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Den Bewohnern ein heimisches Gefühl vermitteln

Fast unbemerkt steuerte das Joliot Curie Haus in Gera-Untermhaus in diesem Jahr auf sein 50-jähriges Bestehen zu. Erst als eine Mitarbeiterin auf das nahende Jubiläum aufmerksam geworden war, machte man sich schnell an die Aufbereitung der Geschichte des Seniorenzentrums in der Heinrich-Laber-Straße.
Seit dem 1. April 1993 ist das Diakonische Werk der evangelischen Kirche Thüringens freier Träger des Pflegeheims. Vorher war es, 1958 als modernstes Feierabend- und Pflegeheim im Bezirk Gera gegründet, eine städtische Einrichtung. Damals verlieh man ihm auch den Namen des Wissenschaftlers und Friedenskämpfers Frederic Joliot Curies. Nach 14-jährigem Bestehen war eine Umprofilierung zum reinen Pflegeheim "Joliot Curie" erforderlich. 1972 erfolgte dann die leitungsmäßige Zusammenlegung mit dem "Fritz Koch"-Heim in Gera. Seit dem Jahr 2000 hat das Diakonie-Haus einen neuen Anbau und einen begrünten Innenhof mit einem kleinen Pavillon. Unter voller Belegung waren die umfassenden Baumaßnahmen durchgeführt worden.
Ralph Thorwirth, seit Januar 2007 Heimleiter des Senioren-Pflegeheims, ist stolz, ein über so lange Zeit gewachsenes Haus führen zu können. Die stetig volle Belegung gibt ihm Recht. "Derzeit betreuen wir 89 Bewohner und die Nachfrage nach freien Zimmern ist immer groß", sagt er. Das Diakonie-Konzept habe sich durch Mundpropaganda einen guten Ruf gemacht. "Zwar unterliegen wir den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie andere private Anbieter, aber wir sehen unsere Bewohner nicht als Klienten", betont der gelernte Altenpfleger. Vor allem Menschlichkeit und ehrliche Zuwendung gehören zum hier vorgelebten christlichen Grundsatz. Als gGmbH ist das Joliot Curie Haus zudem gemeinnützig. "Wir müssen nicht auf Teufel komm’ raus Profit machen", so der Heimleiter. Erfahrungen mit der Leitung eines Seniorenzentrums sammelte Ralph Thorwirth während seiner tätigkeit in Jena, wo er bereits seit 1992 für das Gertrud Schäfer Haus verantwortlich ist.
Dass in den Diakonie-Häusern vor allem die Identifikation mit dem christlichen Grundgedanken an vorderster Stelle steht, beweisen auch die rund 50 Mitarbeiter. Pflegepersonal, Beschäftigungstherapeuten, Küchenangestellte und Reinigungspersonal kümmern sich täglich um das Funktionieren des großen Pflegeheimes und helfen mit, dass sich die Bewohner so wohl wie möglich fühlen.
Pflegedienstleiterin Monika Böröcz, seit 1986 hier tätig, unterstreicht vor allem die Bedeutung der Beschäftigung für eine erfolgreiche Pflege: "Die Menschen werden immer älter und pflegebedürftiger. Aber das heißt nicht, dass sie die letzten Lebensjahre nur in ihrem Bett liegen wollen." Die gelernte Krankenschwester verweist in diesem Zuge auf die Angebote für die Bewohner. Wer wolle, könne bei den Andachten, Gottesdiensten und wöchentlichen Besuchen der Pastorin Döhring dabei sein oder sich in christlichen Gesprächskreisen mit anderen Mitbewohnern austauschen. Oft seien die Pflegebedürftigen noch aus der Kriegsgeneration und, wie damals üblich, konfessionell gebunden. "Diese Menschen suchen dann auch im Pflegefall ein Haus, in dem sie ihre Konfession weiterhin leben können", so Ralph Thorwirth. Trotzdem kann jeder, auch ohne einer Konfession anzugehören, im Joliot Curie Haus aufgenommen werden, versichert er.
Damit sich alle wie zu Hause fühlen, sind die Gemeinschaftsbereiche und privaten Zimmer sehr individuell eingerichtet. Nichts erinnert hier an einen sterilen Krankenhauslook. Zwar gehören zur Grundausstattung eines jeden Raumes ein spezielles Pflegebett, Nachtschrank, Tisch und Stühle, doch alles andere können die Bewohner nach ihren persönlichen Vorlieben gestalten. Sogar Kleintiere sind erlaubt. Dies komme dem Wohlbefinden einzelner Menschen entgegen, erklärt Thorwirth. Schließlich sei der Aufenthalt im Diakonie-Heim für viele die letzte Station ihres Lebens, und die sollte so angenehm wie möglich sein.
Zahlreiche Freizeitangebote, wie Gymnastik und Gedächtnistraining, Musiktherapie und Chorsingen oder Basteln und Handarbeiten sorgen dafür, dass nicht jeder Tag wie der andere aussieht. Darum kümmert sich auch Ilona Funke, eine der zwei Beschäftigungstherapeutinnen. Die ehemalige Kindergärtnerin hilft hier bereits seit 18 Jahren den Menschen bei der Freizeitgestaltung. "Auch die Koch- und Backgruppe ist beliebt. Hier bereiten die Bewohner, wie früher zu Hause, gemeinsam leckere Gerichte zu. Das erinnert sie an damals und gibt ihnen das Gefühl, alltägliche Dinge noch selbst tun zu können", berichtet sie.
Um den Pflegebedürftigen auch in den Gemeinschaftsräumen einheimisches Gefühl zugeben, hat sich Ilona Funke für eine besondere Ausstattung stark gemacht: mit Mobiliar des vergangenen Jahrhunderts. "Vor allem in den Bereichen, wo Demenzkranke betreut werden, sind ältere Möbelstücke wichtig", sagt sie. Die Bewohner fühlen sich dann wohler, weil sie das an ihre Jugendzeit und ihr früheres Leben erinnert. Zum Glück finden sich unter den Angehörigen der Pflegebedürftigen immer wieder großzügige Spender. Derzeit wird nur noch eine Küche damaliger Zeit gesucht.

( Christine Schimmel, 05.12.2008 )

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