Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Die Leute bewegen, auch in ihrer Freizeit in der Stadt zu bleiben

Die Eröffnung der 2. Geraer Songtage war ein schlagender Erfolg, das Comma war voll, die Gäste erfreuten sich an Altmeister "Stoppoks" Liedern und noch mehr an seinen Kommentaren zwischen den Songs. Auch die Wiedereröffnung des "Hauses der Pioniere" in der Geschwister-Scholl-Straße 3 kann man zurecht als erfolgreich bezeichnen, begehrten doch am Eröffnungstag rund 400 Geraer Eintritt und schwelgten angesichts der noch aus der Kindheit von AGs, Freizeit- und Kulturaktionen bekannten Räumlichkeiten.
Beide Erfolge können sich zwei junge Geraer auf die Fahnen schreiben. Stefan Wenzel und Daniel Zein arbeiten seit Jahren nach Kräften daran, Kunst- und Kultur in ihrer Heimatstadt lebendig zu halten und hier vor allem musikalische Liveauftritte wieder zu etablieren. "Unser größter Wunsch ist es, die Leute zu bewegen, in der Stadt zu bleiben", erklärt Stefan Wenzel und verweist auf die rege Livemusik-Szene, die es einmal in Gera gegeben hat. Ihrer Meinung nach müssten die Geraer erst wieder daran gewöhnt werden, dass ihnen hier etwas geboten wird. Vielen sei gar nicht bewusst, was tatsächlich alles los ist. Trotz dieses Umstandes, oder gerade deswegen etablierten die Zwei im vergangenen Jahr die 1. Geraer Songtage und holten zahlreiche Bands und Musiker nach Gera, darunter die nun allseits bekannte Band "Polarkreis 18" und "Ich+Ich".
Jetzt haben sie bis Anfang Mai die zweite Auflage gewagt und veranstalten einige der Konzerte auch in ihrem Haus. Richtig können sie sich daher auch als "Pioniere" bezeichnen, die sich entsprechend der eigentlichen Wortbedeutung als Wegbereiter der Geraer Kultur- und Musikszene sehen. Damit sie unabhängig von anderen Veranstaltungsorten ihr Konzept durchziehen können, hatten die beiden schon lange ein eigenes Objekt gesucht. Auch für ihre Firma Artfullsounds suchten sie einen geeigneten Standort, um weiter in Gera bleiben zu können. "Vor drei Jahren sind wir dann auf das ehemalige Haus der Pioniere gestoßen und haben sofort bei der Stadt nachgefragt. Wir wollten ja schließlich unsere Idee langfristig etablieren", bekräftigt Stefan Wenzel. Die einzige Bedingung der Stadt sei die Instandhaltung und Nutzbarmachung der historischen Sternwarte gewesen. Diese war 1952 als erste Pioniersternwarte der DDR in Betrieb genommen worden. Auch das Haus selbst hat eine lange Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts von der Geraer Freimaurerloge "Archimedes zum ewigen Bunde" gebaut, diente es ab 1933 - nach dem Verbot der Loge - als Behördenschule. Nach einem Umbau Ende der 40er wurde es schließlich 1950 als Haus der Pioniere eröffnet. Noch bis ins Jahr 2005 nutzte der Freizeitklub die Räumlichkeiten.
"Fast zwei Jahre lang hat sich die Ausschreibung für das Objekt hingezogen", erinnert sich Daniel Zein. Die neuen Betreiber machten sich dann 2007 schnell daran, diese wieder fit zu machen. Nach einem Einbruch hatte es durch Vandalismus große Schäden gegeben und die Stromzufuhr war gekappt worden. Doch bis zur (Wieder-)Eröffnung des Hauses sollte alles wieder instand gesetzt sein, war die eigene Maxime.
Jetzt kann auch die AG Astronomie, geleitet von einem Lehrer des Geraer Zabel-Gymnasiums, wieder in die Sterne gucken und den reichen Fundus an alten Sternkarten und Dias nutzen. "Unsere Sternwarte ist sehr beliebt, auch die Volkshochschule hat für das Herbstsemester schon eine Nutzung angefragt und Bernd Kriebitzsch, Fachdienstleiter Bildung und Sport der Stadtverwaltung Gera, will sich dafür stark machen, dass die Sternwarte ab 2010 in den Astro-Unterricht in den Schulen eingegliedert wird", gibt Zein einen Ausblick. Damit die neue alte Sternwarte auch lange ausgelastet bleibt, hat sich eigens ein Förderverein gegründet. Dieser kümmert sich v.a. darum, die Sternwarte zu betreuen und ist verantwortlich für kleinere Veranstaltungen im Haus. Einige, die schon früher im Haus der Pioniere AGs geleitet oder besucht haben, haben sich dem Förderverein unter dem Vorsitz von Anne Klein bereits angeschlossen. Aber selbstverständlich kann auch jeder andere mitmachen. Mittelpunkt der ersten öffentlichen Beobachtung in der Sternwarte sind Saturn und Mond am 6. April, von 20 bis 22 Uhr.
Abgesehen von den Astronomen soll das "Haus der Pioniere" einen Mix aus Kultur- und Geschäftshaus abgeben. "Die Mieter sollen sich im kreativen Bereich finden, damit alles zusammen ein stimmiges Bild ergibt", betont Stefan Wenzel. Derzeit hat schon der am Bodensee ansässige Innenausstatter Knoblauch eine Außenstelle im Haus, die New Music School aus Gera Räume bezogen und auch verschiedene Bands und Musiker nutzen hier ihre Probenräume.
"Kultur und Nachwuchsförderung ist unsere Devise", so Wenzel. "Unser Wunsch ist, hier vielleicht sogar ehemals ansässige Vereine und AGs wieder zu etablieren." Platz sei allemal in dem riesigen Haus, betonen die Firmeninhaber und verweisen darauf, was man alles schon gemacht habe, um das Gebäude wieder in Schuss zu bringen: "Wir haben zuerst alle sanitären Anlagen vom DDR-Charme befreit und im Außenbereich den Vorplatz neu gemacht. Im Haus wurden Malerarbeiten im Treppenhaus, Foyer und im großen Saal im 1. OG vorgenommen. Der Saal wurde sogar komplett neu aufgearbeitet mit Parkett, neuer Decke und Stromleitungen." Damit sei das Gebäude auch geeignet für private Feierlichkeiten, vor allem der schöne Saal biete sich für Geburtstage, Jugendweihen oder Hochzeiten an. Das restliche Grundstück wolle man jetzt fürs Frühjahr schön machen, so dass Familien mit Kindern hier wieder ihre Nachmittage verbringen können.
Im Moment können die Geraer das Haus zu den Konzerten der Songtage wieder entdecken. Große deutsche Singer und Songwriter sind eingeladen, u.a. Andreas Geffarth am 17., Götz Widmann am 24. und Bernd Begemann am 25. April (jeweils 20 Uhr). Auch im Mai stehen einige spannende Termine auf dem Programm, darunter die "Klima sucht Schutz"-Party am 2. und die Songtage-Abschlussveranstaltung am 16. Mai. Wenn alles gut geht und die Geraer merken, dass doch ziemlich viel los ist in ihrer Stadt, wollen Stefan Wenzel und Daniel Zein auch im kommenden Jahr die Songtage als regelmäßiges Festival planen.

( Christine Schimmel, 03.04.2009 )

zurück