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Pionier der Fotografie

Im Januar wäre er einhundertzwei Jahre alt geworden, ein Grund mehr diese Persönlichkeit unserer Stadt den Lesern vorzustellen beziehungsweise in Erinnerung zu bringen. Und zur Würdigung bedarf es nicht immer einer Jubiläumszahl.
Georg Fiedler wurde in Laineck/Bayreuth geboren, auf vollkommenste Weise haben sich bei ihm Beruf und Liebhaberei miteinander verbunden: Optik und Farbenfotografie. Fast ein halbes Jahrhundert war Diplom-Optiker Fiedler auf dem Gebiet der Farbenfotografie tätig, hat sich mit dem Licht, der Farbenlehre und der "vollendetsten Kamera der Welt" - dem menschlichen Auge - auseinandergesetzt. Das Ergebnis dieser intensiven Arbeit zeigte er in vielen wissenschaftlichen Vorträgen. die Palette seiner Farbdiavorträge reichte von den landschaftlichen Schönheiten und architektonischen Besonderheiten viele Länder bis zur Sichtbarmachung der Thematik "Wunderwelt Natur". In eindrucksvollen Makro- und Mikroaufnahmen - hier lag seine große Stärke - ließ er den Betrachter teilhaben an dieser "Faszination der Nähe" und zeigte damit: "Die Natur ist nirgends so groß wie im ganz kleinen."
Fiedler war ein Mensch der Experimente; mit Hilfe von polarisierten Licht konnte er die Form und Farbwiedergabe von Gesteinen, Pflanzen und kleinsten Lebewesen unter dem Mikroskop in seinen Colordiapositiven beeindruckend zum Ausdruck bringen. "Wunder der Mikrowelt" nannte er seinen Vortrag, mit dem 1946 in Gera die Volkshochschule eröffnet wurde.
Ungefähr 900 Lichtbildvorträge hat er vor über einer halben Million Zuschauern gehalten. Wenn man bedenkt, dass dazu noch über 50 Vorträge vor seinen Fachkollegenkreis hinzukommen, kann man sich vielleicht ein Bild von der ungeheueren Produktivität dieses Mannes machen, der selbst noch im Alter von 80 Jahren auf Vortragsreisen unterwegs war.
Die Besonderheiten seiner Vorträge basierten zum einen auf den technisch perfekten Farbfotografien und zum anderen verstand der redegewandte Autor seine Zuhörer ungemein zu fesseln um so überzeugend Fakten zu übermitteln. "Für viele Hörer war das der erste Blick in eine geheimnisvolle Welt voller Überraschungen an Farbenklängen und Rhythmus der Farben." (Volksbildungsamt Halle)
Alles aber begann mit "Kaleidoskop", einen 8-Millimeter-Schmalfilm den der Augenoptiker 1937 unter diesen Titel drehte, als Hauptdarstellerwählte er die Farben und ihre Beziehungen zueinander nach der Ostwaldschen Farbtheorie. Der Film wurde in Berlin und Paris ausgezeichnet, die Bildzeitung vom 10. November 1999 brachte unter der Überschrift "Optiker aus Gera drehte den ersten Farbfilm Europas" einen Beitrag über diesen Film. Der Offene Kanal zeigte diesen Streifen im Dezember 1999. Die Erben übergeben den im Nachlass befindlichen Farbschmalfilm der Fachgruppe Heimatgeschichte des Kulturbundes Gera.
Georg Fiedlers umfangreiche fotografische Studien führten schließlich "Farbwunder der Natur", welches 1950 im Brockhaus Verlag Leipzig erschien und große Resonanz erreichte. Seine Fotos zeigen beeindruckende Farben und Formen, vereinen Ästhetik und Wissenschaft. Es muss angemerkt werden, dass natürlich in heutiger Zeit durch Biologen und Fotografen hervorragende Bildpublikationen dieses Genres erschienen sind. Mittels ausgeklügelter Fototechnik neuesten Standes wird heutzutage auf faszinierende Weise die Welt der Kleinlebewesen, der so genannte Mikrokosmos, durch Fotografie sichtbar gemacht.
Aber da ein Werk immer nur aus seiner Zeit heraus betrachtet und verstanden werden kann, muss eingeschätzt werden: Fiedler hat mit seinem Buch "Farbwunder der Natur" in seiner Zeit Pionierarbeit vorgelegt. In vier Auflagen erschien in den Jahren 1954 - 56 im VEB Fotokinoverlag Leipzig sein Buch: Exakta-Makro- und Mikrofotografie. Diese Publikation darf als eine Bereicherung der fotografischen Spezialliteratur angesehen werden.
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der damaligen Ihagee Kamerawerke Dresden hat der Diplom-Optiker Fiedler durch patentierte Erfindungen wesentlichen Anteil an der Weiterentwicklung der Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera Exakta Varex.
1957 wurde seine Erfindung des Einstelleinsatzes mit der Bezeichnung "Photographische Kamera mit Spiegelsucher und abwechselbaren Aufnahmeobjektiv" durch die Bundesrepublik Deutschland patentiert. (Patent No. 956737)
Bereits 1952 wurde in der DDR seine andere Erfindung von ihm, sein "Verfahren und Vorrichtung zum Betrachten von im Mikroskop befindlichen Vergrößerungen" patentiert, und in der Patentschrift Nr. 7553 vom Amt für Erfindungen- und Patentwesen 1954 festgeschrieben.
Umfangreiche Publikationen erschienen von ihm in Fachzeitschriften des In- und Auslandes, man beriet ihn auch als Mitarbeiter in Wissenschaftlichen Beiräten. Zu DDR - Zeiten veröffentlichte er seine Publikationen die in der Bundesrepublik und dem westlichen Ausland erschienen unter dem Pseudonym Georg Bayreuther. (genannt nach seiner Geburtsstadt) Sein Lebensweg begann mit seiner Optikerlehre in Bayreuth. Später arbeitet e als Optiker in den Optischen Werken Rodenstock in München und studierte danach an der Jenaer Fachschule für Augenoptik.
Er hatte 1931 die Meisterprüfung abgelegt und nach kurzer Meistertätigkeit in Wien eröffnete er 1933 ein Augenoptikergeschäft in der Leipziger Straße in Gera, welches er 37 Jahre lang führte. Da Geschäft wurde 1942 auf den Zschochernplatz verlegt, wo es sich noch bis zum heutigen Tage befindet. 1970 übernahm sein Sohn Wolfram Fiedler den Handwerksbetrieb und seit 2002 ist die Enkelin Grit Heidenreich-Jörk die Inhaberin des renommierten Familienunternehmens.
Georg Fiedlers Arbeit als Optikmeister stand unter dem von ihm gewählten Slogan: "Ihren Augen gilt meine ganze Kraft." Dieses Qualitätsmerkmal hat sich wohl bis zum heutigen Tage durch die Nachfolger der zweiten und dritten Generation erfolgreich fortgesetzt. Diplom-Optiker Fiedler war stellvertretender Vorsitzender seiner Berufsgruppe, Dozent an der Jenaer Fachschule für Augenoptik "Hermann Pistor" und langjähriger Vorsitzender der zentralen Meisterprüfungskommission für das Augenoptikerhandwerk. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde der Jubilar mit der Ehrennadel für Fotografie in Gold des Kulturbundes der DDR ausgezeichnet.
Georg Fiedler war auch international eine gefragte Persönlichkeit und wurde hoch geschätzt. Er verstarb im 87. Lebensjahr 1993 in Gera.

( Winfried Mann, 27.03.2008 )

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