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Bleistift, Radiergummi und ein kleiner Block

"Jeder kennt die Drehkopfeulen des Keramikers Heiner Hans Körting", ist sich Kurator Hans-Peter Jakobson sicher. "Einmal schauen sie traurig, dann wieder hoffnungsvoll, geradeaus oder seitlich. Es sind Kultfiguren", bestätigt er. Heiner Hans Körting (1911 - 1991) konnte meisterlich mit Ton umgehen und schuf im Laufe der Jahre zeitlose Keramiken und edle Stücke, die auch heute noch ihre Liebhaber finden.
Doch in seiner neuen Ausstellung widmet sich das Museum für Angewandte Kunst (MAK) einer anderer Seite des Künstlers, die in der großen Öffentlichkeit nicht so bekannt, aber nicht weniger gekonnt und interessant ist. So nennt sich auch die Ausstellung, die bis zum 8. Februar 2009 gezeigt wird, "Der andere Körting - Ein Keramiker als Maler und Zeichner".
Als Betrachter ist man überrascht, welche Fülle sich an Zeichnungen, Gemälden, Studien, Skizzen, Entwürfen und Blätter in seltenen grafischen Drucktechniken darbietet. Selbst Hans-Peter Jakobson muss zugeben, dass ihm jetzt erst bewusst geworden sei, wie umfangreich, das zeichnerische Schaffen Körtings war. Es sei ein Schatz, der von Sohn Ullrich, ebenfalls ein Keramiker, gut behütet wird. Er sei ihm besonders dankbar, dass er die Blätter so lange Zeit dem Museum für die Ausstellung überlässt. Die Exposition schöpft aus einem riesigen Konvolut, die Körting hinterließ.
"Es gab praktisch nichts, was Körting als darstellungsunwürdig empfunden hätte" wusste der Kurator: ein Hund, der das Bein hebt, eine Kaffeehausszene oder ein badender Spatz. Meisterliches Zeichnen und das ständige Trainieren habe zu seinem Selbstverständnis gehört.
Der Künstler hat auch Naturstudien betrieben. Diese kann man in einer umfangreichen Seríe über heimische Vögel oder Wiesenpflanzen bewundern. Sie waren in ihrer Exaktheit als Lehr- und Anschauungsmaterial gedacht. In Wasserfarben zeichnete er u. a. die heimischen Vögel in ihren charakteristischen Lebensräumen. Die Blätter muten an wie ein Lehrbuch aus der Zeit als die Fotografie noch nicht erfunden war. Wir sehen Mauersegler und Stieglitz, Zaunwinde und Storchenschnabel, die er detailgetreu darstellte.
Und noch eine überraschende Seite des Keramikers Körting. Er hat auch Grimms Märchen illustriert, fast könnte man an Ludwig Richter denken. In altmeisterlicher Technik schuf er großformatige Gouache-Blätter zu verschiedenen Märchen. Humorvolle Gelegenheitsgrafiken, vignettenartige Zeichnungen, die an Wilhelm Busch erinnern, Porträts, Akt- und Bewegungsstudien, aber auch abstrakte Ornamente und Illustrationen gehören zu seinem Schaffen. Vieles findet sich dann in den Keramiken wieder. Eigentlich wollte Körting Buchillustrator und Tiermaler werden, sein Vater war allerdings ein bekannter Gartenkeramiker.
Vielleicht hat diese Seite der Vererbung dann bei Heiner Hans gesiegt und er griff zur Töpferscheibe, den Pinsel hat er aber, wie man sieht, nie ganz aus der Hand gegeben. Sohn Ullrich Körting erinnert sich, dass der Vater immer etwas zum Zeichnen in der Jackentasche hatte. einen Bleistift, einen Radiergummi und einen kleinen Block. Er sei in die Natur hinausgegangen und habe dann nachts zu Hause, wenn die Kinder schliefen, bei einer großen Kanne Tee bis früh um drei Uhr gezeichnet. "Bisher lagen die Zeichnungen meist nur in Mappen. Jetzt, da ich sie in der Ausstellung sehen kann, macht es schon einen anderen Eindruck", zeigt auch er sich überrascht von der großen Fülle. Ullrich Körting hat die Werkstatt seines Vaters übernommen, aber Zeichnen sei nicht sein Ding, bekannt er.


( Helga Schubert, 10.10.2008 )

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