Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Liebschwitz gehört seit 80 Jahren zu Thüringen

Der 1. April 2008 ist in der Geschichte des Stadtteiles Gera-Liebschwitz ein ganz besonderer Tag, denn genau an diesem Tag vor 80 Jahren wurde zwischen den Ländern Sachsen und Thüringen in der damaligen Gaststätte "Goldener Apfel" (später Apfelweinschänke) ein Staatsvertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag, den hohe Vertreter beider Länder am 1. April 1928 unterzeichneten, hatte den Gebietsaustausch zwischen beiden Ländern zum Inhalt. Die Orte, die bis dahin zur sächsischen Enklave gehörten, nämlich Liebschwitz, Taubenpreskeln, Lietzsch, Lengefeld, Niebra und Pösneck kamen zu Thüringen. Der Gesetzestext "Gesetz über den Gebietsaustausch mit dem Freistaat Sachsen" ist in der Thüringer Gesetzessammlung verankert. Der Grund für diese sächsische Zugehörigkeit dieser Orte liegt über 350 Jahre zurück. Selbst nach der Vereinigung der sieben Fürsten- und Herzogtümer mit dem Volksstaat Reuß zum Land Thüringen im Jahr 1920 blieben die Enklavengemeinden noch weitere acht Jahre sächsisch. Die Kreisverwaltung (Amtshauptmannschaft) dieser Orte war bis zu jenem Tag in Werdau. Auch die anderen sächsischen Enklavenorte, wie Grobsdorf bei Ronneburg, Loitzsch im Tal der Wipse und Teile der Orte Hilbersdorf und Rückersdorf wurden in Folge des Staatsvertrages in das thüringische Staatsgebiet übernommen. Veränderungen gab es aber auch für andere Gemeinden, wie Bocka, Ziegelheim, Heiersdorf und Thonhausen im Altenburger Gebiet oder Trünzig, Sorge-Settendorf, Teichwolframsdorf oder Kahmer bei Greiz, um nur einige zu nennen. Für die Bewohner dieser Orte änderte sich außer der Staatsangehörigkeit noch so einiges. So wechselte die Zuständigkeit der Gerichte sowie die der Behörden, wie Post, Bahn und Polizei. Auch die Schulverwaltung war nun eine andere. Selbst Vereine schlossen sich dann den neuen Landesverbänden an. Die bis dahin noch immer gültigen Landesgrenzen, die diese Enklaven einst umgaben, verloren damit an Bedeutung.
So gibt es heute nur noch wenige Bewohner, die z.B. in Liebschwitz/Sachsen das Licht der Welt erblickten. Im Ergebnis dieses Vertrages bekam Sachsen 1.115 Hektar und 1,4 Ar Fläche mit 4.849 Einwohnern. Thüringen erhielt im Gegenzug von Sachsen 1.778 Hektar und 6,6 Ar Fläche mit 2.899 Einwohnern.
Die interessante Geschichte des früher eigenständigen Ortes Liebschwitz wird in einer im kommenden Jahr erscheinenden Chronik veröffentlicht, denn da feiert der Ort das 800-jährige Jubiläum seiner Ersterwähnung im Jahr 1209. Im Buch wird auch dem Thema "Sächsische Enklave" ein ausführlicher Betrag gewidmet.



( Stefan Bauch, Ortschronist, 27.03.2008 )

zurück