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Hüftschwung, Riesenfelge oder ein gestreckter Salto rückwärts mit Schraube

"Der Armschwung geht rücklings nach unten, nach einem Bremspunkt explosiv vorwärts-hoch. Der Oberkörper ist gerade. Der Körperschwerpunkt liegt auf der Körperlängsachse. Beine werden leicht vorgedehnt und anschließend explosionsartig ge-streckt. Durch Hocken der Beine, Rundung des Rückens und Umklammern der Knie werden die einzelnen Körperteile der Drehachse genähert. Die Hauptaufgabe ist die Drehung des Körpers um 360° Grad. Durch Strecken des Körpers wird das Trägheitsmoment erhöht und damit die Winkelgeschwindigkeit verringert. Folge ist ein fester Stand."
Aha, möchte man sagen, klingt doch ganz einfach, so ein gehockter Salto. Spätestens wenn man die Turner des Turnvereins Gera dann aber beim Training beobachtet, und die Übung innerhalb von Sekundenbruchteilen - noch dazu mit Schraube, d.h. mit zusätzlicher Rotation um die Körper-Längsachse - präsentiert wird, weiß man, dass das mehr als drei Mal Üben abverlangt. So eine Lehrbuchbeschreibung hilft eben dann doch nicht weiter, wenn man auf der Matte steht.
Den Jungs vom Geraer Turnverein macht es sichtlich Spaß, den eigenen Körper in diesem Maße zu kontrollieren und seine Grenzen auszuloten. Im Turnsportzentrum, der ehemaligen BUGA-Blumenhalle, bestehen seit der Sanierung beste Bedingungen für die Sportler. Doch ein gutes Training dieser nicht selten unfallträchtigen Sportart ist ohne kompetente Hilfestellungen nicht denkbar.
Um hilfreiche Hinweise, Tipps für Verbesserungen und für das Halten und Führen während der anspruchsvollen Turnelemente kümmert sich seit rund vier Jahren ausschließlich Daniel Wolf. Er ist verantwortlich für alle männlichen Turner des Vereins, ist sowohl für sieben kleine Jungs zwischen 8 und 10 Jahren, als auch für die sechs Jugendlichen ab 15 Jahre alleiniger Trainer. Seit zwei Jahren können schon die Jungen im Vorschulalter nicht mehr betreut werden, dazu reicht schlicht und ergreifend die Freizeit des jungen Geraers nicht aus.
Seit seinem fünften Lebensjahr ist Daniel Wolf selbst Mitglied des Turnvereins Gera (seit 2003 Verbund aus dem ehemaligen BSG Wismut Gera und dem 1. SV Gera) und hat seine sportlerische Laufbahn vorangetrieben. "Damals gab es im Verein noch fünf oder sechs feste Trainer, die sich um den Turnernachwuchs kümmerten", erinnert er sich. Von 1993 bis 1999 stand der Leistungssport für ihn an erster Stelle, eine Ausbildung am Sportgymnasium in Jena war somit ein konsequenter Schritt. Schon damals ließ er sich aus eigenen Stücken zum Übungsleiter ausbilden und machte 2004 dann seine Trainerlizenz. "Ich wollte im Turnverein eben das an die Jungs weiter geben, was ich auch selbst jahrelang erfahren habe", benennt er seine Motivation.
Nach 1999 kam Daniel Wolf zurück in seine Heimatstadt, trainierte aber wöchentlich in Erfurt. Mit einem Studium der Lehr-, Lern- und Trainingspsychologie in der Landeshauptstadt verband er die Hoffnung, "irgendwann einmal berufstechnisch im Sport zu landen". Ab dem Jahr 2000 war er dann offiziell Trainer im Geraer Turnverein und unterstützte die heute stellvertretende Vereinsvorsitzende Elke Klemmert beim Training der Jungen. "Ihre Erfahrungen konnte ich in meine eigene Trainingstätigkeit aufnehmen", so Wolf. Drei Mal wöchentlich fuhr er also von Erfurt nach Gera, um das Training für die Turner ehrenamtlich zu gewährleisten.
Aus eigener Erfahrung weiß er, dass ein intensives, Erfolg bringendes Training nicht ohne die Sicherheit regelmäßigen Übens mit einem fachlich ausgebildeten Trainer möglich ist. Doch ein Trainer allein, auch wenn er noch so motiviert ist, könne das Training der Turner aller Altersgruppen nicht gewährleisten. Schließlich gelte es in jeder Entwicklungsstufe andere Schwerpunkte zu setzen. Bis zum zehnten Lebensjahr könne man Mädchen und Jungen gemeinsam trainieren, denn das turnerische Übungsprogramm der Grundlagen sei ähnlich. Die Kinder lernen am Boden den Handstand und ein Rad zu schlagen, den Hüftschwung am Reck oder die Sprunghocke.
Doch danach braucht es methodischer Arbeit des Trainers, um das individuelle Können der Turner optimal zu fördern. Die Übungen werden komplexer, die Riesenfelge am Reck oder ein gestreckter Salto rückwärts mit Schraube verlangen einen viel größeren Trainingsaufwand. "Die Jungs ab 16 brauchen ein intensives Training. Das unfallfreie Üben, mit dem Ziel der technischen Perfektion, kann jedoch nur ein qualifizierter Trainer mit fachlicher Kompetenz und einem ausreichenden Maß an Erfahrung garantieren", beschreibt Daniel Wolf die Situation.
Erstklassige Trainingsbedingungen und der eigene Wille, immer besser zu werden, brachten Daniel Wolf auch persönlich große sportliche Erfolge: Deutscher Meister der Amateure wurde er 2001, 2006 und 2007, gemeinsam mit der Mannschaft aus Erfurt 2000, 2001 und 2004. Außerdem ist der Athlet mehrfacher Thüringenmeister, wurde Sieger beim ersten und zweiten Turnfest in Gera und erkämpfte sich den 2. Platz beim Internationalen Deutschen Turnfest 2005. In diesem Jahr unternahm er zudem einen spannenden Ausflug in die Sportakrobatik und konnte sich mit seiner Vierergruppe der Meisterklasse sogar über den Titel Deutscher Meister Sportakrobatik 2008 freuen.
Die eigene Sportlerlaufbahn im Blick betont Wolf erneut die große Bedeutung der Trainer: "Am Anfang braucht man viele Hilfestellungen und die Haltung muss ständig korrigiert werden. Der Weg bis zu einer Übung ganz ohne Trainerunterstützung ist weit." Er versteht deshalb das Ziel des Turnvereins in jedem Falle darin, talentierte Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern und z.B. auf ein Sportgymnasium vorzubereiten. Dabei weiß er jedoch um das Problem, dass dafür eine intensive Betreuung in Leistungsgruppen zwar nötig wäre, durch das Fehlen eines weiteren Trainers jedoch fast unmöglich geworden ist. Auch die eigenen beruflichen Pläne machen ein regelmäßiges Training immer schwieriger.
Aus diesem Grund wendet er sich an Sportstudenten, Sportlehrer und Trainer, die sich für einen Trainerposten im Geraer Turnverein interessieren könnten. Auch in Zukunft hoffen die Turner-Jungen nämlich darauf, mindestens zweimal wöchentlich jeweils für zwei Stunden im Turn-sportzentrum trainieren zu können.
Kontakt: Turnverein Gera e.V., ( (0162) 2579960 oder per E-Mail an gera.turnen@web.de. Weitere Infos über den Verein gibt es auf der Homepage www.turnverein-gera.de.

( Christine Schimmel, 19.12.2008 )

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