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Der Grüne Daumen von Liebschwitz - Siegfried Holzschuher und das Arboretum

Auf die Frage, ob er manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, muss Siegfried Holzschuher schmunzeln. Der 57-Jährige ist Praxislehrer für Agrarwirtschaft an der Staatlichen Berufsbildenden Schule in Liebschwitz. Einem Aufruf der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft in den frühen 1990er Jahren folgend, fragte der gelernte Grundschullehrer vor etwa zehn Jahren den damaligen Direktor nach der Möglichkeit, eine Gehölzsammlung zu Lehrzwecken, ein sogenanntes Arboretum, in Liebschwitz einrichten zu dürfen. Der Schulleiter war einverstanden, was sich als folgenschwere Entscheidung für die Bildungseinrichtung herausstellen sollte. 1999 begann Holzschuher mit den "Grundstichen" und bewerkstelligte mit den Schülern des Berufsvorbereitungsjahrgangs erste Bepflanzungsarbeiten. "Dann entwickelte sich das Projekt zu einem Selbstläufer", sagt der Pädagoge.
Neun Jahre später befindet sich auf dem Schulgelände eine Sammlung an dendrologischen Raritäten, die in Thüringen ihresgleichen sucht. Insgesamt beinhaltet das Arboretum etwa 1.600 Baumarten und -sorten. Mit ungefähr 100 Ginkgosorten verfügt man hier gar über die weltweit größte Vielfalt. Ein anderer Sammlungsschwerpunkt sind Kulturformen der Eiche, von denen man 137 aufweisen kann. Zudem verfügt die Liebschwitzer Gehölzsammlung über die umfangreichste Magnoliensammlung in Deutschland (120 Taxa).
Das Arboretum hat inzwischen großes Renommee auf nationaler wie internationaler Ebene erlangt. So zählten bereits die Vorstände der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft sowie der Gesellschaft Deutsches Arboretum zu den Besuchern des "Baumgartens", dessen Schirmherrin im Übrigen die Thüringer Finanzministerin Birgit Diezel ist. Auch Botanik-Professoren reisen hunderte Kilometer weit um sich hier und da Mal einer Blüte von einer besonders seltenen Pflanze, beispielsweise einer gelben Magnolie, zu Forschungszwecken zu bedienen. "Wenn die Besucher von der kurzen Entstehungszeit erfahren, sind sie stets verblüfft. Zum Vergleich: das größte europäische Arboretum ist das in Trompenburg bei Rotterdam, dessen Geschichte aber bereits 200 Jahre zurückreicht", berichtet Siegfried Holzschuher nicht ohne Stolz.
Finanziert wurde das Projekt durch Lehrmittel und private Spenden. Die Vermehrung des Arten- und Sortenreichtums ist aber nicht zuletzt auch ein Resultat der eigenen Anzucht von Sämlingen und Stecklingen sowie der Veredelung von Pflanzen. "Die eine oder andere Überstunde habe ich hier schon investiert. Man muss halt schon ein bisschen fanatisch oder verrückt sein", sagt Holzschuher, der sich vor seiner Tätigkeit in Liebschwitz als Schulgartenlehrer eher mit Gemüse beschäftigte. Vor allem die Veredelung, "die hohe Kunst der Gärtnerei", hat sich der Gehölzliebhaber im Laufe der Zeit angeeignet. Mittlerweile liegt hier seine Erfolgsquote je nach Art zwischen 50 bis 95 Prozent, einen Wert den nur wenige Gärtner erreichen. Zudem hat der Agrarlehrer eine eigene Methode entwickelt, bei der im Sommer und nicht wie üblich im Winter oder Frühling veredelt wird.
Wieviel privates Engagement Siegfried Holzschuher in sein Arboretum steckt, wird deutlich, wenn er erzählt wie er manches Wochenende zum Botanischen Garten nach Mönchengladbach, in die Schweiz oder nach Belgien reist, um seltene Pflanzenbestandteile zur Züchtung neuer Sorten zu besorgen. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit laufe mittlerweile sogar global, unterstreicht er die Bedeutung des Liebschwitzer Arboretums auf dem internationalen dendrologischen Gebiet.
Die Gehölzsammlung könnte für die Berufsbildende Schule in Liebschwitz daher ein Ass im Ärmel sein, da bisher keine der sich im Landkreis befindlichen Schulen eine feste Zusage über ein weiteres Bestehen über 2010 hinaus hat. Holzschuher verweist daher auf die mögliche Bedeutung der Gehölze und erklärt: "Wir möchten uns mit diesem botanischen Kleinod für Thüringen unverzichtbar machen."
Auch einige Schüler fangen bei der unglaublichen Pflanzen-Zusammensetzung in ihrem Ausbildungsgelände Feuer. "Mancher kommt schon und stellt Fragen wie: Wie geht das mit dem veredeln?", sagt er. Ein Buch über seine Kenntnisse möchte der 57-Jährige aber nicht schreiben, sondern seine Schüler oder andere Interessierte lieber auf direktem Wege an seinem Wissen teilhaben lassen.
Vor allem aber was die Experimentierlust angeht, sollte der Lehrer für seine Schüler Vorbild sein. Nach dem Motto: "Probieren geht über studieren" testet er auch nord-afrikanische Pflanzen, die nach Winterhärtegrad hier die kalten Monate eigentlich nicht überstehen sollten, in Liebschwitz aus. "Sicherheitshalber habe ich immer einen Abkömmling der Mutterpflanze im Gewächshaus, aber die meisten Gehölze gedeihen hier, tropische Sachen ausgenommen." Auch beim oft als "Gedächtnisbaum" titulierten Ginkgo stellt er sich gern für Eigenexperimente zur Verfügung. Eine Tinktur aus den Blättern soll angeblich die Durchblutung im Gehirn besser zirkulieren lassen. Ein halbes Jahr trank Holzschuher so jeden Abend einen kleinen Ginkgo-Schnaps; ohne merkbaren Erfolg, wie er mit einem Grinsen versichert.
Bei dem Gedanken, dass für ihn in ein paar Jahren Schluss sei, komme schon ein bisschen Wehmut auf, gibt er zu. Gleichzeitig betont er aber, dass er volles Vertrauen in die Schulleitung habe, was die Fortführung des Projektes angeht. Zudem sei gesagt, dass Siegfried Holzschuher auch privat zwei Gärten zum "Austoben" bereit stehen hat.
Das Arboretum der Berufsbildenden Schule in Liebschwitz wird jeweils an einem Sonntag im Monat für Besucher geöffnet. Bei Gruppen ist eine Führung nach Voranmeldung möglich.

( Christopher Eichler, 27.06.2008 )

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