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Die Liebe der Menschen zur Natur geweckt

Bäume, das war eines der Spezialgebiete von Reinhard Conrad, der am 25. Dezember 2006 von uns gegangen ist. Er hinterlässt eine empfindliche Lücke in der Geraer Kulturlandschaft. Seit 1970 war er als Pilzsachverständiger tätig und stand Generationen von Pilzsammlern mit seinem Rat zur Seite. Man konnte ihn auch beim Erntefest im Botanischen Garten um seinen Expertenrat fragen. Am 24. November2006 stellte er in einem informativen, pointierten, wissenschaftlichen Vortrag im Naturkundemuseum den Baum des Jahres 2007, die Schwarz-Pappel, vor. Diese Vortragsreihe wurde bereits seit sieben Jahren durchgeführt und von den Baum-Freunden stets mit Spannung und Vergnügen erwartet.
Reinhard Conrad war u.a. Mitglied der Dendrologischen Gesellschaft, der Gesellschaft für Mykologie und Gründungsmitglied der Gesellschaft der Freunde der Naturwissenschaften zu Gera. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden auf mehrere Hundert geschätzt. Der von ihm im Verlag Dr. Frank herausgegebene Baumkalender, der sich in ganz Deutschland zunehmender Beliebtheit erfreut, besticht nicht nur durch die außerordentlich schönen Fotos, die passenden Sprüche, sondern auch durch die umfassenden populärwissenschaftlichen Informationen zu den abgebildeten Bäumen. Der Kalender war auf dem besten Wege dazu, Kultstatus zu erlangen. Im Böhlau-Verlag erschien letztes Jahr "Das nördliche Vogtland um Greiz" in der Reihe Landschaften in Deutschland, worin er für die Tierwelt, die Flora und Vegetation den wissenschaftlichen Beitrag leistete. In der Naturwissenschaftlichen Reihe des Museums für Naturkunde der Stadt Gera finden sich viele Beiträge von ihm, so in Heft 25/1998 ein Beitrag über "Baumgiganten in und um Gera - Kultur- und Naturerbe". In dem voraussichtlich im Februar erscheinenden neuesten Band werden wir etwas über Gärten, Pfarrgärten, Klostergärten wie z. B. im Kloster Mildenfurth zu lesen bekommen.
Als mein Sohn Alexander im Jahre 2003 seine Jahresarbeit am Albert-Schweitzer-Gymnasium zum Thema "Die Entwicklung des Areals Hofwiesen Gera zu einem Stadtpark" zu recherchieren begann, wurde ihm Reinhard Conrad genannt, als Mann, an den er sich wenden könne, wenn es Fragen hinsichtlich des Baumbestandes gäbe. Die Verbindung zu ihm war schnell aufgenommen und es stellte sich heraus, dass er sehr viel mehr zu erzählen wusste, als nur über Bäume. Kastanien, Linden und Birken konnte Alexander selbst bestimmen, aber wer weiß als Laie beim Betrachten eines getrockneten Blattes schon auf Anhieb, dass es sich um eine Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia), eine Kanadische Pappel (Populus x canadensis) oder um einen Feld-Ahorn (Acer campestre) handelt. Reinhard Conrad wusste es und er konnte auch so ganz nebenbei, darauf legte er Wert, mit der exakten lateinischen Bezeichnung aufwarten. Darüber hinaus wurde der Blick geschärft, nicht nur die Bäume zu zählen, sondern auch die Blätter zu sehen, die Rinde zu betrachten und auf Pilze, Moose und Tiere zu achten. Reinhard Conrad war ein wandelndes Lexikon in Sachen Baum-Latein, ein Fundus für Geschichten über historische Bäume und ein Wegweiser durch das Blätter-Labyrinth. Alles sollte im Konnex mit der Umgebung, mit der Umwelt, mit Klimaveränderungen und Schäden betrachtet werden, die durch den Menschen verursacht werden. "Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass der Mensch für die Natur da sein muß und es sich lohnt, für die Natur Einsatz zu zeigen. Letztlich ist jeder Baum ein Wunder und es lohnt sich, für ihn zu kämpfen", sagt er sinngemäß in einem Gespräch.
Reinhard Conrad war beharrlich aufklärend, energisch auftretend, wenn es um den Schutz und Erhalt von Bäumen ging. So ist es ihm mit zu verdanken, dass Ende letzten Jahres die Eiche in der Vollersdorfer Straße nun doch nicht gefällt wurde, obwohl ein Gutachten dazu angeraten hatte. Ebenso setzte er sich für den Schutz der Lasur ein. Als 2004 die Mittwochsdemonstrationen verhinderten, dass am Elsterufer und in der alten Hofwiesenallee 37 Kastanien und Linden gefällt wurden, war er aufklärend zur Seite und begründete, warum die Bäume stehen bleiben sollten. Dasselbe geschah Anfang 2005, als im Küchengarten vier Demonstrationen mit mehreren hundert Menschen stattfanden, um die dortigen Randstreifen zu erhalten. Er war neben Mario Schmidt und Eugen Weber der "Wissenschaftler" der Veranstaltung. Er hat in vielen Menschen den Samen für das Verständnis der Natur und insbesondere der Bäume gelegt und uns Hoffnung gemacht.

( Dr. Holger Christel, 05.01.2007 )

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