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"Der Pfarrer lässt die Kirche im Dorf, dafür hat er das Dorf in der Kirche"

"Eine Kirche ist offen für alle." Oberpfarrer Roland Geipel wählt diese Worte mit Bedacht. Ein Angebot soll es sein für die Christen, aber gleichermaßen für Nicht-Christen. Vielleicht hätte man das Motto auch für den Kirchbauverein unserer Stadt wählen sollen, es ist aber bei der sachlich-schlichten Bezeichnung geblieben. Ursprünglich wollte man noch den Zusatz "ökumenisch" in den Vereinsnamen aufnehmen, weil der beabsichtigte Zweck darin bestanden hat, den Neubau der Elisabeth-Kirche und die Sanierung der Johanniskirche zu unterstützten. Der kleinen Schar der Vereinsgründer um Superintendent Dr. Hans Mikosch, die Pfarrer Roland Geipel und Joachim Urbig, Dekan Klaus Schreiter und Horst Richter wurde es bald klar, dass die Aktivitäten auf den Raum Gera begrenzt werden mussten, denn immerhin gibt es hier rund 50 Gotteshäuser, die sich schon vor zehn Jahren in einem sehr unterschiedlichen baulichen Zustand befanden. Und so wurde am 18. August 1998 der Kirchbauverein offiziell gegründet!

Man verstand sich durchaus als Verein zur Rettung sakraler Kunstwerke und entwickelte Ideen über Ideen, musste aber sehr bald feststellen, dass es dem Kirchbauverein nicht anders geht, wie anderen Vereinen, leben - oder verderben - wie Pfarrer Geipel heute mit Schmunzeln feststellt, wenige Tage vor dem zehnten Gründungsjubiläum.
Doch zurück zu den Anfängen: Die Schar der Vereinsmitglieder wuchs an, Dr. Thomas Franzke, Franz Wilkowski, Sigrid Seise, Jutta Ziegengeist und viele andere verstärkten das kleine Team. 26 ABM-Kräfte waren zeitweise tätig, doch diese Quelle wurde immer unergiebiger, bis sie fast ausgetrocknet ist. Trotzdem hat man eine Menge auf den Weg gebracht, Ansichtskarten entwickelt und verkauft, kirchliche Stätten für touristische Programme vorgeschlagen und immer wieder Geld zusammengetragen, um es für die Restaurierung der Kirchen bereitstellen zu können.
1997/98 wurde dann die dringende Sanierung der Johanniskirche in Angriff genommen. Und vom Kirchbauverein mit rund 1000 Euro unterstützt! Die Stadt- und Hauptkirche war im 12. Jahrhundert gegründet worden, damals am heutigen Johannisplatz. Der aus Bad Köstritz stammende Komponist Heinrich Schütz komponierte die Trauermusik für Heinrich Posthumus Reuß. Diese "Musikalischen Exequien" wurden in der Johanniskirche uraufgeführt. In dem Gotteshaus - es war beim Großen Brand 1780 völlig zerstört worden und wurde erst rund 100 Jahre später wieder aufgebaut - erfolgte dann auch die Beisetzung des verdienstvollen Landesvaters Heinrich Posthumus Reuß und seiner Frau Magdalena.
Die Sanierung war dringend geboten, weil die Sandsteinelemente und Fugen durch die schädigenden Umwelteinflüsse marode geworden waren.

Inzwischen hatte sich auch herausgestellt, dass für die katholische Kirche St. Elisabeth ein Neubau erforderlich war. Der Verein konnte für ein derartiges Vorhaben nur unterstützend tätig sein. Die Hauptverantwortung und -last lag beim Bistum Dresden-Meißen.
Weitere 2000 Euro wurden für Restaurierungsarbeiten an der Salvatorkirche gesammelt. Das Geld kam u.a. von einem Stand, den der Kirchbauverein nun schon traditionell zur Museumsnacht ausrichtet.
Mit dem BUGA-Jahr 2007 kam eine der größten Herausforderungen auf den Verein zu. "Wir hatten die sehr glückliche Verbindung, das 2007 auch das Jahr der Heiligen Elisabeth war. Wir konnten die Kirchen sehr erfolgreich als Teil der Lebenskultur präsentieren. Es erfolgte eine sehr breite Resonanz auf die Themen Kirche und Religion", erinnert sich Dekan Klaus Schreiter.
Die Vorbereitungen für ein Kirchenzelt waren natürlich weitaus früher getroffen worden, ein Gemeinschaftswerk der beiden Kirchen. Es mussten Mitarbeiter eingestellt werden, der Unterhalt des Zeltes war zu bestreiten, so dass Mittel in Höhe von 600.000 Euro beschafft werden mussten.
Das Anliegen des Kirchenzeltes erschöpft sich natürlich nicht in nüchternen Zahlen. "Wir waren von Anfang an der Meinung, dass ‚Garten’ doch eigentlich auf Gottes Schöpfung basiert und eine ‚Gartenschau" somit die Schöpfung und Vielfalt von Gottes Schöpfung zeigt", erinnert sich Pfarrer Geipel. Primär war das Kirchenzelt als Ort für Gottesdienste, Veranstaltungen und Begegnungen gedacht. Es sollte von vorn herein ein zeitgebundenes Zelt sein. Doch es kam anders…
Während der 171 BUGA-Tage gab es zwei große Bereiche Im Kirchenzelt: einen kleineren für Ausstellungen und einen größeren, offenen Bereich mit Ambo, Kerze und Kreuz für Veranstaltungen und Begegnungen. Geschäftsführerin Catrin Ripka konnte im Auftrag des Kirchbauvereins als Rechtsträger des Projektes unabhängig und selbständig agieren. Das Zelt war offen für alle - evangelische und katholische Christen, Angehörige freikirchlicher Ge-meinden und natürlich auch für Nicht-Christen.
"Der Pfarrer lässt die Kirche im Dorf, dafür hat er das Dorf in der Kirche." Dieses Zitat von Roland Geipel lässt sich dem Sinne nach auch für das Kirchenzelt anwenden. Schließlich ging es nie um Bauwerke an sich, sondern um die Menschen, die eine Kirche oder auch "nur" ein Kirchenzelt besuchen. Vielleicht zum Gebet, zum Innehalten, vielleicht auch nur zur Information oder zum Gespräch, organisiert als ökumenisches Werk.
Und dann waren nach Ende der BUGA diese Türen wieder geschlossen. Was nun? Abbau oder Verlagerung? Oder vielleicht doch Erhalt des Kirchenzeltes?
So wurde ein Vertrag zum Übergang des ehemaligen Kirchenzeltes an die Stadt Gera durch Baudezernent Ramon Miller und als Vertreter des Kirchbauvereins durch Oberpfarrer i.R. Roland Geipel und Dekan Klaus Schreiter unterzeichnet. Das Zelt trägt künftig den Namen Rosenzelt.
In Zukunft soll es Ort vieler Veranstaltungen der Stadt werden. Der Kirchbauverein selbst darf auch zukünftig zwölf Veranstaltungen im Jahr im Rosenzelt durchführen. Bereits während der Bundesgartenschau 2007 fanden im Kirchenzelt St. Elisabeth viele kleine und große Veranstaltungen statt. Wie eine Untersuchung des Instituts für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung ermittelte, haben 39,3 Prozent aller BUGA-Besucher dem Kirchenzelt im Hofwiesenpark in Gera einen Besuch abgestattet. Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 4 (schlecht) wurde das Angebot dabei im Durchschnitt mit 1,68 bewertet.
Als Patronin des Kirchenzelts wurde die Heilige Elisabeth ausgewählt. Die Thüringer Heilige feierte 2007 ihren 800. Geburtstag. Das Zelt wurde folgerichtig in Erinnerung an das Leben der Heiligen Elisabeth gestaltet. Eine umlaufende Welle aus bunten Blütenblättern, auf denen Zeichnungen aus dem Malwettbewerb: "Gott - Schöpfung - Leben und Lebensstationen der Heiligen Elisabeth" eingedruckt sind, schmücken das Zelt. Das Zelt soll deshalb in Erinnerung an das Rosenwunder der Heiligen Elisabeth Rosenzelt heißen.
Das imposante Zelt ist im Eingangsbereich siebeneinhalb Meter hoch. Über sechs Tonnen Stahlgerüst dienen als Gestänge. 150 Quadratmeter Grundfläche überspannt das 175 Quadratmeter große Zeltdach, unter dessen Mantel unterschiedlich große Räume beherbergt sind. Die Seitenwände können bei schönem Wetter oder für Großereignisse hochgeklappt werden.
Nahezu parallel zur BUGA wurde in Gessental bei Collis in gemeinsamer Anstrengung der Geraer und der Gemeindeglieder der anliegenden Ortschaften ein großes Kreuz errichtet, nachdem bereits seit 2005 immer ein Himmelfahrts-Gottesdienst an dieser Stelle abgehalten worden war. Auch diese dauerhafte Errichtung wurde durch Sponsoren, die der Verein begeistern konnte, erst möglich.
Vor etwa zwei Jahren begann sich der Verein für die Rekonstruktion der bleiverglasten Fenster der 1885 erbauten Kapelle auf dem Geraer Südfriedhof einzusetzen. Schon im Jahre 2004 war zum Tag des Denkmals erstmals wieder die Orgel erklungen. Mit Unterstützung von Frau Schellenberg (Untere Denkmalbehörde) konnte der Verein knapp 5000 Euro beantragen. Thüringens Finanzministerin Birgit Dietzel stelle diesen ansehnlichen Betrag aus Lotto-Mitteln bereit.
Die Halle soll nun wieder für kirchliche und nichtkirchliche Trauerfeiern genutzt werden können. Ein weiteres Ziel sind Gottesdienste an Allerseelen für die Katholische Kirche und am Ewigkeitssonntag für die Evangelischen Kirchen.
Ein ganz aktuelles Projekt ist der Geißener Altar, der zur Zeit in der St. Jakobus-Kirche in Langenberg steht. Der Altar war in Geißen lange Zeit durch übermäßige Feuchte gefährdet, in Langenberg wird er genutzt, soll fachgerecht saniert und der Nachwelt erhalten bleiben.
Dazu hat der Kirchbauverein für das laufende Jahr eine Spendensammlung organisiert. Den Auftakt wird eine öffentliche Veranstaltung am Dienstag, 8. Juli, 18 Uhr, in der Kirche St. Jakobus sein. Schon jetzt ist klar, dass sich eine viele Jahre fortwährende Bemühung um das sakrale Kleinod anschließen wird, das sich nur in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege verwirklichen lässt.
Und schließlich noch die Salvatorkirche. Der Barockbau vom Anfang des 18. Jahrhunderts mit dringend ein neues Kupferdach erhalten, die Blitzschutzanlage muss erneuert werden. Kosten: 80.000 Euro. Das Vorhaben wird durch die bundesweite "Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler" unterstützt, die ihrerseits zu Spenden aufgerufen hat.
Alle Aktivitäten zu würdigen ist nicht möglich. Vieles geschieht in den Gemeinden, so z.B. in Tinz und in Kaimberg, in Großenstein, Wünschendorf und in anderen anliegenden Orten. Das Erfreuliche daran für Oberpfarrer i. R. Geipel: "In vielen Stadtteilen oder Dörfern sind die Bürger wieder enger zusammengerückt, wenn es darum geht, "die Kirche im Dorf zu lassen." Dies sei nicht nur sprichwörtlich gemeint, sondern nahezu praktizierter Alltag. Viele freiwillige Helfer gibt es, Handwerker, die Material kostenlos zur Verfügung stellen, ungezählte Besucher von Gottesdiensten oder musikalischen Veranstaltungen in den Kirchen, die durch ihre Spende, und sei sie noch so bescheiden - namentlich genannt oder anonym - einen Baustein für die Gotteshäuser leisten.
Viel Gutes wurde im zurückliegenden Jahrzehnt geschaffen, zwar nicht alles erreicht, aber vieles angestoßen. Darauf kann der Kirchbauverein an seinem zehnten Geburtstag stolz sein!


( Reinhard Schubert, 27.06.2008 )

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