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André Rieu kommt auch ins Hinterland

Während sich in Deutschland trübes Spätherbstwetter breit macht, morgens dicke Nebelschwaden über Bäumen und Dächern hängen und nachts schon die ersten Fröste den letzten Balkonblumen den Garaus machen, freut sich Frank Seidler aus Gera auf satte 30 und mehr Grad. Am 31. Oktober kehrt er den grauen Novembertagen den Rücken und fliegt auf die andere Seite unseres Erdballs. Adelaide, Sydney, Brisbane und Perth in Australien sind die Ziele seiner Reise. Für ihn sind das allerdings keine touristischen Urlaubsziele, sondern auf Frank Seidler wartet harte Arbeit mit zwölf Stunden am Tag, mit wenig Freizeit und wenig Schlaf, aber mit viel Turbulenz, großen Erlebnissen und vor allem viel Musik. Frank Seidler arbeitet vier Wochen lang im Cateringstab von André Rieu. Der berühmte Geiger geht mit seinem Johann-Strauß-Orchester während seiner World Stadion Tour auch in Australien auf Konzertreise. Und der Geraer ist dabei. Es ist nicht das erste Mal, dass er für Rieu arbeitet, denn bereits im Dezember 2007 konnte er in Kanada im Team mitwirken. Wie kam er dazu?

"Ich wurde von einem ehemaligen Kollegen angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, in der Cateringtruppe zu arbeiten", erzählt er. Den Gästen des Hotels Novotel in Gera ist Frank Seidler kein Unbekannter. Denn hier ist er seit 15 Jahren im Servicebereich tätig. 1977 hat er im "Ratskeller" gelernt und später als Serviermeister im "Plzen" und in der "Heeresbergperle" gearbeitet. "Ich hatte natürlich keine Ahnung, wie alles abläuft", bekennt er, aber gereizt habe es ihn schon. Urlaub hatte er noch, und sein Chef, Hoteldirektor Jörg Tempel, hatte auch nichts dagegen. Er meinte sogar, er solle die Chance nutzen. Das ließ sich Frank Seidler nicht zweimal sagen. Er packte seine Koffer und wurde für kurze Zeit in die Mannschaft um Rieu integriert. Auch hier arbeitete im Servicebereich, kümmerte sich um die Bedienung, das Büfett und die Tische. Hautnah erlebte der Geraer, wie so ein Konzert vorbereitet wird, zum Beispiel den Bühnenaufbau des Schlosses Schönbrunn. "Das ist so aufwendig", erinnert er sich, "das Kulissenschloss ist immerhin 130 Meter breit, 35 Meter hoch und 30 Meter tief, hat einen Ballsaal in der ersten Etage, es gibt eine 25 Meter hohe Wasserfontäne, Eisflächen, eine Kutsche mit Kaiser Franz und Sissi fährt vor und viele andere Details".

Zehn Tage würde der Aufbau des Schlosses dauern. Und bereits in dieser Zeit ist das Cateringteam im Einsatz, "es sind rund 250 Leute - allein 150 bauen die Bühne auf - zu versorgen", weiß Frank Seidler. Es gibt Frühstück, Mittag und Abendessen, dazu Kaffee, Tee und andere Getränke sowie ein Angebot für die Nacht, denn es wird in zwei Schichten gearbeitet.

Nach jedem Konzert lädt dann der Meister alle Künstler und Mitwirkende zur After-Show ein. "Etwa 500 Menschen kommen da zusammen, für deren Versorgung wir auch zuständig sind", berichtet Frank Seidler. André Rieu sei mitten unter ihnen, und er habe keine Sonderwünsche, käme auch ins Hinterland, sei stets freundlich und ganz normal, stellt er fest. Stolz ist er auf das Autogramm. "Nicht bloß eine unterschriebene Karte", lächelt er. Drei Wochen war der Geraer in Toronto "Es war eine interessante, aber sehr zeitaufwendige Arbeit", bestätigt er. Großartige Besichtigungstouren habe er nicht unternehmen können, aber die Niagarafälle, die habe er sich doch angesehen.

Im Jahr 2008 folgte er Rieu nach Düsseldorf, Amsterdam, Leipzig und Paris und nun Australien. Mit Einverständnis des Hoteldirektors konnte er dafür unbezahlten Urlaub nehmen. "Ohne die Unterstützung des Hauses wäre es nicht möglich gewesen", möchte er sich auch bei seinen hiesigen Kollegen bedanken. Auch seine Frau und seine beiden Kinder ständen hinter ihm, freut er sich. Am 3. Dezember heißt es dann erst einmal Abschied nehmen von Australien und von Rieu und seiner gesamten Mannschaft. Für Frank Seidler ist die Tournee beendet. Ob für immer? Das weiß er jetzt noch nicht. "Mal schau’n".

( Helga Schubert, 24.10.2008 )

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