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René Enders brachte Bronze beinahe in Gefahr

Welch ein Schauspiel. Prinz Willem Alexander der Niederlande überreichte die Medaillen an die Gewinner des olympischen Edelmetalls im Teamsprint. Der nur 1,65 Meter große René Enders vom Sprintteam Erfurt, den seine Teamkameraden für einen Fotografen-Schnappschuss auf die Arme nahmen, verdrückte dezent ein paar Tränen. Gerade im entscheidenden Lauf um Bronze sorgte der Aumaer durch einen zu frühen Antritt fast für einen Fehlstart und damit für ein kleines Durcheinander bei seinen Partnern. "Dafür gebe ich ihnen nachher einen aus", versprach René Enders.
Nur in Bruchteilen von einer Sekunde hatte er die Entscheidung zu fällen: Durchstarten oder umfallen lassen, um so einen Neustart zu erzwingen. Er entschied sich für die erste Variante, ging aus dem Sattel und mit kraftvollen Antritten machte er Tempo. Das es am Ende dann für Bronze gegen Australien gereicht hat, wenn auch nur mit einem Vorsprung von achttausendstel Sekunden, ist den Routinier Stefan Nimke zu danken, der eine super Schlussrunde hinlegte. Der 30-jährige Schweriner war nach den Startschwierigkeiten über sich hinausgewachsen und hatte so das Rennen aus dem Feuer gerissen. "Wir wussten erst nicht, ob wir vor Freude lachen oder weinen sollten. Erstmals haben wir uns alle umarmt und gegenseitig versichert: Ja - wir haben sie wirklich", zeigte sich Stefan Nimke, der in Peking seine dritten Spiele erlebte überglücklich.
"Ich bin heute um Jahre gealtert", meinte der Cottbuser Maximilian Levy. Und René Enders war einfach überwältigt: "Das ist der reine Wahnsinn. Nach der gigantischen Zwischenrunde haben wir uns geschworen, dass wir die Medaille nicht mehr hergeben." Und Stefan Nimke ergänzt: "Bronze war unser Ziel und jetzt haben wir die Medaille wirklich. Jetzt ist die Last erstmal von uns gefallen." Und auch auf der Tribüne im Velodrom Laoshan von Peking war ein jubelnder Rudolf Scharping zu sehen. Und wenn der Jubel nicht so überwältigend gewesen wäre, hätte man den Stein fast hören können, der den Funktionären und Aktiven vom Herzen fiel.
Selbst nach der Siegerehrung, die Bronzemedaille in der Hand, schien es René Enders immer noch nicht zu fassen. "Für mich war das im Moment so unfassbar. Die ganze Anspannung ist von mir abgefallen. Ich habe so hart gekämpft für diesen einen Moment. Ich bin letztes Jahr meinen ersten Weltcup gefahren, dann habe ich mich hauchdünn im Stechen für die Weltmeisterschaft qualifiziert, habe die Bundespolizei-Ausbildung unterbrochen um alles Mögliche für einen Olympiastartplatz zu tun. Ich hatte es meinen Heimtrainer Jochen Wilhelm versprochen. All das ist mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen. Es war ein Kampf, nur für diesen Moment", so die erste Reaktion des Geraer SSV-Sportlers.
Wir wahr das Motto "Im Teamsprint gewinnt oder verliert man gemeinsam" werden konnte, dazu noch einmal René Enders: "Im kleinen Finale um Bronze habe ich dann zu früh Druck auf die Pedale gemacht, obwohl die Startmaschine noch nicht geöffnet hatte und durch die Verlagerung meines Körpers nach vorn ist dann mein Hinterrad durchgedreht und das hat doch ne ganze Menge Zeit gekostet. Aber zum Glück haben Max und Stefan die Sache wieder gut gemacht."
Doch so richtig realisieren wird René Enders seinen Erfolg erst in den kommenden Tagen. "Ich bin am Sonnabend ganz normal aufgestanden und ins Velodrom gefahren um mich dort als Sparringspartner für die anderen zur Verfügung zu stellen. Ich denke richtig gefeiert wird dann, wenn alle Wettkämpfe beendet sind. Am Sonntagabend geht’s dann erstmal zum Athletenabend und ich hoffe, dass wir da ein wenig feiern können", so René Enders am Sonntagmorgen.
Viel Zeit, um seine Bronzemedaille zu genießen, bleibt für das Teamsprinttalent nicht. Von Peking aus geht es dann für ihn gleich zu den Deutschen Bahnmeisterschaften in Büttgen vom 27. bis 31. August. Danach folgt gleich bis 8. September die Europameisterschaft in Warschau.

( Reinhard Schulze, 22.08.2008 )

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