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Wenn das der Alte Fritz wüsste

Niemand hat geahnt, dass sich ausgerechnet der Schreibtisch des Preußenkönigs Friedrich II. im Geraer Museum befand und hier ein unbeachtetes Dasein fristete. Im Zuge der Enteignungen aus Geraer Villen und Rittergütern in den Nachkriegsjahren war er in das Stadtmuseum gelangt. Zwar wurde er zeitweise im Rokokozimmer des Stadtmuseums ausgestellt, doch dann verschwand er wieder im Magazin und wurde 1983 als Sammlungsbestand inventarisiert. 1999 gelangte er im Zusammenhang mit Restitutionsansprüchen der Erben des vermeintlich ur-sprünglichen Besitzers wieder in Privathand. Und dann tauchte er 2001 in einem Katalog von Sotheby’s auf.
Mit 600.000 Euro war das wertvolle Stück aufgerufen. Und immer noch hatte keiner Kenntnis von der Herkunft des Schreibtisches. Doch Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Bandenburg identifizierten ihn sofort als den vom Alten Fritz. Auf historischen Fotografien der Innenräume des Neuen Palais des Schlosses Sanssouci ist das Möbelstück deutlich zu sehen. Natürlich wurde es nicht versteigert, aber es dauerte noch Jahre bis es wieder in das Geraer Haus zurückkehrte.
Die Odyssee des Tisches hat ein Ende, denn nun kehrt er wieder an seinen Ursprungsort zurück. Dazu unterzeichneten Bürgermeister Norbert Hein und der Generaldirektor der Stiftung Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh einen entsprechenden Vertrag. "Das haben wir im Stadtrat ohne politischen Streit beschlossen", betonte Norbert Hein. Die Rücküberführung folge auch der Washingtoner Konferenz zum Umgang mit beschlagnahmten Kunstwerken nach dem 2. Weltkrieg oder kriegsbedingt verlagertem Kulturgut.
"Es ist ein großes Glück, und wir sind außerordentlich dankbar, dass wir den Schreibtisch als Teil des Unesco-Weltkulturerbes zurückerhalten", versicherte der Generaldirektor der Stiftung. Als Dank übernehme die Stiftung die Restaurierung von zwei klassizistischen Möbeln aus Gera. Alte Möbel könnten viel erzählen, und jetzt wüsste man auch noch mehr über die verschlungenen Wege des Tisches. Dr. Burkhardt Göres, Direktor Schlösser und Sammlungen, weiß zum Beispiel, dass 1944 bewegliche Stücke aus Sanssouci ausgelagert wurden und zwar 247 nach Schloss Mohlsdorf und 129 in das Rittergut Kospeda. Die Wenigsten hätten zurückgefunden, über 250 sind noch verschollen und werden gesucht. Elf Stücke habe die Stiftung bereits aus Gera zurückbekommen. (Der damalige Geraer Museumsdirektor Clemént Toepel hatte sich darum verdient gemacht, erinnerte Dr. Göres).
Der kostbare Schreibtisch, der stark restaurierbedürftig ist, wurde um 1768 in der Werkstatt der Gebrüder Spindler gefertigt. Sie war die herausragenste Möbelmanufaktur zur Zeit Friedrich II. Bei dem Tisch handelt es sich um einer der reichsten Einzelanfertigungen aus Ebenholz, mit Intarsien und vergoldeten Bronzebeschlägen verziert. Nach der Restaurierung, die mit rund 50.000 Euro veranschlagt wird, findet der Schreibtisch wieder seinen Platz im Neuen Palais. Zum 300. Geburtstag des Alten Fritz im Jahr 2012 soll er wieder an Ort und Stelle stehen. Doch zunächst kann das wertvolle Stück noch im Geraer Stadtmuseum in einer kleinen Ausstellung bewundert werden. Bis 24. August ist die Exposition der Stiftung unter dem Titel "Ein Meisterwerk der Möbelkunst wieder entdeckt - Dutzende werden noch vermisst" zu sehen.




( Helga Schubert, 18.07.2008 )

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