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Was ein Scheit Lindenholz in sich birgt

"Wann geht’s denn endlich los", fragt die kleine Tina. Sie rutscht etwas unruhig auf ihrem Sitz hin und her und schubst ein bisschen den neben ihr sitzenden Maik. "Sei still", faucht der zurück, "wirste schon merken". Aber Tina ist ungeduldig. Sie war mit ihrer Kindergartengruppe in das Puppentheater gekommen, wie so viele andere an diesem Vormittag. Passend zur Weihnachtszeit brachte das Geraer Puppentheater der Theater & Philharmonie Thüringen in seiner Spielstätte am Gustav-Hennig-Platz Friedrich Wolfs "Weihnachtsgans Auguste" heraus. "Frau Bergner hat uns die Geschichte vorgelesen", zeigt die Kleine auf ihre Erzieherin, die am anderen Ende der Stuhlreihe sitzt und ein Auge auf ihre Schützlinge hat. Ab und zu muss sie doch bei aller Aufregung der Kinder ein mahnendes Wort an diesen oder jenen richten". "Nimm die Füße runter", "Psst" mit dem obligatorischem Zeigefinger am Mund oder einfach nur "Ruhe". Und dann verlöscht langsam das Licht. Der Vorhang geht auf, und das Spiel um das Vorhaben des Opernsängers Löwenhaupt, einen Weihnachtsbraten zu beschaffen, kann beginnen.
Für die kleinen Zuschauer eröffnet sich eine fantastische Welt. Sie sehen eine Küche mit allerlei Geräten, etwas größer als in einer Puppenstube, Kinderzimmer, eine imaginäre Schlitterbahn im Garten, und Schneeflocken. Vater Löwenhaupt hat inzwischen ein Prachtexemplar von lebender Gans mit nach Hause gebracht, die die beiden Kinder sofort zur Spielgefährtin erklären und sie Auguste taufen. Und zum Schluss erfahren die Zuschauer, warum Auguste statt ihrer schönen Federn einen Pullover tragen muss. Was sie aber nicht wissen, das es von der Figur drei Exemplare gibt: eine mit Federn, eine gerupfte und eine mit Pullover. Am schönsten ist natürlich Auguste in ihrem schönen Federkleid. Jan Hofmann, der all diese Figuren geschaffen hat, schmunzelt. "Ja, da musste ja auch ein ganzes Federkissen daran glauben". Jan Hoffmann weiß sich immer zu helfen. Als Ausstatter hat er ständig neue Ideen. Und man könnte ihn eigentlich Schnitzer, Puppenbauer, Puppenbilder oder Puppengestalter nennen, aber er ist auch Schneider, Tischler und Perückenmacher. Seit 32 Jahren ist er am Geraer Theater als Ausstatter tätig, vornehmlich für die Puppenbühne, aber seit einiger Zeit auch für das Große Haus. Er gibt den Figuren Gesicht und Gestalt, kleidet sie ein und verschafft ihnen die passende Frisur.
Wie viel Puppen Jan Hofmann bis heute gefertigt hat, weiß er nicht mehr. Aber es sind unzählige, darunter auch einige Kasperpuppen, die fein aufgereiht, an der Spitze der Kasper des Puppentheatergründers Herbert Östreich, den Eingang zum Zuschauersaal im Haus am Gustav-Hennig-Platz zieren. Begonnen hat er mit Malerei und sich schon als Kind an der Staffelei zu Hause ausprobiert. Kein Wunder, denn sein Vater war Kunstmaler, ebenso ein Bruder, der andere Steinbildhauer. Der aus Dresden Stammende hat dort von 1968 bis 1971 Theatermalerei studiert, später in Erfurt und Weimar am Theater gearbeitet bis es ihn dann nach Gera verschlug. "Hier wollte ich einfach mal etwas Anderes machen als im Theatermalsaal arbeiten", bekennt er. Er bewarb sich um die Ausstatterstelle, die hat er bis heute inne.
Schritt für Schritt erlernte er das Schnitzen, das Anfertigen von Marionetten und viele technische Raffinessen, Fingerspitzengefühl und Feinheiten. An seine ersten Stücke und Puppen erinnert er sich aber. "Kalif Storch" stattete er aus, und die ersten Puppen waren aus dem Stück "Die Wunschlaterne", seine ersten Marionetten aus "Wie der Elefant zu seinem Rüssel kam". Würde man alle Puppen von Jan Hofmann aneinanderreihen, würde man feststellen, dass sie nie einander ähneln. Es ist wie ein Markenzeichen. "Ich wiederhole mich nie", gibt er zu. Immer müsse er sich etwas Neues einfallen lassen. Natürlich läge es auch daran, dass jedes Stück eigene Charaktere habe und die müssten sich ja schließlich in den Figuren widerspiegeln. Er richte sich nach den Vorgaben des Regisseurs, doch am liebsten habe er es, wenn er seine eigenen Vorschläge in die Tat umsetzen könne. Zum Schnitzen verwendet er Lindenholz. Manchmal entdeckt er eine besonders schöne Maserung, die dann in die Figur mit eingearbeitet wird. Details werden hervorgehoben, die das Bestimmende an dem hölzernen Gesellen sind, der dann durch den Spieler zum Leben erweckt wird. "Marionetten herzustellen ist Physik", sagt er. Ob am Faden oder am Stab, die Schwerpunkte müssten stimmen. Als Meisterstücke spricht er von seinen Puppen aus "Freischütz". "Sie können selbst stehen, haben richtige Kugelgelenke und werden geführt", verrät er. Oder im Stück "Der Geburtstag der Infantin" führen die Marionetten ein Stück ebenfalls mit Marionetten auf, die entsprechend klein sind, auf. Das war auch für die Spieler eine Herausforderung.
In der Puppenwerkstatt sieht es aus wie bei einem Allroundkünstler. Schnitz- und andere Messer, Keile und Bohrer, Schraubzwingen und Pinsel, dazwischen Drehbank und Schablonen, Gipsformen und was nicht noch alles. Gebrauchen kann der Ausstatter alles. Er findet für jeden kleinsten Knopf Verwendung. Ganz im Geheimen ist Jan Hofmann auch ein technisches Genie. In fast jeder Inszenierung versteckt er eine technische Spielerei. Gern erinnert er sich an die Backmaschine aus "Die Weihnachtsgeschichte" "Da wurde richtig Teig geknetet, zu einem Weihnachtsstern ausgerollt, gebacken und später unter den Besuchern verteilt. Auch eine Musikmaschine hat er schon ertüftelt und das Mechanische Ballett für eine Ballettaufführung im Großen Haus. Und er bekennt, dass es ihm auch Spaß macht, für die große Bühne zu arbeiten, Schauspiel und Musikaufführungen auszustatten. Trotzdem, seine Puppen sind Unikate, viel zu schade, um sie in Kisten oder Theaterfundus verschwinden zu lassen. Vor Jahren konnten sich die Figuren und Requisiten zum Entzücken der Besucher noch in Ausstellungen präsentieren, doch dazu fehle jetzt die Zeit, bedauert er.

( Helga Schubert, 19.12.2008 )

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