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Es schimmert und flimmert wie Sternenstaub

Längst hat der Briefbeschwerer nicht mehr die Funktion, die ihm durch seinen Namen gegeben wurden: Briefe beschweren. Er ist zum Kunstobjekt worden, mehr noch zum Geschenk- und Souvenirartikel, aber auch zum Sammelobjekt. Eines haben die Exemplare mit den Briefbeschwerern von einst jedoch gemeinsam: Sie werden aus dem Werkstoff Glas hergestellt. In der Ausstellung "Zauberhafte Welten im Glas" im Museum für Angewandte Kunst (MAK) kann man rund 500 der schönsten Exemplare sehen. Der größte Teil stammt aus der Sammlung des engagierten Triptiser Heimatforschers Eberhard Hetzer, der seit 20 Jahren Briefbeschwerer sammelt. Ergänzt wird die Ausstellung durch Stücke des Geraer Glaskünstlers Winfried Wunderlich, der Thüringer Glasbläserfamilie Precht und weiterer Glasdesigner. Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts tauchten die zweckgebundenen Artikel in den Kontoren und auf dem heimischen Sekretär auf. Die eigentlichen Wurzeln sind nahezu unbekannt. Glasarbeiter wanderten ebenso wie andere Handwerksgesellen durch ganz Europa. Venedig, Böhmen, Schlesien, Thüringen und Elsass-Lothringen galten als Zentren der Glaskunst. Man nimmt an, dass an mehreren Orten zugleich experimentiert wurde. Fest steht jedenfalls, dass der erste datierte Briefbeschwerer von Pietro Bigaglia aus Venedig auf der Industrieausstellung 1845 in Wien vorgestellt wurde.
Auch im thüringischen Lauscha experimentierten die Glasbläser mit dem farbigen Glas, dem Ziehen von Stangen und Stäbchen, verwendeten Glasabfälle und Splitter und arrangierten diese zu phantasievollen Mustern in einem festen Glaskörper. Und weil die Glasbläser diese Stücke, die zu beliebten Geschenken für Freunde und Verwandte wurden, nach Feierabend schufen, erhielten sie auch den Namen Pausengläser. Mit der Auswanderungswelle gelangten die Geheimnisse der Herstellung nach Amerika. Hier erfreuten sich die Briefbeschwerer großer Beliebtheit, während in Europa das Interesse an den gläsernen Objekten verebbte. Erst in den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelangten sie wieder zu Ehren, wurden als Reiseandenken und Werbemittel genutzt. Nicht lange, und Sammler entdeckten ihre Leidenschaft für die zauberhafte Welten im Glas.
Besucher der Ausstellung können sich auch verzaubern lassen. Besonders die Kugeln, die auf einem Lichtteller stehen, strahlen und funkeln wie am dunklen Nachthimmel die Sterne und entführen in eine phantastische Welt, die im Innersten der oft farbigen Briefbeschwerer zu sehen sind: Blumen und Korallen, fast wie in den Tiefen des Meeres oder aus fernen Welten, Schmetterlinge und Vögel aus dem Märchenland, Blasen und Sternenstaub zeigen immer neue Formen und verändern sich je nach Blickwinkel und Lichteinfall. Es schimmert und flimmert überirdisch schön. Die äußere Hülle ist nicht nur rund geformt, sondern mitunter eckig, kegelförmig oder oval. Neben den Kunstobjekten fehlen in der Ausstellung jedoch auch nicht die Warenhaus- und Souvenirlädenproduktionen. Sie stammen oft aus Taiwan, zeigen Pinguine, Delfine oder auch Weihnachtsmänner.
Das Museum für Angewandte Kunst widmet sich mit seinen Ausstellungen auch immer einmal der Alltagskultur, und hatte schon mit Schaufensterpuppen, Hüten oder Kitsch und Nippes viel Erfolg. "Zauberhafte Welten im Glas" reiht sich in das Programm, Alltagskultur vorzustellen, ein. Briefbeschwerer seien kein läppisches Sammler-thema, ist Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson der Meinung. Es habe für Volkskundler und Kulturwissenschaftler durchaus seine Be-rechtigung. Es gebe bereits Forschungsarbeiten zu diesem Gebiet und junge Glasgestalter würden gern auf das künstlerische Element und die Techniken des Dekors und des Materials im Glas zurückgreifen.
Die Ausstellung ist bis zum l. Februar zu sehen.

( Helga Schubert, 09.01.2004 )

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