Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Illustre Showbühne für Besser-Esser

Nach einem guten Essen könnte
man jedem vergeben, selbst
seinen eigenen Verwandten.
Oscar Wild

Eine Busladung Kochkompetenz ist nach Erfurt unterwegs, um sich die Internationale Kochkunstausstellung (IKA), gekoppelt mit der Gastronomiemesse inoga, anzusehen: Mitglieder und Freunde des Geraer Köcheklubs, angeführt vom Vereinsvorsitzenden Wolfgang Hunger. Die Reisegruppe ist bunt gemixt. Neben Leuten vom Fach sind auch "Veteranen" des Gewerbes, Vereinsförderer, eine IHK-Vertreterin und einer von Selgros mit von der Partie.
Am Eingang des weitläufigen Messegeländes empfängt sie ein riesiges Schild: "Kocholympiade - Culinary Olympics". Es ist die 22. Ihrer Art; die erste gab’s 1900 in Frankfurt/Main. Dreimal schon war Erfurt Gastgeber. Wohl weil die Preise für Aussteller und Besucher moderater sind als beispielsweise in Chicago oder Singapur, wo die Show auch schon stattfand. Nun ist für vier Tage Erfurt 2008 dran - sicherlich zum letzten Mal, ganz klar.
Die Gersche Truppe mischt sich unter das zahlreiche Publikum - der Genussgipfel ist ausverkauft. Etwa 1.600 Weißmützen aus 53 Nationen - von A wie Australien bis Z wie Zypern - wuseln durch die drei Hallen und wetteifern in über 100 Teams um Edelmetall. Freude bei der Geraer Besuchergruppe, dass das fünfköpfige Köcheteam Mitteldeutschlands, zu dem der Zeulenrodaer Christian Obst vom Seehotel gehört, tags zuvor in der Kategorie Regionalmannschaften Bronze holte. Zu Gold hat’s nicht gereicht. Die Schweden waren besser. Und deren Team bestand nur aus Frauen. Oh!, Oh!
Unsere Gruppe begegnet einem Altmeister der Kochkunst: dem schon betagten Leipziger Günter Petzold, Ehrenvorsitzender und Ehrensenator des Verbandes der Köche Deutschlands. Voller Stolz trägt er die Ehrenschleife des Verbandes, als einziger Ostdeutscher übrigens. Da er schon mehrere Kocholympiaden erlebt hat, wiegt sein Urteil schwer: Die IKA 2008 in Erfurt sei die bisher größte und beste. Ein Plus: Die Besucher können den Akteuren der kulinarischen Leistungsschau beim Kochlöffelschwingen und dem Dienst am Gast über die Schulter schauen.
Unmittelbar beobachten können das unsere Ostthüringer Sachverständigen in der Halle 3. Wir werden gerade Zeuge der Junior-Championship für Hotels und Restaurants. In einem abgesteckten Revier sind Tische herbstlich dekoriert. Eine Augenweide! Neun Teilnehmer aus "Germany" müssen die Tische perfekt eindecken und ein Vier-Gänge-Menü servieren, erläutert uns ein erfahrener "M" (seine Brustplakette bedeutet Maestro). Thema des Wetteiferns: Erntedankfest.
Unsere Gruppe kommentiert das Ereignis als Beispiel für das wachsende Interesse junger Leute am Beruf des Kochs und des Gastronomiefachmanns. IHK, Handwerkskammer, Arbeitsagentur, Ausbildungsverbund - sie alle registrieren auch in Ostthüringen einen großen Zulauf zu gastronomischen Berufen. Doch die Kocholympiade zeige auch mit unerbittlicher Härte, dass die Anforderungen an diese Berufsgruppe beträchtlich gewachsen sind. Von den jungen Bewerbern halte sich daher die Zahl der Geeigneten merklich in Grenzen.
In einer Hallenecke nehmen wir an einer Vortrags-Show teil, von denen die IKA und die inoga mehrere anbieten. Der deutsche Köcheverband wirbt zum Thema "Ernährung und Gesundheit". Vorgeführt wird die Zubereitung von Bisonfleisch. Da kann der Geraer Köcheklub mitreden. Denn sein Hauptsponsor für den jährlichen Köcheball, Lebensmittelhandel Schwarzbach Gera, hat schon die Vorzüge von Bison vorgeführt: kaum Fett und fast cholesterinfrei.
Nicht endenwollendes Staunen gibt es zu den hunderten Kreationen Kalte Platte auf Tischen im Saal. Sieht alles toll aus, ist alles originell arrangiert. Aber: Wolfgang Hunger und weitere Klubmitglieder meinen, alle diese mühevoll geschaffenen Kunstwerke seien etwas fürs Auge, reine Show, aber kaum etwas für den Gaumen. Wir Thüringer lieben daher eher Deftiges, Herzhaftes, Speisen, die Auge und Zunge gleichermaßen zufriedenstellen. Eines allerdings habe die IKA auch verdeutlicht: Auf unseren Tellern müssen noch vielmehr Gemüse und Obst Platz finden. Da sind uns zum Beispiel die Italiener weit voraus.
Einig ist man sich: März 2009 steigt ein weiterer attraktiver Köcheball. Das Organisationskomitee werde gemeinsam mit den Sponsoren die auf der Erfurter Kocholympiade gewonnenen Erkenntnisse in die Vorbereitung einfließen lassen.

( Harald Baumann, 24.10.2008 )

zurück