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Brendel’s Buchhandlung: Kleinod in der Kirchstraße

Es ist Weihnachten 1985. Rosemarie Züge-Gutsche schlendert nach dem Weihnachtsbaumkauf auf dem Markt über die Große Kirchstraße - und bleibt in der seit 1950 hier ansässigen Brendel’s Buchhandlung hängen. Der Anblick des kleinen Lädchens beflügelt ihre Phantasie. Das wäre ein Traum, eine eigene Buchhandlung! Heute steht sie stolz zwischen den Bücherreihen und kann auf 19 Jahre erfolgreiche Arbeit in ihrer Buchhandlung zurückblicken. Am 9. September feiert Brendel’s sogar 165. Firmenjubiläum und zählt damit zu den sieben ältesten Buchhandlungen Europas!
1842 am Standort auf dem Markt 6 (heutiges Standesamt) gegründet, hat die Traditionsbuchhandlung eine wahre Odyssee hinter sich. 1942 ausgebombt zog das Buchgeschäft bis 1950 ganze sieben Mal um und erst dann in die Große Kirchstraße, den ehemaligen Lebensmittelhandel Müller.
Der im Jahr 1985 tätige Buchhändler Dietmar Vogtländer bringt die gelernte Finanzkauffrau Rosemarie Züge-Gutsche im Gespräch auf den Gedanken, sich in der Volksbuchhandlung auf der Sorge in der Buchhaltung zu bewerben. Prompt klappt die Einstellung und der Einstieg in die Welt der Bücher ist geschafft. Ab und zu musste Rosemarie Züge-Gutsche dann auch im Verkaufsraum aushelfen. "Das war anfangs gar nicht so mein Fall", gesteht sie. Aber den Chefs entging nicht, mit welcher Freude die belesene junge Frau Kollegen und Kunden begeisterte. "Ziemlich schnell war klar, dass ich nie wieder an meinen Buchhändlerschreibtisch zurück sollte", erinnert sie sich. Die eigene Lust am Lesen verhalf ihr so in Kürze zum Karrieresprung zur Abteilungsleiterin Belletristik.
1989 suchte Brendel’s Buchhandlung einen neuen Inhaber. Buchhändler Vogtländer hatte einen Ausreiseantrag gestellt und den Laden hinterlassen. Da sah Rosemarie Züge-Gutsche ihre Chance. Am 20. Mai flatterte die Genehmigung zur Übernahme ins Haus und schon drei Wochen später konnte sie "ihre" Buchhandlung eröffnen. Mit vereinten Kräften halfen Familie und Freunde mit, aus dem maroden Geschäft einen ansehnlichen Verkaufsraum zu machen. Alte Fußböden wurden heraus gerissen, Decken und Wände gestrichen und die Möbel frisch lackiert.
Von Anfang an war die Kirchstraße Nr. 12 auch Wohnhaus der Familie. Schon damals stand der Wunsch, das Haus zu kaufen und grundlegend zu sanieren. "Es war total herunter gekommen. Wir haben erstmal die Fenster zugenagelt, weil dort die Tauben aus und ein geflogen sind", erzählt Züge-Gutsche. Die Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft gestalteten sich jedoch äußerst schwierig. Nur mit Unterstützung des damaligen Geraer Oberbürgermeisters Andreas Mitzenheim gelang es schließlich, das Haus zu kaufen. "An dem dafür aufgenommenen Kredit habe ich noch zu knabbern bis ich achtzig bin", scherzt sie. Nach dem Kauf konnte die Familie dann endlich loslegen. Treppen, Fenster, Wasser- und Gasleitungen verlangten eine Generalüberholung und auch eine neue Lüftungsanlage wurde installiert. "Nach und nach haben wir aus dem morschen und kaputten Bau wieder ein Haus gemacht", erinnert sie sich.
Heute ist die Adresse schon von weitem ein Blickfang. Die Fassade des Hauses schmücken jedes Jahr zwölf bunte Blumenkästen und auch die festen Rosenstöcke links und rechts des Eingangs vermitteln einen gepflegten Eindruck. "Wir wollen die Schönheit unserer Straße als historische Achse bis zur St. Salvatorkirche betonen. Es geht auch darum den Geraern und Gästen zu zeigen, dass wir gern hier leben und stolz auf das sind, was wir hier geschafft haben", betont sie. Mit ihrem Engagement in der Werbegemeinschaft und dem Verein "Ja - für Gera" macht sie ihre Haltung deutlich, "dass die Kirchstraße unbedingt wieder belebt werden muss. Es muss ein Magnet her, der die Leute, die jetzt zwischen Gera Arcaden und Elster Forum bummeln, auch einmal wieder einen Schritt ins "alte" Gera tun lässt."
Angefangen hat Rosemarie Züge-Gutsche auf rund 30 Quadratmetern Ladenfläche. Heute können die Kunden auf 110 Quadratmetern in den Regalen stöbern. Schwer vorzustellen, dass im hinteren Ladenbereich einst Hof, Kohlenkeller und Klärgrube platziert waren. Als einzige hundertprozentig private Buchhandlung in Gera gilt es, sich auf dem Markt großer Ketten zu behaupten. Dass die Buchhandlung trotzdem noch existiert, beweist auch ihre Qualität. Das im Vergleich zur Konkurrenz kleine, aber feine Sortiment ist im hohen Maße auf die Stammkunden zugeschnitten. "Die sorgfältige Auswahl der Bücher ist hauptverantwortlich für den Verkauf. Da kommt es natürlich zugute, dass wir selbst echte Leseratten sind. Die Titel, die wir empfehlen, liegen zum Großteil also auch auf unserem Nachttisch." Tochter Daniela Züge und Mitarbeiterin Hannelore Püchel stehen ebenfalls zur Seite, wenn Leser wieder einmal auf der Suche nach dem richtigen Buch sind. Ihre Beratung soll den Kunden vor allem Orientierung im Überangebot von täglich rund 200 Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt geben. Viele sind dankbar für die verlässliche Vorauswahl und greifen gern auf die vor-gelesenen Titel zurück.
Aber nicht nur Bücher kommen bei Brendel’s auf den Tisch. Bei einem Tässchen Kaffee kann man auf dem Sofa sitzend in den Neuerscheinungen, Bücher-Fachzeitschriften oder Tageszeitungen blättern. "Das Buch sollte als Entspannungsritual der modernen Zeit verstanden werden. Dieser Haltung wollen wir in unserer Buchhandlung gerecht werden", betont Rosemarie Züge-Gutsche. Auch aus diesem Grund wird der unter dem Geschäftsraum liegende Höhler-Keller ausgebaut. Der 60 Quadratmeter große Raum mit Rundbogendecke und vielen urigen Nischen soll bereits zum diesjährigen Höhlerfest als neuer Veranstaltungsort fertig gestellt werden und dann für Autorenlesungen, Tarot-Abende, Weinproben, Kindernachmittage und mehr zur Verfügung stehen. Derzeit tun ortsansässige Firmen ihr Bestes, um Küchentrakt, Sanitäranlagen und den gemütlichen Gastraum in ein Kleinod zu verwandeln. Stammkunden, Freunde und Bekannte, Firmen und Sponsoren unterstützen den Ausbau finanziell oder mit Sachleistungen. "Ohne diese Hilfe hätten wir das Projekt niemals in Angriff nehmen können", unterstreicht Züge-Gutsche. "Die Spenden ermutigen uns weiter zu machen. Wir sehen darin bestätigt, dass es in Gera solche Vorhaben braucht und viele Menschen bereit sind, ihren Teil zum Gelingen beizutragen."

( Christine Schimmel, 07.09.2007 )

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