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"Wo einst die Kamille blühte" pulsiert heute modernes Leben

Richtige Schätze sind in manchen Haushalten noch verborgen. Sei es aus Sammlerleidenschaft, ein wenig Nostalgie oder auch nur, weil man sich von dem einen oder anderen Stück - das früher einmal ziemlich teuer war - einfach nicht trennen möchte. Jetzt aber sind viele der "guten Stücke", die die Lusaner zusammengetragen haben, an einem Ort gelandet: in der Geschichtswerkstadt, die die Gewo in der Kastanienstraße 7 eingerichtet hat. Entstanden ist ein richtiges kleines Museum, das sich in den wenigen Wochen seines Bestehens schon einer stattlicher Besucherschar erfreute: Über 200 Besucher wurden gezählt, am 3. Oktober waren es allein über 70.
Gewo-Geschäftsführer Christian Rokosch zeigt sich beeindruckt von dem Engagement der vielen Lusaner, die etwas mitgebracht haben, angefangen von Einrichtungsgegenständen, Elektro- und Haushaltsgeräten, aber auch alte Veröffentlichungen und Pläne des "Neubaugebietes". Auch dieser aus DDR-Zeiten oft noch gebliebene Ausdruck ist nicht nur Nostalgie, sondern ein Ausdruck der Liebe zum Viertel. Es ist bei weitem kein Geheimnis, dass man einst glücklich war, eine neue Wohnung im Plattenbau zu erhalten. Aber die Geschichtswerkstatt macht auch deutlich, wie weit diese Zeit zurückliegt und die meisten Lusanerinnen und Lusaner heute mit ihrem Stadtteil verbunden sind.
Die Gewo hat - so Christian Rokosch - heute noch weit über 4000 Wohnungen in Lusan. Dazu gehört nur eine ganz verschwindende Anzahl, bei denen es noch keine Verbesserungen gegeben hat. Auch wenn der Begriff "Rückbau" nur ein verschönender Begriff für den Abriss ist, so sind doch Licht und Luft ins Viertel gekommen, der überwiegende Teil der Wohnungen wurde modernisiert und umgestaltet, ganz einfach dem heutigen Leben angepasst. Dazu nennt der Geschäftsführer ein Beispiel: "Bei allen Rekonstruktionsarbeiten wurde auf eine zeitgemäße Wärmedämmung geachtet." Das zahlt sich schon heute in geringerem Heizbedarf und damit in Euro und Cent für jeden Mieter aus.
Auch deshalb erinnern sich die Besucher der Geschichtswerkstatt gern, wie alles angefangen hat. Viele von ihnen haben sich schon mit den Worten "Ich hab da noch was" verabschiedet und kamen dann zurück, um den Fundus aufzustocken: Milchkannen, Dias, Schallplatten, Spiele, Mini-Recorder und sogar Schulbücher wurden abgegeben und sind sehr willkommen. Und noch etwas wurde deutlich: Die Geschichte Lusans hat natürlich weit vor dem "Neubaugebiet" begonnen. 1927 z.B. wollte ein Bauverein hier eine "Gartenstadt" schaffen. Und auch Alt-Lusan hat eine lange Geschichte und ist nicht vergessen. Es gibt Dokumente über die Milchwirtschaft in Zeulsdorf, den Bau der Straßenbahnlinie und vieles andere.
Die Gewo hat bei der Einrichtung der Geschichtswerkstatt noch nicht mit einer so großen Resonanz gerechnet. Jetzt haben sich schon Lehrer und Kinder der Förderschule zum Besuch angesagt, vielleicht wird es eine kleine Fotoausstellung geben oder man veranstaltet ein zwangloses Plauderstündchen, um darüber zu rechen wie es früher war, als die Neubauwohnungen anfangs meist nur mit Gummistiefeln zu erreichen waren. Und wie es heute ist: Der Traum einer Gartenstadt hat sich fast erfüllt, es gibt viele Bäume, kleine Anlagen und Spielplätze. Darüber hinaus alles fast zum Greifen nahe: Arzt und Apotheke, Straßenbahn und Einkaufsmöglichkeiten - und jetzt einen weiteren Ort der Erinnerung und Entspannung. Vielleicht erinnert man sich daran, dass eine Zeitung zur ersten Gründsteinlegung ein Foto unter dem Titel "Wo einst die Kamille blühte…" veröffentlicht hat und kann heute gutes Gewissens hinzufügen: "… da pulsiert heute das Leben."
Gegenwärtig ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Vielleicht reicht das bald nicht mehr aus!

( Reinhard Schubert, 30.10.2008 )

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