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Auf Agaer Flur wächst solide Bildung heran

Kurz hinter Gera entdeckt linkerhand der Richtung Zeitz steuernde Autofahrer auf der B 2 einen hellen Gebäudekomplex. Ein Gewerbegebiet? Gar ein Kasernenareal? Nicht doch! Wir haben eine Bildungsstätte vor uns, eine von beachtlichen Ausmaßen: Auf 100.000 Quadratmetern Fläche befinden sich neun Gebäude, darunter fünf Hallen, alles umgeben von gepflegten Außenanlagen. Hausherr ist die Handwerkskammer für Ostthüringen.
Was hier auf Agaer Flur aus dem Boden wuchs, sollte ursprünglich in Gera-Ernsee entstehen. Doch es gab Probleme mit der Baugenehmigung. Eines der Beispiele dafür, wie die Stadt Investoren vergraulte.
September 1994 erfolgte der erste Spatenstich. Oktober 2001 schließlich konnte die Bildungsstätte dann komplett in Nutzung gehen. Das hat eine Stange Geld gekostet (laut Neues Gera vom 26. 3. 94 ging’s um 78 Millionen DM). Seither steht die Anlage mit ihrer technisch hochwertigen Ausstattung und einem qualifizierten - und man muss schon sagen - engagiertem Personal für fundierte Wissensvermittlung in Theorie und Praxis zur Verfügung.
Der Leiter der Bildungsstätte Frank Eisenhut und sein Bereichsleiter Technik Jörg Behling warten für uns mit beachtlichen Fakten auf. Die Einrichtung ist erste Adresse für die überbetriebliche Lehrunterweisung von Handwerkslehrlingen und für Ergänzungslehrgänge. In 25 Werkstätten können sich die jungen Leute durch eine praxisnahe Ausbildung an modernsten Maschinen und Geräten in 29 Handwerksberufen das Rüstzeug für den späteren Beruf holen.
Die Bandbreite reicht von A wie Anlagenmechaniker (SHK) über Estrichleger bis Z wie Zimmerer. Lehrzeit: zwischen zwei, drei und dreieinhalb Jahren. Für den gesamten mitteldeutschen Raum erfolgt in Aga zudem die Fotografenausbildung. In Aga stehen - höchst bemerkenswert - 376 Praxisplätze und 270 Theorieplätze zur Verfügung. Ebenso erwähnenswert: In der Bildunsgeinrichtung ist auch eine anerkannte Kursstätte des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik zu Hause. Das zeugt von qualitativ anspruchsvoller Aus- und Weiterbildung.
Metallhalle 2. Hier treffen wir auf Lehrlinge, die in dreieinhalb Jahren den gefragten Beruf des Kfz-Mechatronikers erlernen. Zur Zeit betreut der Kfz-Meister und Ausbilder Rayk Polowy 15 Lehrlinge. Dazu gehören die "Dreijährigen" Denny Fischer (18) aus einem Triebeser und Patrick Harmansa (19) aus einem Weißendorfer Autohaus. Ihnen steht modernste Technik zur Verfügung, zum Beispiel neue Motortester. Beide sind eifrig bei der Sache und gerade mit der Diagnose der Einspritzanlage eines flotten Motors der Mercedes A-Klasse beschäftigt. Und beide haben eine hohe Meinung von ihrem Ausbilder und der Ausbildung. Einziger weiblicher Lehrling ist derzeit in der Gruppe Anika Stoppera aus Lobenstein. Obwohl sie noch etwas scheu um sich schaut: Es wird künftig eine steigende Zahl von Kfz-Mechatronikerinnen geben.
In der Bauhalle 2 finden wir Berufsstarter vor. Zur Erklärung: Es geht um gegenwärtig 102 Schüler innerhalb des Projektes "Berufsstart plus", das thüringenweit die drei Handwerkskammern, das Land, die Arbeitsagentur und der Europäische Sozialfonds schultern. Die Rede ist von ersten Orientierungsbausteinen, zu deutsch: Praktika für die Berufswahlvorbereitung. In Aga läuft das schon das fünfte Jahr. Im Moment sind Schüler der Klassen 7 verschiedener Regelschulen, so aus Weida, Berga und Seelingstädt, für eine Woche auf Schnupperkurs.
Malermeister Jürgen Köhler macht einer Gruppe Mädchen gerade vor, wie man faltenfrei tapeziert. Die jungen Damen, meist etwa 14 Jahre alt, zeigen sich interessiert. Silvana Borries aus Seelingstädt ist weniger begeistert. Sie muss an einer Wand alte Tapetenreste abkratzen, erst dann geht’s ans Tapezieren.
Ein großer Vorteil für die Agaer Bildungsstätte: Sie hat ein Internat mit 140 Plätzen zur Verfügung. Wir schauen uns um. Das sind geräumige Ein- und Dreibettzimmer mit Dusche, WC und Arbeitstisch. Die Lehrlinge können einen Fernsehraum, einen Fitnessraum, Internetanschluss und eine Sportanlage im Außenbereich nutzen.
Und da auch Lehrlinge und Ausbilder nicht von der Luft leben können, hat man ebenso an eine schmucke Mensa gedacht. Sie verfügt über 140 Plätze. Die Küchenchefin Marlene Tröger erläutert uns, dass sie täglich drei Wahlessen anbietet. Heute steht u.a. Frankfurter Gulasch auf dem Speiseplan. Natürlich gehören auch Frühstück und Abendbrot zum Angebot, außerdem ein Imbisssortiment. Hier wie im gesamten Anwesen der Bildungseinrichtung strahlt alles Sauberkeit, Ordnung, Solidität und Großzügigkeit aus.
Wenn bisher von der Lehlingsausbildung die Rede war, so soll nicht vergessen werden, was Aga in Sachen Meisterausbildung, Fortbildungslehrgängen und Spezialkursen leistet. Derzeit bringen sich in der Fortbildung eine Reihe Meister und Gesellen auf den neuesten Stand, z. B. in einem Schweißerkurs. In den Wintermonaten bietet die Kammer 15 verschiedene (kostenlose) Schulungen für Beschäftigte des Thüringer Bauhaupt- und Nebengewerbes an.
Gefragt sind auch die monatlichen Existenzgründerseminare. Seit 2001 bis heute wurden in 66 Lehrgängen 679 Teilnehmer gezählt. Eine Rarität wollen wir noch erwähnen. Seit 2006 gibt es die Fortbildung (an 13 Tagen) zum geprüften Nageldesigner (HWK). Die hiesige Kammer war bundesweit die zweite mit diesem Angebot. Insgesamt gab’s bisher 40 Absolventen.
Summa summarum: Die Bildungsstätte in Gera-Aga ist leistungsfähig, modern und attraktiv, um den Nachwuchs für das Handwerk auszubilden. Sie kann sich in Thüringen und darüber hinaus sehen lassen. Was sie nicht kann: für mehr Schulabgänger sorgen, die sich edlen Handwerksberufen widmen. Bewerber stehen nicht mehr Schlange.

( 14.03.2008 )

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