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Gera macht sich bugafein - aber bitte ohne Graffiti!

Am Abreißkalender sind es schon keine 100 Blätter mehr, bis der Tag der BUGA-Eröffnung naht. Gera macht sich bugafein. Allerorts erfreuen helle freundliche Fassaden das Auge. Doch was das einladende Bild der Gastgeberstadt trübt: Noch immer und immer wieder sind die Graffiti-Schmierer am Werk. Narrenhände beschmieren Tisch und Wände, meinte der Volksmund schon zu Großmutters Zeiten.
Das Wort "graffito" kommt aus dem Italienischen. Der Duden übersetzt es mit "Wandkritzelei; auf Mauern, Fassaden oder Ähnlichem gesprühte oder gemalte Parole". Diese Definition ist ungenau. Die Schmierfritzen wollen provozieren. Sie wollen "fame" erringen, also in ihren Kreisen eine gewisse Berühmtheit und Anerkennung erlangen. Deshalb möchten sie vor allem eines: Aufmerksamkeit erregen. So wählen sie Orte, wo möglichst viele Leute ihre künstlerischen Ergüsse sehen können: Schornsteine, hohe Gebäude, Firmen in Gewerbegebieten, Mauerfassaden, Straßenbahnen, Busse, LKW, Eisenbahnzüge usw. Geradezu magisch angezogen werden die "Künstler" von frisch verputzten oder gestrichenen großen Flächen.
Graffiti ist eine der unschönen "Erfindungen", die von Amerika zu uns herüberschwappten. Es begann in den 30-er Jahren in New York. Ein Botenjunge kam auf die Idee, seinen Namen und die Postleitzahl bei seinen Gängen an Wände und Fahrzeuge zu schmieren. So entstand der erste "Tag", wie die Pseudokünstler ihren an die Wand gesprühten Namen nennen.
Gera ist eine "normale" Graffiti-Stadt. Wir sind keine Hochburg der Schmierer. Wir sind aber auch nicht jungfräulich unberührt. Wir treffen an Gebäuden die Verunstaltungen, die die Täter paradoxerweise als schön empfinden, überall im Stadtbild an. So wird unser geschätztes Kultur- und Kongresszentrum regelmäßig eines der bedauernswerten Opfer. Zur "Begrüßung" unserer Gäste gibt es zum Beispiel ein riesiges Gekleckse an den Lärmschutzwänden entlang der A 4 zwischen Rüdersdorf und Gera. Besonders ärgerlich wird die Sprüherei, wenn sie derzeit gerade in altem oder neuem Glanz erstrahlende BUGA-Objekte verunziert.
Der Steckbrief unserer einheimischen Sprühdosen- und Eddingstiftliebhaber unterscheidet sich kaum vom bundesdeutschen Durchschnittsprofil. Die Täter, die nicht wahrhaben wollen, das ihre Kritzeleien kein Kavaliersdelikt sind, sondern rechtlich gesehen Sachbeschädigung und damit eine Straftat darstellen, streifen meist in den Nachtstunden durch Geras Straßen. Beliebt sind besonders die Ferienzeiten und die Wochenenden. Wieviele Jugendliche in Gera aktiv sind, ist schwer einzuschätzen. Die Dunkelziffer ist hoch.
Wie wir von Polizeirätin Katrin Sander, Leiterin der Polizeiinspektion Gera-Nord, und Steffi Kopp, Pressesprecherin der Geraer Polizeidirektion, erfahren, gestaltet sich die Aufklärung schwierig. Die Sprüher, meist zwischen 14 bis 21 Jahre alt, wirken im Schutze der Dunkelheit oft in der Gruppe und sichern sich gegenseitig ab. Die Szene ist hierarchisch aufgebaut. Nach der Tat postieren sich die Jugendlichen häufig vor ihrem Werk für ein sogenanntes Kamikaze-Foto.
Das zerstörerische Treiben ist leider mit einer gewissen Beschaffungskriminalität verbunden. Ganz klar: Farbspray und Ausrüstung (Masken, Skizzenblöcke, Einweghandschuhe, Fotoapparat usw.) sind verhältnismäßig teuer. Die Tatverdächtigen haben aber oft kein oder wenig Einkommen und sind bedauerlicherweise auch zum Teil drogenabhängig.
Erfreulich: Um dem Graffiti-Unwesen in der BUGA- und Dix-Stadt zu Leibe zu gehen, wurde 2005 von den beiden Geraer Polizeiinspektionen eine gemeinsame Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Offensichtlich war ihre Arbeit von Erfolg gekrönt. So wurden 2006 sechs Tätergruppen ermittelt. Bei zweien handelte die Staatsanwaltschaft bereits. Im Einzugsbereich der beiden Inspektionen hatten es Geras Polizisten 2006 mit 413 Anzeigen wegen Graffiti-Ge-schmiere zu tun. Davon wurden 341 abgeschlossen. Noch offen sind 72 Vorgänge. Bei den zwei bisher verhandelten Verfahren gab es Be-währungsstrafen und zusätzlich Arbeitsstunden als Buße. Wie überall, arbeiten leider auch in Gera die Mühlen der Justiz (noch zu oft) langsam.
Schätzungen besagen: Die Schäden bei größeren Graffiti bewegen sich zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Angeschmiert sind im wörtlichen Sinne die Eigentümer. Dringt die Farbe in den Putz ein, ist häufig Neuanstrich erforderlich. Zudem: Eine Reihe von Versicherungsgesellschaften drücken sich davor, Graffiti-Schäden anzuerkennen.
Gera hat ein Problem: Zu wenig Bürger zeigen die Untaten an. Es fehlt zu häufig an Zivilcourage. Dadurch passiert es eben auch,dass rund 50 Prozent der Täter rückfällig werden und wieder in Erscheinung treten.Die Leitung der Polizeidirektion Gera hat dem Oberbürgermeister und der Stadtverwaltung vorgeschlagen, ein Netzwerk für gemeinsames Handeln zu gründen. Kommune, Geschädigte, Firmen, Feuerwehr, Polizei, Tiefbau- und Ordnungsamt, Schulen, Jugendklubs, Streetworker und weitere Partner sind zu einer quasi konzertierten Aktion aufgerufen. Gera muss sich ohne Graffiti-Geschmiere bugafein präsentieren.
Das Netzwerk ist dann erfolgreich, wenn es gelingt, Geras Bevölkerung stärker zu sensibilisieren. Werden die Übeltäter sofort angezeigt, ihre Untaten rasch bekannt und die Schäden möglichst schnell beseitigt, trifft das die Schmierfinken hart. Ihre Anerkennung in der Szene ginge verloren.
Gemeinsam müssen wir erreichen, dass die Täter entnervt aufgeben oder sich einreihen in die kleine Schar der wirklichen Graffiti-Künstler, die mit unser aller Einverständnis sich auf den von uns zugewiesenen Flächen austoben dürfen.

( Harald Baumann, 26.01.2007 )

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