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Marko war Hoffnungsschimmer für eine kranke Amerikanerin

Zu Weihnachten wünschen sich Freunde und Verwandte frohe und gesunde Feiertage und auch in die guten Wünsche zum neuen Jahr wird die Gesundheit mit eingeschlossen. Für den 26-jährigen Marko Dähne aus Gera musste es nicht erst Weihnachten werden, um an die Gesundheit zu denken. Nicht an die eigene, nein, er dachte an die, die kaum, ohne die Hilfe anderer Menschen, eine Chance auf Heilung und Genesung haben.
Es war im Januar 2003 als sich Marko Dähne, damals Student an der Verwaltungsfachhochschule der Polizei in Meiningen, entschloss, sich als potentieller Stammzellenspender in die Deutsche Knochenmarkspendendatei gemeinnützige Gesellschaft mbH (DKMS) aufnehmen zu lassen. "Ich hatte von einer Aktion der Thüringer Bereitschaftspolizei "Thüringer Polizei gegen Leukämie" gehört und wollte mich ihr anschließen", erzählt Marko Dähne. Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie, darunter viele Kinder und Jugendliche, wusste er, und für viele von ihnen ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Der junge Mann, der in Gera geboren ist und hier das Liebe-Gymnasium besucht hat, ließ sich und mit ihm 244 Angehörige der Bereitschaftspolizei aus Thüringen etwas Blut entnehmen. Ein kleiner Pikser von großer Wirkung.
Jahre lang hörte der inzwischen bei der Geraer Polizeidirektion Zentrale Dienste als Führer eines Einsatzzuges Beschäftigte nichts mehr bis im Sommer diesen Jahres ein unscheinbarer A-5-Briefumschlag im Kasten lag. Er trug die Aufschrift "Dringend", sonst nichts. "Ich habe mich schon gewundert und fiel aus allen Wolken", schilderte Marko Dähne seine Empfindung. Er sollte sich wegen einer Stammzellenspende melden. Zwei, drei Minuten habe es gedauert, "ich habe einen genetischen Zwilling", dachte er noch, doch dann hat er sofort die angegeben Telefonnummer angerufen und stieß auf eine freundlich und erleichterte junge Frau, die ihm die nächsten Schritte erklärte. "Natürlich hatte ich Bedenken wegen des Risikos", gab der Polizeikommissar zu, "aber andererseits wollte ich unbedingt helfen".
Dann ging es routinemäßig weiter. Marko Dähne wurde drei Wochen vor dem Eingriff von Kopf bis Fuß untersucht, "so gründlich wie noch nie", lächelte der jungen Mann, der die Bescheinigung erhielt, dass er fit und kerngesund ist. Am 27. August war es dann soweit. Er fuhr in die Klinik nach Dresden, wo der Eingriff gemacht werden sollte. Die Nacht vor der Knochenmarkentnahme hat er noch in guter Erinnerung.
"Ich konnte nicht schlafen. So vieles ging mir durch den Kopf. Ich musste an einen Kollegen denken, der diese Krankheit nicht besiegt hatte und gestorben war. Hätte ich ihm nicht auch helfen können. Dann trat mir noch einmal das Bild der krebskranken Kinder, die ich in der Dresdner Klinik gesehen hatte, vor Augen." Am Morgen dann habe er sich gewundert, dass ihn Pfleger auf einer Pritsche in den OP rollen wollen, "das Stück hätte ich doch laufen können", glaubte er. Als aber die Tablette zu wirken begann, wusste er warum. "Ich hab’ dann noch den Schwestern im OP-Saal von der Buga in Gera vorgeschwärmt und sie eingeladen, und dann weiß ich nichts mehr".
Die benötigten Stammzellen werden bei dieser Methode unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenknochen entnommen. Die Entnahme dauert etwa eine Stunde, wobei durchschnittlich rund ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen werden. Das entspricht ca. fünf Prozent des Gesamtvolumens an Knochenmark, das der gesunde Körper in zwei Wochen wieder nachgebildet hat.
Das alles hatte sich Marko Dähne eingeprägt als er wieder aufwachte und doch ein wenig Schmerzen verspürte. Der Rücken war steif, und die Hüfte tat weh. Er erhielt noch eine Eigenbluttransfusion und wurde am nächsten Tag mit einem großen Blumenstrauß entlassen. Zehn Tage habe er noch Probleme gehabt, doch nun sei alles wieder wie früher. Aber alles wie früher wird es für den Spender nie wieder sein, denn so schätze er es selbst ein: "Es war für mich das Highlight des Jahres. Für andere da zu sein und zu helfen, das bringt der Beruf bereits mit sich, aber jemanden das Leben zu retten beziehungsweise ein neues Leben zu ermöglichen, ist eine Chance, die man nicht all zu oft bekommt. Ich fand das toll, dass ich das machen durfte", sagte er überwältigt.
Marko Dähne ist enttäuscht, dass sich von rund 80 Millionen Deutschen nur 1,6 Millionen Menschen in der Datenbank registrieren ließen. Trotzdem ist die DKMS die größte Spendendatei weltweit, aber noch immer kann für jeden fünften Patienten kein Spender gefunden werden. Seine Freundin, die er seit seinem 14. Lebensjahr kennt und mit der er zusammen lebt - Nachwuchs ist jetzt geplant -, hat ihn voll unterstützt und sich ebenfalls in die Spenderkartei aufnehmen lassen.
Jetzt, kurz vor Weihnachten, wurde Marko noch einmal an seine gute Tat erinnert. Nicht nur, dass er von der DKMS zu seinem Geburtstag einen Riesenpräsentkorb erhielt "das wollte ich gar nicht", sondern nun bekam er auch noch eine Urkunde als Lebensspender, die der Chef der Polizeidirektion Lothar Kissel überreichte.
Für Marko Dähne ist dieses Jahr ein besonderes Weihnachtsfest. Er weiß da draußen in der Welt eine etwa 50-jährige Frau aus USA (so viel hat er erfahren), die durch ihn eine neue Chance auf Leben erhalten hat. "Ich überlege, wie es ihr wohl gehen mag und ob meine Stammzellen auch tatsächlich helfen konnten", fragt er sich. Zumindest habe er ihr und ihrer Familie einen Hoffnungsfunken geben können. Nach der gesetzlich vorgeschriebenen Sperrfrist von zwei Jahren möchte er gern persönlichen Kontakt mit der noch unbekannten Frau aufnehmen. Gute Wünsche aber für ihre Genesung kann er zu Weihnachten über die DKMS bereits jetzt übermitteln.
Irgendwo in USA kann eine Frau, Mitte Fünfzig, neue Hoffnung durch den Geraer Polizist Marko Dähne schöpfen. Er ist ihr genetischer Zwilling und spendete Stammzellen.

( Helga Schubert, 21.12.2007 )

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