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Wenn der Berg ruft

Entführte bayrische Bergsteiger am Ararat, Todesfälle beim diesjährigen Zugspitzlauf, verschollene Gipfelstürmer auf dem Nanga Parbat - Bergsportler beherrschten in den letzten Wochen die Schlagzeilen der Medien. Zumeist entstammen derartige Abenteurer höher gelegenen Gefilden und machen schon als Jugendliche die Hoch- und Mittelgebirge ihrer Heimat unsicher. Gera liegt indes mit einer Höhe von 205 Metern über dem Meeresspiegel weder im Mittel-, geschweige denn im Hochgebirge und in jedem Falle deutlich unter der Baumgrenze.
Nichtsdestotrotz brechen auch aus Gera immer wieder Wagemutige auf, um in den entlegenen Orten dieser Erde ihr einmaliges Erlebnis zu erhaschen. Unikate dieser Art finden sich zum Beispiel in der Geraer Sektion des Deutschen Alpenvereins. Einer von ihnen ist zweifelsohne Friedrich Patzelt. Der 70-Jährige, der mit seinem kurzen, silbrig-grauen Haar und seiner Brille nicht gerade wie ein Abbild Reinhold Messners aussieht, bezwang im Jahr 2005 den berüchtigten Großen Ararat, auf dem nun drei Deutsche knapp zwei Wochen von kurdischen PKK-Rebellen verschleppt worden sind.
Mit einer Reisegruppe von zwölf Personen startete der gebürtig aus Böhmen stammende Patzelt, im August vor zwei Jahren, den Aufstieg vom Basislager in 3.150 Metern Höhe. Nach einem Höhenlager in über 4.000 Metern Höhe wurde am zweiten Tag, bei nebeligem Wetter, der 5.165 Meter hohe Gipfel des Berges erreicht, auf dem laut biblischer Erzählung, die Arche Noah nach der Sinnflut gelandet sein soll. Es sei schon etwas ganz Besonderes gewesen diesen Kultberg zu besteigen, erzählt der vitale Senior. "Bergsteigerisch war es keine besondere Herausforderung", versichert Patzelt kühn. Schließlich seien bei der Erklimmung des ruhenden Vulkans keine Eisüberhänge oder ähnliche Hindernisse zu überwinden gewesen.
Hürden dieser Art musste der leidenschaftliche Schwimmer und Marathonläufer hingegen bei weiteren Expeditionen meistern, beispielsweise als er den Chimborazo (6.310 m) erkletterte, der aufgrund seiner Lage am Äquator, weiter als alle anderen Berge in den Weltraum hineinragt. Auch in das Gipfelbuch des Elbrus’ (5.642 m) im Kaukasus hätte sich Patzelt eintragen können, hätte es eines gegeben.
Scheinbar ziehen Krisenherde den agilen Rentner an, denn wie auch am Ararat, der erst seit 2001 wieder mit Auflagen und Sondergenehmigungen zugänglich ist, ist auch der Berg in Russland stets Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. "Man kann ja nicht warten bis die Welt sich beruhigt hat, wenn man sich die schönen Stellen dieser Erde anschauen will, sagt Patzelt. Angst vor der Begegnung mit militanten Gruppierungen oder den Tücken der Berge habe er nicht. "Man muss zwar damit rechnen, dass etwas passieren kann, doch daran denken, dass es einen trifft, darf man nicht."
Friedrich Patzelt, der erst vor etwa zehn Jahren mit dem Bergsteigen begonnen hat, wolle jetzt etwas kürzer treten. "Die ganz großen Sachen mache ich sicherlich nicht mehr", sagt er mit einem Gesichtsausdruck, der vermuten lässt, dass doch noch das ein oder andere Gipfelfoto dazukommt. Der Aufstieg zur Geraer Hütte in den Zillertaler Alpen sei aber allemal drin.




( Christopher Eichler, 01.08.2008 )

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