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Geras Innenstadt unter Forscherblicken

Universitäten haben Gera für sich entdeckt. Als Forschungsgegenstand bieten der Zustand der City sowie bürgerschaftliches Engagement Gründe für Neugier, Boden für Ideenspiele. Noch kurz vor Jahreswechsel nahmen zwei Frauen des Instituts für Stadt- und Regional-Planung der Technischen Universität Berlin Thüringens zweitgrößte Stadt unter die Lupe.
Weniger beim Einkaufsbummel als in Gesprächsrunden mit Partnern aus Einzelhandel, Stadtverwaltung und Wohnungswirtschaft analysierten Ricarda Pätzold und Anja Zahn Geras Zentrum in Sachen Leerstandsmanagement. Das klingt wie die Verwaltung von Mangelzuständen und Verlegenheiten. Aber es ging um’s Leben drum herum und wie es läuft oder laufen soll(te); es geht ihnen nach den Vergleichen und Fallstudien vieler Städte Deutschlands um Beispielstrategien, Orientierung auf das Zusammenwirken von Akteuren bis zu daraus gewonnenen Handlungsleitfäden oder dem Erfahrungsschatz für einen Informationspool im Internet.
Stichworte sind z. B. Gewerberaumbörsen, Zwischennutzung, Grundriß-Änderung, Umnutzung von Gebäuden ... Die sind zwar weniger Gegenstand der Bemühungen von "Ja! für Gera", das diesen Kontakt vermittelte. Die junge Bekanntschaft aus dem City-Management-Verband Ost hatte jedoch Interesse heraus gefordert; gerade auch weil man in Gera mit angeregtem Engagement der Bürger eine Menge zur Belebung der Innenstadt erreichte.
"Sagen Sie ruhig Glück auf!", begrüßte Gunter Weißenborn die Berlinerinnen und einige Händlerkollegen in seinem Delikatessenladens am Tisch vor dem Höhlerzugang, wo jetzt öfters Weinverkostungen stattfinden. 21 Kubikmeter Geröll hatte man aus dem Untergrund geschleppt, um geschichtlichen Atem des Hauses wieder zu erwecken. Vorfahren des Ur-Geraers führten schon Kolonialwarengeschäfte in der Stadt. Simone Friedrich von der Boutique nebenan sorgt mit Modenschauen für Leben; kann den neuen spezialisierten Nachbarn Andreas Villwock von der italienisch orientierten "bella donna" gut als Partner in Bürgerinitiative oder Werbegemeinschaft sehen. Buchhändlerin Rosi Züge begeistert seit Jahren mit Veranstaltungen. Luciano Petschauer berichtete gern zur Winternutzung der Eisdiele durch Nürnbergs Lebkuchen-Schmidt. Gastwirt Andreas Thieme wechselte ehemals von Jena nach Gera, weil man noch etwas bewegen könne und inszenierte den 2. SilvesterMARKT, zu dem über 4.000 Leute auf den Markt strömten.
Dennoch bewirbt auch diese Runde sich untereinander noch nicht konsequent, wie man an Reaktionen auf die Umfragestunde merkte. Handeln Einzelhändler auch in Gera - nach altem Wort - am liebsten einzeln? Reserven für WIR-Gefühl und gemeinsame Arbeit am Wohlfühlcharakter im Zentrum? Warum also nicht dazu Inspiration von außen? Immer mal kommen Orakel über Standort, Zeitpunkt des Baus oder Auswirkungen auf Kundenströme auf, wenn Einzelhändler in jetziger Struktur sich selbst den Einkaufszentren diesseits oder jenseits der Breitscheidstraße gegenüberstellen. Gera - geteilte City? Leute von heute weltweit mögen überdachtes Shopping.
Läßt sich aus derlei Konfliktpotential etwas mehr Gemeinsinn und Außenwirkung gewinnen? "Ja! für Gera" möchte bald eine Standortgemeinschaft bilden. Eine Art Genuß- und Modemeile soll nach Gera einladen. Bald könnten künstlerisch umgarnte Zwischenlösungen im Steinweg geschaffen werden usw. Derlei Ideen stehen nun bei den Berliner Stadt- und Regionalökonomen auf dem Prüfstand. Blicke von außen dürften gut tun. Aber sie werden weitere Ideensuche in Gera selbst nicht ersetzen.

( 05.01.2007 )

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