Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Mit den Geraer Schloten 1 - 2 - 3 ist’s nun doch bald vorbei

Die Tage der drei riesigen Geraer Schornsteine, mit 220 Metern höchste in Thüringen und als eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt gehandelt, sind gezählt. Der Träger, die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) gab jetzt den offiziellen Startschuss für den Abriss der imposanten Landmarke, die mehr als 30 Jahre lang die Silhouette der Ostthüringer Metropole prägte.
Einzelheiten zum Verlauf der Demontage gaben gemeinsam mit Bürgermeister Norbert Hein der LEG-Geschäftsführer Frank Krätzschmar, der LEG-Projektleiter Josef Maier, der Regionalleiter Süd/Ost der TVF Altwert GmbH Roland Domke und der Projektleiter Schornsteinabbruch Guido Richter von der gleichen Firma.
Der Abriss der Riesen ist eine ingenieur- und bautechnische Herausforderung erster Güte. So müssen etwa 21.000 Tonnen Stahlbeton sorgfältig abgebaut werden, da eine Sprengung wegen der dicht anliegenden Bebauung nicht möglich ist. In wenigen Tagen erfolgt jetzt die Baustelleneinrichtung. Ab Oktober verschwinden die schwindelfreien Bauleute ins Innere der Schlote. Zu Beginn 2009 wird ein Kran aufgesetzt, wo eine Schere Stück für Stück des harten Brotes reihum abbeißt und nach innen fallen lässt.
Wenn alles gut geht, kann zur Jahresmitte 2010 die Baustelle beräumt sein. Den Abriss schultern Fachleute, die Arbeiten in luftiger Höhe gewöhnt sind. Von vier Firmen, die sich bewarben, machte die TVF Altwert GmbH das Rennen. Das 1994 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Lübbenau beschäftigt etwa 170 Könige der Lüfte. Am Objekt der drei Geraer Essen sind im Durchschnitt fünf Bauleute tätig. Das Schuttmaterial, das am Fuße der Schornsteine herauskommt, wird von einheimischen Firmen entsorgt.
Der LEG geht es natürlich um mehr als nur um einen Schornsteinabriss. Die Gesellschaft ist seit 15 Jahren am Markt. Altstandorte (z.B. brachliegende Fabriken) werden von ihr "umstrukturiert" und "renaturiert", also einem vernünftigen wirtschaftlichen Zwecke wieder zugeführt. So war das auch beim Industriekraftwerk Gera-Süd. Jetzt betrifft es das Areal des ehemaligen Heizkraftwerkes Gera-Nord. Auf 3,4 Hektar soll bis Mitte 2010 Gewerbefläche geschaffen werden. Die Nähe der Autobahn soll dann künftige Bewerber anlocken.
Das Gesamtvorhaben dürfte etwa sieben Millionen Euro kosten, wobei etwa drei Millionen auf den Abriss der Schornsteine entfallen. Die Stadt Gera kann sich über das LEG-Vorhaben freuen, denn sie ist nicht übermäßig mit attraktiven Gewerbegebieten gesegnet. Günstig ist, dass das Projekt von EU, Bund und Land gefördert wird. Der aufzubringende Eigenanteil der Stadt wird auf etwa zehn Prozent geschätzt.
Ein Novum besonderer Art: Den Abriss der Essen kann man im Internet über eine Website verfolgen. Der Töppelner Lars Krause organisierte gemeinsam mit dem Autohaus Auto-Scholz und dem Jenaer Unternehmen Telegant das Vorhaben.
Abriss oder Nicht-Abriss: Kaum ein kommunales Problem hat die Geraer in den letzten Jahren so emotional beschäftigt. Befürworter und Gegner schienen sich die Waage zu halten. Immerhin vermittelten die drei Riesen so etwas wie Heimatgefühl. Selbst Geras Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm bezog im Wahlkampf 2006 Position und befürwortete zeitweilig den Erhalt der Schornsteine. Eine Gruppe Fans wollte Jumping installieren. Ein Kletterprojekt gab’s auch. Und Railworld wartete mit einer besonders originellen Idee auf: Eine Kletterbahn, die sich um den Schornstein nach oben windet.
Die Essen verschlangen jährlich trotz Nichtnutzung etwa 30.000 Euro für den Unterhalt (z.B. für die Befeuerung). Durch das Brachliegen wurden die Lulatsche aber nicht besser. Es gab kein wirtschaftlich tragbares Projekt für eine Nutzung. So blieb nur der Abriss. Das eröffnete die Chance für einen Neubeginn. Er heißt Gewerbegebiet Nord.




( Harald Baumann, 07.08.2008 )

zurück