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Schwerins "Gärtnerolympiade" aus dem Geraer Blickwinkel

Mitten in Mecklenburg, Star unter den deutschen Urlaubszielen, liegt Schwerin. Und in Schwerin wiederum liegen "Sieben Gärten mittendrin" - Kurzformel für die in der schönsten deutschen Landeshauptstadt angesiedelte BUGA 2009.
Unlängst (wir berichteten) überbrachte eine Radlergruppe nach 446 Kilometern Strampelstrecke der reizenden 850 Jahre alten BUGA-Stadt Schwerin die freundlichen Grüße der BUGA-Stadt Gera. Die Gerschen mit Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm vorneweg reichten damit symbolisch den Staffelstab weiter an den diesjährigen Ausrichter. Das kam dort gut an. Davon konnte sich jetzt eine Gruppe des inzwischen schon zehn erfolgreiche Jahre zählenden Geraer BUGA-Fördervereins überzeugen.
Diese Stippvisite ist insofern bedeutsam, als das offizielle Gera (Politiker, Abgeordnete, Vereine, Unternehmer usw.) aber auch die Einwohnerschaft der Otto-Dix-Stadt die nördliche "Gärtnerolympiade" kaum wahrzunehmen geruhen. Mag sein, der Tourismusverein rührt die Trommel, und verschiedene Reisebüros werben für das sehenswerte Ereignis. Insgesamt aber wurde der Geraer Dialekt bisher wenig vernommen, weder in einem der liebevoll angelegten sieben Gärten, noch in einer der Blumenhallen (mit abwechselnd 20 Schauen) oder im malerischen Rund der Freilichtbühne. Und es könnte doch so reizvoll sein, zu sehen, wie die Nordlichter die BUGA hingekriegt haben, wo doch immerhin die BUGA 2007 Gera/Ronneburg einige unverwechselbare Glanzlichter setzte. Einverstanden: Vergleiche sind umstritten, weil jede BUGA ihr eigenes Profil haben will und sollte. Dennoch: Vielleicht ist Abwägen doch ganz interessant.
Peter Granderath, 1. Vereinsvorsitzender, und seine wissbegierige Reisegruppe (48 Teilnehmer; der Verein selbst zählt derzeit 106 Mitglieder) konstatieren wohlwollend: Schwerin, das den Beinamen "Stadt der sieben Seen" trägt, hat die historische Altstadt, das märchenhafte Schloss (kann durchaus mit dem bayerischen Neuschwanstein konkurrieren) und den riesigen Schweriner See an einem Standort zu einer harmonischen Symbiose verwoben. Fast könnte man von Wasserfestspielen reden. Denn der See ist Kulisse und Festort in einem.
So wandelt unsere naturliebende Abordnung über eine 325 Meter lange schwimmende Brücke, die den See durchquert. Der Volksmund taufte sie "Jesusbrücke", wohl weil ja auch Jesus trockenen Fußes übers Wasser schritt. Obwohl unsere BUGA mit der Ronneburger Drachenschwanzbrücke eine ähnliche Touristenattraktion aufbot, gab’s doch Seufzer: Was Schwerin an Wasser zuviel hat, hatte Gera zu wenig. So fehlte zum Beispiel im Hofwiesenpark ein attraktives Wasserprojekt.
Es hätte wenig Sinn, alles Sehenswerte in der BUGA-Stadt des Nordens (95.000 Einwohner) zu beschreiben. Da muss man schon selbst zum Entdecker über das 55 Hektar große Gelände werden (Gera/Ronneburg: 90 Hektar). Keinesfalls zu übersehen ist der Schweriner Schlossgarten. Da hat Altmeister Peter Joseph Lennè nach englischem Vorbild ein gärtnerisches Meisterstück geliefert. Die Sichtachse Garten - See - Schloss sei bundesweit einzigartig, meinen unsere Reiseleiterin Karin Schatzberg und der ehrenamtliche Gästeführer Eckhard Schumansky.
Die Geraer Delegation trifft auf den Schweriner Gärtner Bernd von Knesebeck, der 2007 unsere BUGA besucht hat. Noch heute schwärmt er von den Shows in der Blumenhalle und in der Neuen Landschaft Ronneburgs. Aber er freut sich auch darüber, welchen Blütenteppich etwa 250 Gärtner rund um die malerische Schweriner Seenlandschaft angelegt haben. Auf der Suche nach Geraer Spuren entdecken wir in der Rosenschau eine Schöpfung aus dem Köstritzer Gartenbaubetrieb Deegen: die wunderschöne Sorte Terra cotta. Stadtrat Bernd Krüger findet sie "mystisch".
Einem ähnlichen Besuchermagnet, wie wir ihn an der Villa Jahr hatten, begegnen wir mit der Schau "Grabgestaltung und Denkmale". Ein Bravo dem Geraer Unternehmen Pragers Blumen & Floristik. Es heimste Bronze ein für eine Frühjahrsgrabgestaltung und Silber für eine Sommergestaltung.
Auf der blau-gelb-roten Mecklenburger Landesflagge ist auch ein Stierkopf zu sehen. Die Schweriner erwiesen sich nicht als Stier-, aber als Sturköpfe beim Thema Begleitprojekte. In Gera war deren Zahl überschaubar, z.B. die Dahliengärten Köstritz und Gera, der Osterburggarten Weida und weitere - alle fast in Rufnähe. Die Schweriner muss der Teufel geritten haben, als sie auf 34 (!) Außenstandorte beharrten. Einen davon besuchten wir, 80 Kilometer von Schwerin entfernt: Wangelin. Das Nest beherbergt mit 900 Pflanzenarten den außerordentlich interessanten größten Kräutergarten Mecklenburgs.
Segelklub am See: Hier traf sich die Geraer Gruppe mit der Spitze des Schweriner Fördervereins: Vereinsvorsitzender Ulrich Kempf und BUGA-Geschäftsführer Jochen Sandner, die seinerzeit die Geraer Erfahrungen studierten und davon begeistert waren.
Der Förderverein habe die BUGA Schwerin maßgeblich mitinitiiert, einen Verschönerungswettbewerb gestartet, seine Stimme im Stadtrat erhoben und Gehör gefunden, wobei sich eine größere Zahl Unternehmer im Verein finanziell engagierten (30 Sponsoren!). Was die Nachnutzung von 80 Prozent der Projekte betrifft, so sei der Pflegeaufwand für alle Anlagen im Stadthaushalt eingeplant.
Die Geraer wissen: Mit der Mitsprache an den GmbH-Angelegenheiten war es meist in Gera nicht zum Besten bestellt. Aber Peter Granderath und seine Mitstreiter können in der Gesprächsrunde berichten, dass der Verein auf hervorhebenswerte Aktivitäten zurückblicken kann, so die Einstimmung der Öffentlichkeit auf das Großereignis, so durch das ehrenamtliche Engagement bei der Entente Florale für das Aufblühen der Stadt (Goldmedaille 2005!), so die Mitarbeit am inhaltlichen Profil der Ausstellungen im Gessental (Beispiel "Grenzsteinweg"), so das mit Rotary International gestaltete Baumspendenprojekt, und vieles mehr.
Gemeinsame Erkenntnis: Die BUGA in Schwerin bietet viel, die BUGA in Gera/Ronneburg bot mehr. Beispiele: die Partnerschaftsgärten, die Wismut-Ausstellung, das Kirchenprojekt, tolle Ausstellungen in Ronneburg usw. usf. Mit diesem Stolz in der Brust sollten sich die Geraer aufmachen und der kleinen Schwester, der BUGA 2009 in Schwerin, die Ehre geben. Bis 11. Oktober ist dazu noch Zeit.

( Harald Baumann, 19.06.2009 )

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