Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

"Oberfledermaus" steht Rede und Antwort

Er hat den Titel "Oberfledermaus" verdient und nimmt das ganz und gar nicht übel, wenn er hin und wieder so genannt wird: Richard Müller, der in enger Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde die in Hundhaupten heimisch gewordenen Fledermausarten hegt, pflegt und schützen hilft. Fast wie ein wandelndes Lexikon gibt er bereitwillig Auskunft über die nützlichen und äußerst schützenswerten "Kreaturen der Nacht."


Man spricht von der größten europäischen Fledermauskolonie, das sich in Ihrer Gemeinde befindet…
Stimmt. Es sind etwa 750 bis 850 Tiere gegenwärtig im Kirchturm. Die Anzahl schwankt von Jahr zu Jahr, 2007 hatten wir über 1200 Tiere.

Das hört sich viel an, gibt es überhaupt genügend Platz für alle?
Natürlich. Die Fledermäuse, die bei uns heimisch sind, sind nur 25 bis 40 Gramm schwer, erreichen aber etwa 40 cm Flügelspannweite. Wir haben übrigens ausgerechnet , dass allein der in unserem Kirchturm lebende Bestand in einer Nacht rund 10 bis 12 Kilogramm Insekten vertilgt.

Also keine Blutsauger nach des Fürsten Dragula Art?
Absolut nicht, es gibt weltweit etwa 1100 Fledermausarten, das sind rund 20 Prozent aller Säugetiere. Das vermutet man kaum. In Deutschland sind 25 Arten nachgewiesen in Thüringen 20 Arten. Aber die Forschung ist auf diesem Gebiet bei weitem noch nicht abgeschlossen, allein in den letzten drei Jahren wurden sieben neue Arten entdeckt. Aber um auf die Frage zurückzukommen, alle in Thüringen vorkommenden Arten ernähren sich ausschließlich von Insekten. Fledermäuse sind biologisch höchst interessant, sie sind ja auch die einzigen Säugetiere auf unserer Erde, die sind vor etwa 25 Millionen Jahren den Luftraum erobert haben.

Seit einigen Jahren wird auch von der Politik der Erhaltung dieser Tierart viel Aufmerksamkeit gezollt. Alle Fledermausarten und ihre Quartiere sind durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt, selbst Naturschützer benötigen eine Ausnahmegenehmigung, um Quartiere betreten zu dürfen. Ist das schon genug?

Genug kann es nie werden, denn schließlich stehen viele Fledermausarten auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Es freut uns sehr, dass das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt schon vor einigen Jahren die Aktion "Fledermausfreundlich" gestartet hat. Bürger und Institutionen, die sich diesbezüglich engagieren, erhalten eine Plakette und die Urkunde des Ministers. Die bisher erreichten Ergebnisse sind ermutigend. Hervorzuheben ist weiter das im vergangenen Jahr durch den Naturschutzbund (NABU) und die Kirchen in Deutschland beschlossene gemeinsame Engagement für bedrohte Tierarten.

In Hundhaupten ist vor allem das Große Mausohr vertreten. Können Sie mit drei Sätzen diese Tiere charakterisieren.
Das ist schwer, aber einen Versuch wert. Ein Mausohrweibchen bringt im Juni frei hängend ein einziges Junges zur Welt, das sich sofort - obwohl noch nackt und blind - mit den Krallen an der Dachkonstruktion festhält, rund sechs Wochen von der Mutter gesäugt und anschließend langsam entwöhnt wird und die Fähigkeit erlernt, im Laufe des Herbst genügend Fettreserven für dem Winterschlaf anzufressen. Mausohren können ein Alter von mehr als 20 Jahren erreichen, im Durchschnitt sind es aber nur vier bis fünf Jahre. Die Tiere können mehr als zehn Kilometer weit fliegen und verfallen im frostsicheren Versteck in eine tiefe Winterschlaflethargie, jede Störung in dieser Zeit kann tödlich sein.

( 18.04.2008 )

zurück