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Meister wissen eben doch am besten wie’s geht

Als Lob auf den Handwerksmeister Hans Sachs, der sich selbst "Schumacher und Poet" nannte, dichtete kein Geringerer als Goethe: "In Froschpfuhl all das Volk verbannt, dass seinen Meister je verkannt." Wie sieht das heutzutage aus: Schätzen wir die Meister noch?

Ich denke, dass der Meister für viele Verbraucher nach wie vor ein Garant für hohe handwerkliche Qualität ist. Doch gerade in Zeiten, in denen viele Bürger den Euro zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben, wird auch an Handwerkerleistungen gespart. Das ist jedoch der falsche Weg. Kunden, die auf Masse statt Klasse setzen und damit Handwerk zu Dumpingpreisen durchführen lassen, zahlen am Ende drauf. Folgereparaturen kosten unterm Strich mehr als eine einmalige, qualitativ hochwertige Arbeit aus Meisterhand.

Nun besteht aber per Gesetz für eine Reihe von Handwerksberufen keine Meisterpflicht mehr. Worin sehen Sie die Auswirkungen?
Wir haben uns als Handwerkskammer vehement dafür stark gemacht, dass der Meisterbrief als Siegel für Qualität und Ausbildungsleistung erhalten bleibt. Die damalige rot-grüne Bundesregierung sah das anders und strich zum 1. Januar 2004 die Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen. Die daraus resultierenden Auswirkungen haben wir alle zu tragen - egal ob Handwerksbetrieb oder Verbraucher. Zwar gibt es einen deutlichen Zuwachs an Handwerksbetrieben in den Berufen, in denen keine Meisterpflicht mehr notwendig ist. So stieg beispielsweise die Zahl der in Ostthüringen eingetragenen Fliesenleger von 134 im Januar 2004 auf nunmehr 372 - das ist fast eine Verdreifachung. Im gleichen Zeitraum sank aber die Zahl der Lehrlinge in diesem Beruf von 23 auf 10.

Hier wird eines der Probleme deutlich, die mit der Abschaffung der Meisterpflicht verbunden sind. In den Berufen ohne Meisterpflicht kann sich heute jeder selbstständig machen, egal ob er diesen Beruf erlernt hat oder nicht. Oftmals sind dies Ein-Mann-Betriebe, die sowohl von der Qualifizierung als auch von den unternehmerischen Möglichkeiten her keine Ausbildung des Berufsnachwuchses gewährleisten können. Wenn jedoch die qualifizierte Ausbildung in diesen Berufen fehlt, besteht die Gefahr, dass die handwerkliche Qualität immer mehr verloren geht. Am Ende zahlt der Verbraucher die Zeche.
Wie steht es um die Meistergilde in unserer Ostthüringer Region?
Wir spüren schon, dass die Zahl der Meisterbetriebe nach der Novellierung der Handwerksordnung rückläufig ist. Das trifft insbesondere auf die Berufe zu, in denen die Meisterpflicht nicht mehr besteht. Gleichzeitig haben wir einen Trend hin zu immer kleineren Meisterbetrieben, was dem härteren Wettbewerb geschuldet ist.

Die Handwerkskammer kümmert sich seit langem um die Meisterausbildung. Können sich die Ergebnisse sehen lassen?
Durchaus. In den drei Bildungsstätten der Handwerkskammer für Ostthüringen in Gera-Aga, Rudolstadt und Zeulenroda leisten die Dozenten und Ausbilder eine hervorragende Arbeit in der Meisterqualifizierung. Denjenigen, die die Meisterschule in Ostthüringen absolviert haben, können die Verbraucher jederzeit vertrauen. Dennoch haben wir seit der Novellierung der Handwerksordnung eine leicht rückläufige Tendenz an Meisterschülern. Das trifft wiederum insbesondere auf die Handwerksberufe zu, in denen die Meisterpflicht weggefallen ist. Nehmen wir als Beispiel den Beruf des Gebäudereinigers: Im vergangenen Jahr gab es lediglich noch vier Gebäudereiniger in Ostthüringen, die ihren Meisterbrief erhielten. Bis zum Jahr 2004 waren es dagegen durchschnittlich zehn pro Jahr. In den Berufen, in denen die Meisterpflicht weiterhin besteht, gibt es tendenziell keine größeren Veränderungen.

Womit muss sich derzeit der von einem Meister geleitete Handwerksbetrieb herumschlagen, wenn er erfolgreich sein will?
An erster Stelle möchte ich den immer härter werdenden Preiskampf nennen. Es ist verständlich, dass Ein-Mann-Betriebe ohne Beschäftigte, ohne Qualifikation und ohne Lehrlinge andere Preise für die Kunden kalkulieren können. Oftmals fehlt in diesen Betrieben aber auch das kaufmännische Know how, um vernünftige Kalkulationen vorlegen zu können. So werden unsere gestandenen Meisterbetriebe durch Preisdumping in einen ruinösen Wettbewerb getrieben. Es werden Preisangebote unterbreitet, bei denen der Handwerker schließlich noch draufzahlt. Die Folge dieses ungleichen Wettbewerbes ist, dass viele Meisterbetriebe Mitarbeiter entlassen müssen, die Handwerksbetriebe immer kleiner werden.
Große Probleme bereiten unseren Betrieben die hohen Betriebs- und Lohnnebenkosten. Gestiegene Krankenkassenbeiträge, höhere Strom- und Gaspreise oder der Anstieg der Einkaufspreise von Rohstoffen: All dies führt dazu, das Handwerkerleistungen teurer werden, der Handwerker aber immer weniger für den Betrieb selbst erwirtschaften kann.

Wie sehen Sie 2007 und danach die Zukunftschancen für die Meister in unserer Region?
Trotz vieler Probleme bin ich optimistisch, dass sich das Meisterhandwerk mit seiner Qualität auch in den nächsten Jahren behaupten wird. Wichtig für unsere Handwerksmeister ist es vor allem, ihren Meisterbrief als Marketinginstrument zu nutzen und mit ihm als Siegel für höchste Qualität und Verbraucherschutz zu werben. Die Handwerkskammer für Ostthüringen unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe bei diesen Bemühungen. Zu nennen ist hier unter anderem die Meisterkampagne "Meister wissen wie’s geht", die im vergangenen Jahr sehr erfolgreich war und im Jahr 2007 fortgesetzt wird.

Welche Tipps können Sie den Kunden geben, damit sie Handwerksleistungen auf hohem Niveau erhalten?
Ganz einfach: Achten Sie auf den Meisterbrief als Qualitätssiegel. Fragen Sie in Ihrem Handwerksbetrieb ganz konkret nach der Qualifikation und lassen Sie sich Referenzen zeigen. Die derzeitige "Geiz-ist-Geil-Mentalität" schadet nicht nur unseren Meisterbetrieben sondern auch dem Verbraucher, dem oftmals vermeintliche Billigangebote am Ende teuer zu stehen kommen, wenn Nachbesserungen notwendig sind. Nicht zuletzt tragen die Kunden mit ihrem Gang zum Meisterbetrieb auch dazu bei, dass Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Region erhalten und neue geschaffen werden.

( Das Gespräch führte Harald Baumann, 02.02.2007 )

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