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Fachliches Wissen, ehrliche Lesetipps und persönlicher Beratung

In Zeiten, in denen große Ladenketten stetig daran arbeiten, die kleinen, eigenständigen Händler vom Markt zu verdrängen, ist der 215. Geburtstag einer Buchhandlung ein kleines Ereignis. Zu diesem Jubiläum können sich die Mitarbeiter der Kanitz’schen Buchhandlung in dieses Tagen beglückwünschen, denn die Geraer Traditionsbuchhandlung begeht am 6. November genau diesen Ehrentag.
1793 erwarb der Leipziger Buchhändler Wilhelm Heinsius die fürstliche Buchhandelskonzession für die Reußenresidenz Gera und eröffnete am Johannisplatz 9, im sogenannten Kollegienhof gegenüber dem Rutheneum, einen Buchladen. Hier verkaufte er neben der teuren Ware Buch, auch Kunstdrucke, Karten und antiquarische Gegenstände. Seine später von ihm geschiedene Frau heiratete schließlich einen gewissen Herrn Kanitz aus Merseburg und deren gemeinsamer Sohn Hermann August Kanitz kaufte im Jahre 1842 die Buchhandlung und gab ihr ihren bis heute erhaltenen Namen. Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzer, z.B. Reisewitz und Kindermann. Der bekannte Namenszug der Kanitz’schen Buchhandlung blieb jedoch immer erhalten, stand er doch damals schon für die Qualität des Traditionsgeschäftes.
Nachdem sich die Buchhandlung am ehemaligen Johannisplatz über 128 Jahre einen Namen gemacht hatte, zog sie in ihr wohl bekanntestes Domizil am Markt 3. Die historischen Gewölbe im Verkaufsraum und das riesige Lager boten die besten Voraussetzungen für den Handel mit Büchern. 1922 kaufte Rudolf Reich nach dem Tod von Richard Kindermann den Laden und erweiterte das Angebot um Antiquitäten. Nachdem auch seine Kinder Gunne und Jürgen Reich die Buchhandlung geführt hatten und sich die Familie in den Westen verabschiedete, lag die Leitung ab 1955 bei Doris Haake, die infolge 35 Jahre Mitinhaberin und alleinige Geschäftsführerin war.
Die gebürtige Zeitzerin wohnte sogar über der Buchhandlung. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass die Geschäfte auch während der DDR-Zeit bestens liefen - als christlich ausgerichtete, private Buchhandlung inmitten einer staatlich organisierten Handelslandschaft eine denkbar schwere Aufgabe. Sie verordnete der Buchhandlung ein System und teilte die Arbeit in verschiedene Bereiche auf, so dass bestimmte Mitarbeiter für Verkauf, Lager, Bestellwesen und Buchhaltung verantwortlich waren. Auch der dreijährige Umbau der Adresse am Markt 1980 bis 1983 konnte dem Laden nichts anhaben. Unverdrossen verkaufte Doris Haake ihre Bücher im Ausweichdomizil im Steinweg und zog nach umfassender Rekonstruktion wieder in die Verkaufsräume am Markt ein.
Nach der Wende 1990 hatte die "Kanitz’sche" den plötzlichen Tod von Doris Haake zu betrauern. Jürgen und Margrit Reich kamen nach Gera zurück und leiteten fortan wieder die Geschäfte.
Ein Jahr nach dem 200. Geburtstag der Buchhandlung 1994, konnte die aufgrund gestiegener Kosten und Mieten drohende Schließung nur durch die Übertragung auf einen neuen Eigentümer verhindert werden. Familie Reich verkaufte das Geschäft, das zu den ältesten Buchhandlungen Deutschlands zählte, an die Hennies und Zinkeisen GmbH. In den kommenden Jahren, in denen sich der Kundenstrom v.a. im Bereich zwischen den beiden großen Einkaufscentern unterhalb der Sorge abspielte, war es für die Buchhandlung auf dem zusehends verwaisten Markt oft nicht einfach. Schließlich war ein Standortwechsel erforderlich. Die "neue" Kanitz’sche Buchhandlung bezog 2005 aus wirtschaftlichen Überlegungen die Laasener Straße 8. Ohne die riesigen, sanierungsbedürftigen Räume am Markt im Nacken konnte sie ihr finanzielles Aus verhindern.
2006 firmierte das Geschäft in eine eigenständige GmbH um und begrüßt seitedem unter der Leitung von Karin Volkmer ihre Kunden. Ihr Team setzt alles daran, Tradition und aktuelle Kundenwünsche zu vereinen. Die Buchhändlerin ist sich sicher, dass Tradition nicht vom Standort abhängig ist, sondern von den Menschen, die im Unternehmen wirken. Neben den seit jeher traditionsgemäß geführten Fachgebieten Recht, Wirtschaft und Steuern sowie Religion, sind auch gut geführte Sortimente der Bereiche Belletristik und Kinderbuch vertreten. Viele Kunden kennen die "Kanitz’sche" schon aus ihrer Kindheit und bleiben ihr auch heute treu. Die persönliche Beratung, ehrliche Lesetipps und v.a. das fachliche Wissen der Buchhändlerinnen überzeugt. Ein besonderer Service ist auch die Recherche bzw. das Beschaffen von antiquarischer Literatur und vergriffenen Titeln. Zudem finden sich beim Schmöckern und Stöbern auch Geschenkideen, wie Devotionalien und Grußkarten.
Am Donnerstag, 6. November, dem Tag der Gründung vor 215 Jahren, möchte das Team der Kanitz’schen Buchhandlung gemeinsam mit den Geraern feiern. An diesem Tag ist bis 20 Uhr geöffnet und bei einem Gläschen Sekt wird auf die Zukunft des Ladens angestoßen. Auch für einen kleinen Leckerbissen ist gesorgt. Ab 17 Uhr werden neugierigen Gästen und Kunden die Herbst-Novitäten im Bereich regionaler Literatur und Fachbuch vorgestellt. Für all diejenigen, die sich anhand von Fotos und Texten an die "alte Kanitz’sche" erinnern wollen, liegt zudem eine Chronik aus.

( Christine Schimmel, 30.10.2008 )

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