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Mit winzigen Stichen ins Reich der Kunst

Wer mit Nadel und Faden umzugehen weiß, ist noch lange kein Schneidermeister, und wer ein paar Steppnähte einigermaßen in Linie hinbekommt, kann sich noch nicht Quilter nennen. Quilten gehört in das hohe Kunsthandwerk, und dass nicht nur Geschick, Geduld und Gespür für Stoffe dazu gehören, sondern auch Kreativität, Fantasie und künstlerisches Ausdrucksvermögen, das beweist die neueste Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Gera. 65 Quiltfrauen und zwei -männer aus Deutschland, Holland, Finnland, Russland und der Schweiz zeigen 77 Arbeiten zum Thema "Quilters bunte Gartenschau - Farben des Jahres". "Eine Referenz an die Bundesgartenschau", verriet Franziska Schmidt, Mitglied der Quilt-Arbeitsgruppe am Museum, die selbst viele Ausstellungsstücke beigesteuert hat.
Für das Haus, das bereits in vielen Ausstellungen Alltagskunst beleuchtet hat, ist es die erste große Textilausstellung. Aber Quilt in einem Kunstmuseum? "Es ist keine Laienkunst mehr", weiß Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson, der eigentlich mehr ein Keramikexperte ist, wie er selbst sagt, "und keine Arme-Leute-Kunst". Quilten sei vor etwa 50 Jahren in die Höhen der Kunst aufgestiegen. Ästhetische Impulse und bildhaftes Gestalten gehörten zu den künstlerischen Ausdrucksformen. 1981 gab es in Deutschland die erste Quilt-Biennale und 2000 die erste europäische Quilt-Triennale.
Gequiltet wird schon seit vielen Jahrhunderten, das heißt mehrere Lagen unterschiedlichen Stoffes wurden übereinander gelegt und damit das Ganze nicht verrutscht, mit verschiedenen Stichen miteinander verbunden. In China kannte man Quiltstoffe, im Orient, Kreuzritter nutzten den Stoff für Unterhemden unter ihren Rüstungen und brachten damit den Quilt nach Europa. Von hier aus gelangte er durch Auswanderer nach Amerika, wo die Siedlerfrauen gezwungen waren, mit besonders kleinen Stoffresten zu arbeiten. Daraus zauberten sie fantasievolle und farbenfrohe Decken, die nicht nur wärmten, sondern auch die einzigen Schmuckstücke in den kargen Blockhütten waren.
Helena Geitel, ebenfalls Mitglied in der Geraer Quilt-Gruppe, hat schon immer gern genäht und sich mit Farben beschäftigt. "Natürlich muss man erst einmal das Handwerk beherrschen", gibt sie zu, "dann aber kann man mit den Farben spielen und sich die Arbeit entwickeln lassen". Mitunter sei sie selbst überrascht, was dabei herauskommt, lächelte sie. Selten werden Maschinen benutzt, fast alles steppt sie mit der Hand, und je kleiner die Stiche umso besser. Es vergehen Wochen und Monate bis eine Arbeit beendet ist. Jetzt arbeite sie an einem Stück, wofür sie bestimmt Jahre braucht, überlegte sie.
Farbenfroh und blütenreich kann die Ausstellung, die bis zum 28. Mai zu sehen ist, durchaus dem Blumenmeer der Buga standhalten. Manche der Arbeiten haben einen Gebrauchswert, aber einige platzieren sich faszinierend und raumbeherrschend wie ein Gemälde als Solitärpflanze.

( 09.03.2007 )

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