Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Die Geraer entdecken ihr Schloss

Leider ist nicht viel übrig gebleiben vom schönen Schloss Osterstein, hoch über dem Altstadtviertel Untermhaus. Einzig der Schloss-garten, Remisen und die Alte Wache mit Amtsgebäude erinnern an das hochherrschaftliche Anwesen. Um dem verbliebenen Schlossgelände eine gebührende Stellung im räumlichen Kontext mit historischem Mohrenplatz und Otto-Dix-Haus sowie dem am Fuße des Schlossberges gelegenen Hofgut zu geben, hat sich seit dem letzten Jahr das sogenannte "Kunstareal Schloss Osterstein" etabliert. 2007 noch als Begleitprojekt der BUGA realisiert, zeigt es auch in diesen Tagen, dass Kunst einen Ort braucht - und dass ein kunst-voller Ort viele Menschen anzieht.
Die Geraer Künstler Sven Schmidt und Winfried Wunderlich haben es sich zum Anliegen gemacht, das "Kunstareal" zu beleben und organisieren wechselnde Ausstellungen, eigene Objektkunst und rücken zudem die Geschichte des Schlossgeländes optisch in den Blick. "Die Idee, das Schlossgelände mit Kunst wiederzubeleben, gab es schon vor rund zwei Jahren. Der damalige Kulturdirektor Dr. Wiese hatte es quasi in der Schublade. Aber das konkrete Konzept kam uns dann mit den guten Erfahrungen des Ost-West-Pavillons", erklärt Schmidt. "Dadurch waren wir mit den Besonderheiten des Areals vertraut."
Schon damals gab es die Idee einer großformatigen Collage im Innenhof. Daraus entwickelten Schmidt und Wunderlich die Fenstergestaltung "Dix war hier", die den Bezug zum Geburtshaus des Malers unterhalb des Schlosses schaffen sollte. Seit letztem Jahr bringt die Collage etwas Farbe in den Schlosshof und zeigt u.a. Ausschnitte der Dix-Bilder "Der Heilige Christophorus IV" (1939), "Selbstbildnis als Raucher" (1913) und "Selbstbildnis als Schießscheibe" (1915). Bewusst wurden gerade diese Bilder gewählt, die sich im Besitz der Kunstsammlung Gera befinden.
Doch nicht ausschließlich Dix sollte Thema werden. Seit diesem Jahr ist auch der große Schlossgarten jeder Zeit zugänglich und erweitert das "Kunstareal" um eine begehbare Installation. Schmidt und Wunderlich setzten sich seit der temporären Öffnung im BUGA-Jahr dafür ein, das von altem Gemäuer umgebene Gelände für die Geraer wieder zugänglich zu machen. Sven Schmidt erinnert sich an die Sanierungsarbeiten: "Zu DDR-Zeiten war der Garten nicht öffentlich. Er war in kleine Parzellen unterteilt, die jeweils den Mietparteien des benachbarten Wohnhauses zugeordnet waren. 2007 haben wir den Platz dann kurz für die Textil-Installation zur BUGA geöffnet. Zum Glück hat der Eigentümer GWB "Elstertal" dann den Treppenaufgang zum Schloss-Innenhof neu gestaltet und sich um die Gartenfläche gekümmert." Auch den Brunnen habe man in diesem Zuge wieder aufgebaut und einen spiralförmigen Kiesweg angelegt.
Von diesem Weg aus kann man nun die neue Installation "Fahnen klirren im Wind" von Schmidt und Wunderlich erkunden. Auf kleinen Tafeln erinnern die letzten Gesänge und Hymnen des Dichters Hölderlin an den ausgeprägten Freiheitsgedanken - gepaart mit großflächigen Malereien und Zeichnungen in kräftigen Farben. Auf den 1843 verstorbenen Friedrich Hölderlin sei man seiner Texte und seiner Lebenszeit wegen gekommen. Die zitierten Zeilen habe der vom Wahnsinn gezeichnete 1806 auf Bitten von Freunden und Bewunderern geschrieben. "Er schien uns einen guten Bezug zu unserem Schloss zu liefern", so Schmidt. "Seine revolutionären Texte bildeten einen kräftigen Kontrast zum feudalistischen Schloss Osterstein."
Auf die Frage, wie man sich die Zusammenarbeit der beiden Künstler vorstellen kann, antwortet Schmidt: "Wir haben beide an derselben Hochschule in Halle/ Burg Giebichenstein studiert und können uns daher auf dasselbe konzeptionelle Verständnis berufen. Zwischen uns sind die Definitionen von vornherein klar und wir müssen nicht ewig um eine Idee herum reden." Zuerst schätzen die Künstler ab, ob eine Idee gut ist, dann geht es um deren Umsetzbarkeit. Jeder der beiden hat seine Stärken, die entweder beim Komponieren und Arrangieren der Kunstwerke oder aber bei der praktischen und technischen Umsetzung des Konzeptes liegen.
Dass das "Kunstareal" verstehbare Kunst präsentiert, mit denen Viele etwas anfangen können, zeigen die zahlreichen Besucher an den Wochenenden. Während des Spaziergangs im Stadtwald oder in Untermhaus kommt es manchen ganz recht, dass das Schlossgelände wieder einiges zum Entdecken bereit hält. Schon zur Verkaufsausstellung in den Remisen 2007 habe ein großes Interesse an der Geschichte des Schlosses bestanden, erzählt Sven Schmidt. Also habe man eine Ausstellung erarbeitet, die die Historie des Schlossareals über visuelle Bezugspunkte präsentiert. Historische Ansichten, Karten, Pläne und Fotografien aus den Sammlungen des Stadtarchivs und des Stadtmuseums zeigen seine Entwicklung. Anschaulich wird die Schau im direkten Vergleich früherer Ansichten mit noch existierenden Bauten - ein Blick in den Innenhof genügt.
Einen Blick riskieren sollte man auch in das Amtsgebäude, das noch bis zum 27. Juli Malerei und Objekte des Esslinger Künstlers Bodo Nassal zeigt. In Mischtechniken und Collagen widmen sich seine Arbeiten v.a. Akten und Paaren, die sich reizvoll in die Atmosphäre der großen, hellen Räume einfügen. Die Ausstellungsräume bieten außerdem einen schönen Blick auf die Installationskunst im Schloss-garten. Auch die Objektkunst "Das Kaiserliche Gebuffschiff’" in der 1. Etage kontrastiert gekonnt den restaurierten mit dem aus Kostengründen unsaniert belassenen Teil des alten Fachwerkgebäudes. Ab Freitag, 1. August, stellt hier die Künstlergruppe "Septimus" aus Lippstadt aus. Sven Schmidt lädt schon jetzt alle Neugierigen zur Vernissage um 18 Uhr ein. Gleichzeitig soll auch ein Kunstfest gefeiert werden, das mit Video-Kunst und Buffet auf die neuen Schauen im "Kunstareal" einstimmt.
Auch im "7. Ost-West-Pavillon" können Besucher Kunst entdecken. Seit dem Jahr 2003 bemüht sich Sven Schmidt, in der sogenannten Alten Wache Künstler aus Ost und West zusammen zu bringen. "Los ging es mit der Ausstellung ‘Königinnen’ und darauf folgten dann die Pavillons", so Schmidt. Der Name der Ausstellung verstand sich als Provokation. "Viele Künstler-Kollegen aus dem Westen kannten da den Osten noch gar nicht", erzählt Initiator Schmidt. Jedes Jahr kommen nun neue Künstler dazu, diesmal aus Hollfeld/Bayern zum Thema "Aufmischen". Elf Künstler stellen hier noch bis zum 28. September ihre Werke aus, einer im Kunstpavillon des nahen Hofwiesenparks. Die Schau sieht sich der Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen verpflichtet. In der Kombination von Grafik, Malerei und Objekten, angewandter Kunst, Installationen und Glas präsentieren sich verschiedenste Kunststile und Gestaltungstechniken.
Das Kunstareal ist bis zum 28. September, Dienstag bis Sonntag von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

( Christine Schimmel, 18.07.2008 )

zurück