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Was den Handwerkern unserer Region doch ernste Sorgen macht

Bei Ihrer Amtseinführung wurden Sie gefragt, welche neuen Akzente Sie setzen wollen. "Keine", sagten Sie. Worauf setzen Sie dann?
Bei meinem Amtsantritt wurde mir ein wohlgeordnetes Haus übergeben. Die Handwerkskammer für Ostthüringen ist für alle derzeitigen wie auch künftigen Aufgaben gut gerüstet. Die Anforderungen werden allerdings nicht geringer. Doch bei der Meisterung aller Aufgaben steht mir ein bewährtes und hochmotiviertes Team tatkräftig zur Seite. Und um auch künftig so wie bisher erfolgreich zu sein, ist die von hoher Sachkenntnis geprägte vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Vorstand sowie allen weiteren Haupt- und Ehrenamtsträgern im Handwerk von ausschlaggebender Bedeutung.

Was veranlasste Sie unlängst zu der Einschätzung, der Aufschwung im Ostthüringer Handwerk sei ins Stottern geraten?
Im Ostthüringer Handwerk ist in der Tat der Aufschwung ins Stocken gekommen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das beweist eine von uns kürzlich durchgeführte Konjunkturumfrage unter 1700 unserer Mitgliedsbetriebe. Spiegelbild für die Situation ist beispielsweise die stagnierende Investitionsbereitschaft so wie die Tatsache, dass - wirtschaftlich bedingt - eine ganze Anzahl unserer Unternehmen keine weiteren Arbeitskräfte einstellen kann. Negativ auf die Konjunktur wirkt sich in starkem Maße ebenso die Entwicklung der Preise für Material, Energie und Treibstoff (Benzin und Diesel) aus.
Was insgesamt unseren Handwerksbetrieben besonders Sorgen macht, ist, dass das Nettoeinkommen der Bevölkerung ständig sank und - wie es aussieht - weiter sinkt. Das führt zu einer Verringerung der Binnennachfrage. Der Kunde ordert weniger Aufträge für handwerkliche Dienstleistungen. Zudem fehlen oft auch öffentliche Aufträge. Unsere Umfrage ergab, dass 30 Prozent der befragten Betriebe von einem unterdurchschnittlichen Auftragsbestand sprechen.
Hier ist dringend die Politik gefragt. Deshalb fordert das Ostthüringer Handwerk spürbare Steuersenkungen und eine Verringerung der Sozialabgaben. Wir fordern mehr Netto statt Brutto! Dann ändert sich auch das Konsumverhalten der Bürger und ihr Wunsch nach handwerklichen Dienstleistungen steigt.

Wenn Sie in der Regierung der Großen Koalition Verantwortung trügen, was würden Sie in der Politik fürs Handwerk anders machen?
Das deutsche Handwerk fordert eine schon lange überfällige durchgreifende Steuerreform. Unsere derzeit 9.480 Ostthüringer Handwerksbetriebe mit ihren rund 40.000 Beschäftigten zuzüglich Unternehmern und Lehrlingen müssen unbedingt steuerlich entlastet werden, denn ein Großteil von ihnen wirtschaftet bereits am Existenzminimum.
Was uns ebenso Kummer bereitet, ist das Problem der Unternehmensnachfolge. Sie ist beispielsweise ernsthaft durch die geplante Erbschaftssteuerregelung gefährdet. Hunderte von Handwerksbetrieben stehen in den kommenden Jahren in Ostthüringen vor der Übergabe an einen Nachfolger. Diesen Nachfolgern muss der Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtert werden. Und schließlich fordern unsere Handwerksbetriebe nach wie vor eine Reduzierung des Umsatzsteuersatzes für handwerkliche Leistungen.
Um den Nachwuchs im Handwerk ist es nicht gerade rosig bestellt. Lässt sich da gegensteuern?
Auf dem Ausbildungsmarkt zeichnet sich 2008 erstmals eine Trendwende ab. Das Ostthüringer Handwerk wird noch mehr Lehrstellen als im Vorjahr bereitstellen. Grund ist der anhaltende Fachkräftebedarf. Zugleich sinkt die Zahl der Schulabgänger. Natürlich kann nicht jeder junge Mensch in seinem Traumberuf ausgebildet werden. Derzeit lässt sich in den technischen Berufen mangels geeigneter Bewerber nicht jede Lehrstelle besetzen. Die neu geordneten Berufe verlangen solides Grundwissen, vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern. Der Fachkräftebedarf wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Das eröffnet jungen Menschen die Chance auf eine langfristige Karriere im Handwerk, die sie nutzen sollten.
In der Lehrstellenbörse unserer Ostthüringer Handwerkskammer stehen zurzeit über 80 freie Ausbildungsplätze in 25 Berufen zur Verfügung. Mit Blick auf den demografischen Wandel, rückläufige Schülerzahlen und die Suche nach Betriebsnachfolgern ist es auch unabdingbar, verstärkt auf Frauen im Handwerk zu setzen. Von den 3.946 Lehrlingen zu Jahresbeginn war nur ein Fünftel weiblich.

Muss man nicht etwas tun, um das Ansehen des Handwerks aufzupolieren?
Unsere Kammer hat eine Imagekampagne gestartet, mit der mehr junge Leute für einen Handwerksberuf gewonnen werden sollen. Bestandteil ist eine soeben gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften erarbeitete Broschüre. Sie nennt sich "Ratgeber und Tipps" und hilft jungen Leuten anschaulich beim Start in die Berufsausbildung. In die gleiche Richtung geht ein geplantes Projekt, mit dem wir erproben wollen, wie sich Berufsausbildung mit Abitur verbinden lässt.

Abschließend noch drei Sätze zu Ihrer Person...
Ich bin Jahrgang 1953, verheiratet, von Beruf Industriekaufmann und habe ein Hochschulstudium als Dipl.-Ingenieur-Ökonom absolviert. Seit 1993 bin ich in der Handwerkskammer für Ostthüringen tätig, wurde 1995 stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Seit 1. Mai 2008 bekleide ich das Amt des Hauptgeschäftsführers.

( Harald Baumann, 20.06.2008 )

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