker zum Handeln zwang, es war das Volk was damals Geschichte schrieb. Die Menschen entwickelten ein neues Lebensgefühl. Sie veränderten ihr Land und spürten dies drastisch. Die Ausstellung dokumentiert diese spannende Zeit und lädt zur Diskussion über die Ereignisse ein.
Geöffnet ist die Schau im Ferberschen Haus, Greizer Straße 93, bis zum 31. Dezember, Di/Do 10 bis 12 Uhr und Mi 12 bis 16 Uhr. Sonderöffnungszeiten am 7. November und 5. Dezember von 12 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung (( 26395). Ergänzt wird die Ausstellung durch Gesprächsrunden mit Zeitzeugen.

( Reinhard Schulze, 23.10.2009 )

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