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Neues Gera berichtet von der Bundesgartenschau Gera-Ronneburg

Wir müssen zugeben: Einen liegenden Baumstamm als Ausstellungshalle hatten wir bisher noch nicht gesehen. Aber genauso ein Kuriosum ist in der Neuen Landschaft Ronneburg zu bestaunen. Na gut, die Maße übersteigen klar das Normale eines Baumstammes. Es ist ja auch ein Pavillon mit etwa 300 Quadratmetern Fläche. Er wurde aus einem der bedeutsamsten nachwachsenden Rohstoffe - dem Holz - in Segmentbauweise montiert.
Denn sinnigerweise beherbergt der Pavillon die einzigartige Ausstellung "Leben mit nachwachsenden Rohstoffen". Unsere BUGA macht damit vor, wie man ein an sich sprödes Thema (mit nicht gerade reißerischem Titel) interessant und lebensnah präsentieren sollte. Die BUGA in München wartete zum gleichen Thema mit einem fast armselig zu nennenden kleinen Pavillon auf. Ronneburgs wissenswerte Schau zu den nachwachsenden Rohstoffen kann man dagegen getrost unter das besucherfreundliche Motto stellen "Entdecken, anfassen, fühlen und riechen".
Allerdings, ein bisschen Zeit muss der neugierige Besucher schon mitbringen, denn wie uns die junge Alexandra Calließ, Dipl.-Ing. für Landschaftspflege, erläutert, gehört zur Präsentation eine zweieinhalb Hektar große Frei-fläche. Hier im Außenbereich kann sich der BUGA-Gast mit mehr als 200 Kulturen vertraut machen - eine erstaunlich vielfältige Palette der nachwachsenden Rohstoffe, die allesamt in Deutschland angebaut werden. Damit sich der Besucher auf Entdeckertour keinen Wolf läuft, keine Bange: Es gibt genügend Bänke zum Verschnaufen. Und Personal, das sachkundige Erläuterungen zu geben vermag.
So ist uns aufgefallen, dass es auf den überall anzutreffenden Texttafeln ein Farbenspiel gibt. Kleine farbliche Punkte weisen auf die speziellen Rohstoffe im Pavillon wie im Außenbereich hin. Das erleichtert die Orientierung. Denn die Gesamtpräsentation ist sinnvoll in fünf Bereiche gegliedert. Das rote Symbol verweist auf den Bereich Arzneistoffe/Farbstof-fe/sonstige Inhaltsstoffe. Lindgrün ist als Markierung da zu finden, wo es um Werkstoffe (z.B. Holz und naturfaserverstärkte Kunststoffe) geht, Dunkelgrün ist das Zeichen für Schmierstoffe (Öle), Blau für Dämmstoffe und Orange für Bioenergie (z.B. Kraftstoffe wie Biodiesel). Das alles verdeutlicht, wie bedeutsam Anbau und Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe für uns sind. Ja, sie gelten als umweltfreundlich, weil sie den Ausstoß von Kohlendioxid nicht verstärken, im Gegensatz zu den fossilen Brennstoffen.
Dem fußläufigen Wanderer durchs Freigelände fällt vielleicht auf, dass die Schauparzellen verschieden groß sind. Bewandtnis: Das soll den anteilmäßig unterschiedlichen Anbauumfang der Pflanzen im Bundesdurchschnitt verdeutlichen. So bekamen zum Beispiel Raps und Winterweizen eine relativ große Ausstellungsfläche, Traubensilberkerze und Goldrute dagegen nur ein kleines Beet.
Gartenbauingenieurin Irmhild Gutschke verweist darauf, was das Herz des Thüringers erfreuen dürfte: Im Freistaat werden wieder verstärkt Kräuter angebaut. Eben weil das Olitätenland Thüringen (früher Drogenkammer Deutschlands genannt) eines der großen Anbauländer von Arznei- und Gewürzpflanzen ist und der Kräuteranbau eine lange Tradition aufweist, widmet sich eine gesonderte Fläche den Heil-, Duft und Gewürzpflanzen. Man muss nur immer der Nase nachgehen. Und schon im Mittelalter war z.B. Indigoblau als Färberwaid weit verbreitet, wurde dann durch den importierten Indigostrauch und Synthetika verdrängt, ist aber heute teilweise wieder gefragt.
Zurück zum liegenden Baumstamm, pardon: zum Pavillon, der zwei immer dicht umlagerte Ausstellungsbereiche aufweist: erstens eine "Wissensschiene" mit sorgfältig und anschaulich dargestellten Informationen und zweitens stilisierte Wohnräume, die zeigen, wie im täglichen Leben die nachwachsenden Rohstoffe eine beachtliche und weiter zunehmende Rolle spielen. Über 30 Firmen, Institutionen und Vereine haben Exponate beigesteuert, darunter der Kräuterhof und die Firma Kräuterprodukte Schmidt, beide aus Gera. Das macht die Darstellung lebendig und lebensnah. Da wird vorgeführt, wie sich mit Holzpellets heizen lässt. Da kann man eine atmungsaktive kuschelweiche Bettdecke befühlen, die mit Pappelflaum gefüllt ist.
Vielleicht intereressiert sich mancher auch für die Vielfalt an Dämmstoffen. Im hinteren Teil des Pavillons befindet sich ein Tagungs- und Vorführraum. Da referiert soeben Michael Förster zu diesem Thema. Gerade läuft nämlich das Aktionswochenende zum Thema "Dämmen und Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen". Vorerst wird es im Verlauf der BUGA acht solche Veranstaltungen geben. Ein Fundus an Wissensvermittlung!
Wovon die Besucher (täglich werden es mehr) nichts erfahren, und deshalb tun wir es an dieser Stelle: Die Macher der sehenswerten Ausstellung haben ganze Arbeit geleistet. Das sind die ARGE-Gartenplanung der BUGA, die Milla und Partner GmbH Stuttgart für Konzept und Design und das Büro Helge Bucki Erfurt für die Architektur. Finanzielle Mittel steuerte bei das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.



( Harald Baumann, 08.06.2007 )

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