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Wie Kleinkrebs Krill unser aller Leben bestimmt

Wenn andere sich im Sommer in dürftiger Bekleidung an Stränden aalen und sich im Wasser tummeln zieht sich Dr. Hans-Ulrich Peter warm an. Er ist Ökologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ein Antarktisexperte. 1983 betrat er zum ersten Mal das ewige Eis und nach dem Mauerfall treibt ihn sein Forscherdrang jährlich an den Südpol in den Antarktissommer. Dann ist für einige Monate die Station auf der vorgelagerten King-Georg-Insel sein Zuhause. "Um diese Jahreszeit herrschen dort nur um die Null Grad, im Winter minus 30 Grad", erzählt er, das könne man aushalten, während es landeinwärts Extremtemperaturen von minus 60 bis minus 85 Grad gibt.
Ein Stück Antarktis können jetzt Besucher des Museums für Naturkunde in Gera erleben. Dazu betreten sie die Schiffsplanken eines nachgebauten Hecks eines historischen Segelschiffs, mit dem Roald Amundsen als erster Mensch an den Südpol gelangte. Aufgebaut ist eine grandiose Eislandschaft, eine Krabbenfresserrobbe lagert auf dem Eis, in unmittelbarer Nähe wartet ein Zügelpinguin, und eine Raubmöwe ist im Anflug. "Es sieht alles ganz echt aus", lobt Dr. Peter, der von Frank Creutzburg vom Naturkundemuseum für die Ausstellung "Antarktis: Leben im Extremen" gewonnen wurde und durch dessen Unterstützung sie zustande kam. Sie ist dem Polarjahr 2007 bis 2009 gewidmet und wird auch bis 1. Februar 2009 zu sehen sein. Sie informiert über Entstehung, Klima und Lebensbedingungen auf dem sechsten Kontinent, wie sich hier der Klimawandel auswirkt und was er für den gesamten Planeten bedeutet.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die zwar relativ artenarme, aber hoch spezialisierte und damit extrem sensible antarktische Tier- und Pflanzenwelt in ihrem ökologischen Zusammenhang. Als der Wissenschaftler zum ersten Mal den Südpol bereiste, war der etwa sechs Zentimeter große Kleinkrebs Krill das Objekt des Forschungsinteresses. Er ist die Basis des Lebens in der Antarktis. Von ihm hängt das Leben der Wale, Robben und Pinguine ab. "Wir wollten damals herausfinden,
ob dieser Krebs für die menschliche Ernährung genutzt werden kann", beschreibt er das Programm, das bald hinfällig geworden sei, da der Krebs bei der Verarbeitung auf dem Schiff ein Gift entwickelt habe. Heute müssen sich die internationalen Forschungsstationen und Expeditionen mit den Auswirkungen des Klimawandels befassen. Die Temperatur sei in den vergangenen 50 Jahren um drei bis fünf Grad angestiegen. Wie Dr. Peter feststellte, bildet sich durch die Erwärmung weniger Seeeis, worunter die Kieselalgen wachsen, diese wiederum dem Krill als Nahrung dienen, und von dem Krebs ernährt sich der Pinguin. Allein auf seiner Forschungsinsel King Georg sei die Zahl der Adeliepinguine von 1500 auf 300 zurückgegangen. Erforscht wird aber auch, wie sich die menschlichen Aktivitäten durch Tourismus, Schiffsverkehr, Landfahrzeuge, selbst Forschungsstationen auf das Leben in der Antarktis auswirken. So hätten schon Riesensturmvögel ihre traditionellen Nistplätze verlassen. "Die Vorschläge beziehen sich auf ein Management des Eiskontinents, das verwaltete und Gebiete für Touristen sowie Schutzzonen ausweist", erklärt er.
Deutschland habe dazu ein Konzept erarbeitet und werde sich dem internationalen Gremium stellen. Außerdem sei die Antarktis immer global zu sehen, bestärkt er die Bedeutung der Forschung, die ihn auch in diesem Sommer wieder an den südlichen Zipfels unseres Erdballs lockt.

( Helga Schubert, 23.05.2008 )

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