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Kreative Idee, Geschick und jede Menge Geduld

Kreative Ideen, Geschick und jede Menge Geduld sind gefragt, wenn es gilt, aus einem Klumpen Ton ein ansehnliches Kunstobjekt zu fertigen. Doch wer einmal "Blut geleckt hat, bleibt dabei" - dem ist sich auch Constanze Müller, Leiterin der Keramikwerkstatt im Freizeitclub Gera, sicher.
Seit nunmehr 25 Jahren gibt sie Kurse und Workshops rund um den gebrannten Ton und seit Februar dieses Jahres im neuen Domizil in der Lobensteiner Straße 49 in Gera-Lusan. Hierhin war die Keramikwerkstatt umgezogen, nachdem das ehemalige Pionierhaus in der Geschwister-Scholl-Straße als Standort nicht mehr in Frage kam.
Trotzdem verbindet sie mit dem großen Haus schöne Erinnerungen: Zum Beispiel an die Anfänge im damals in Renovierung befindlichen Gebäude. In mühevoller Arbeit machten die Mitarbeiter des städtischen Pionierhauses aus dem riesigen Bau "ihr" Haus und packten bei regelmäßigen Einsätzen kräftig mit an. Die Sanierung war noch nicht abgeschlossen und die Heizungen funktionierten nicht - aber Constanze Müller erlebte trotzdem den allerersten Ofenbrand. "Das war abenteuerlich", weiß sie noch heute.
Mit viel Engagement hat sie den Keramikbereich selbst aufgebaut. Seit 1981 als feste Mitarbeiterin der Stadt angestellt, war es fortan ihre Aufgabe, Material, Werkzeug und Geld zu beschaffen. "Auch früher ging vieles über Beziehungen. Im Leipziger Künstlerbedarf gab es so manches nötige Utensil und Geld kam auf Drängen von der FDJ", schildert sie den Organisationsaufwand. Über das Kreiskabinett gab es bald sogar einen neuen Ofen: Endlich mehr Platz für die in den Kursen gefertigten Keramiken und die Möglichkeit, mit mehr Glasuren brennen zu können.
"Keramik und ein eigener Ofen waren damals Luxus pur", gesteht sie und schwärmt noch von einer Beteiligung von 80 bis 90 Kindern pro Woche, die in Keramikkursen nonstop ihre Kreativität entwickelten. "Das war sogar für die Kinder kostenlos und noch dazu hat jeder zwei Fahrscheine bekommen, damit er auch zum Kurs kommen konnte."
Leuchtende Augen bekommt sie auch, wenn sie von den Spezialistenlagern zu DDR-Zeiten erzählt. Aus allen Keramikgruppen wurden die Talentiertesten ausgewählt und durften an einem Intensivkurs teilnehmen: "Meist war das mit Übernachtung, d.h. es wurde bis in die Nacht gearbeitet und am Ende entstanden ganz besondere Stücke. Wichtig war auch das Zeichnen, schließlich sollte das Auge geschult werden." Beim bezirksoffenen Spezialistenlager haben die Besten gemeinsam mit ihrer Kursleiterin eine Gemeinschaftsarbeit in Angriff genommen. Für den Dornaer Kindergarten war so eine Wandgestaltung zum Thema "Märchen" entstanden. "Das letzte große Gemeinschaftswerk war eine beleuchtete Weihnachtsburg aus dem ersten ‘West-Ton’, die dann jedes Jahr im Foyer des Pionierhauses aufgestellt wurde", sagt sie. Für das Objekt haben vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenen alle mitgearbeitet und jeder hat entsprechend seinen Fertigkeiten einen Teil beigetragen. Jetzt liegt das Stück gut verpackt im Lager, denn in den Lusaner Räumen der Werkstatt ist leider kein Platz für ein solch großes und empfindliches Kunstobjekt.
Viele Geraer Kinder, die schon damals ins Pionierhaus zum Keramikkurs kamen, sind auch heute dem Hobby noch treu oder bringen ihre eigenen Kinder mit. "Wir haben auch Eltern, deren Kinder früher bei uns waren. Heute sind die Kinder aus dem Haus und die Mütter kommen selbst." Obwohl vor der Wende deutlich mehr Teilnehmer zu den Kursen kamen, kann sich Constanze Müller über die Resonanz nicht beklagen. Alle acht Plätze pro Kurs sind eigentlich immer vergeben. Es gibt sogar eine Warteliste. "Das heißt aber nicht, dass wir für Neugierige keinen Platz mehr haben", betont sie. Nach Anmeldung können an Wochentagen Schnupperkurse und sonnabends thematische Workshops besucht werden. Für kleine Gruppen gibt es auch gesonderte Projekttage.
"Im Pionierhaus gab es freilich bessere Bedingungen. Wir hatten allein 18 Arbeitsplätze für das Modellieren des Tons und zehn zum Glasieren - plus ausreichend Stellflächen zum Trocknen. Das Schönste war auch der eigene Höhler des Hauses für die Lagerung des Tons", erinnert sie sich. Trotzdem freue sie sich, heute überhaupt weitermachen zu können und beim "Schlupfwinkel" eine Bleibe gefunden zu haben. Vor dem Umzug nach Lusan wurden im Keller des Plattenneubaus Türen, Wände und Rohre gestrichen und mit Unterstützung des "Schlupfwinkels" auf Vordermann gebracht. Zuletzt war der Transport des schweren Tons, der vielen Glasuren und Formen, von Werkzeug und Zubehör angesagt.
In der zweiten Januarwoche hat sie im alten Haus dann "das Licht ausgemacht" und bescheinigt: "Der Abschied tat schon weh." Am 1. Februar wurde in Lusan wiedereröffnet und zahlreiche Lusaner kamen auf sie zu und freuten sich über das neue Hobbyangebot. Dass es die Keramikwerkstatt schon seit langem gab, war vielen gar nicht bekannt. Genau so, wie einige neue Teilnehmer zu den Kursen gestoßen sind, haben sich langjährige Keramikfreunde aus den Arbeitsgruppen verabschiedet. "Einige Ältere haben aufgehört, weil ihnen der Weg nun einfach zu weit ist und zusätzlich haben wir auch Schichtarbeiterinnen verloren, da für sie durch die begrenten Platzkapazitäten wenig Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung stehen", betont sie.
Constanze Müller ist vor allem dankbar über die tatkräftige Hilfe ihres Mannes. Auch in der Freizeit begleitet er sie zu Töpfer- und Kunsthandwerkermärkten, Ausstellungen, Kreativmessen und in Künstlerbedarf-Geschäfte. Um an gute und günstige Materialien zu kommen, geht es schon einmal bis nach Nürnberg. Hier sammelt sie Anregungen, die sie dann zu Hause im eigenen Stil weiterentwickelt. Wie jeder Keramiker hat sie schließlich eine individuelle "Handschrift". Privat formt sie gern Gefäße und Gebrauchsgegenstände. "Es ist wichtig, mit den Dingen etwas anfangen zu können", ist ihre Devise.
Auf jeden Fall sind in ihrer Keramikwerkstatt eigene Ideen gefragt. Für Anfänger geht es jedoch erst einmal mit der obligatorischen "Daumschale" los, um sich mit Ton und Technik vertraut zu machen. An-schließend kann es mit Aufbaukeramik, Reliefs, Plattentechnik und figürlichem Gestalten losgehen. "Jeder macht das, was er möchte, und jeder macht von A bis Z alles selbst - das ist das Schöne bei uns."
Natürlich hat Constanze Müller immer ein Auge auf die Kursteilnehmer und steht mit Ratschlägen und Tipps zur Seite. So hat sie manchen schon jahrelang begleitet und die Entwicklung seiner Fertigkeiten verfolgt. Derzeit kommen 68 Frauen, ein Mann und ein Junge zu den wöchentlichen Kursen. Die älteste Teilnehmerin ist über 80 Jahre, der jüngste geht in die vierte Klasse. Mit der Wende kamen immer mehr Erwachsene. In Workshops sind vor allem auch Kindergartenkinder zu Gast.
Auf die Frage, wie sie selbst zur Keramik gekommen ist, antwortet sie mit ihrer Geschichte: Schon in der vierten Klasse wusste sie, dass sie Porzellanmalerin werden will, nachdem sie den Beruf bei einem Schulausflug kennengelernt hatte. In der 7. und 8. Klasse jobbte sie sich in der Kerammanufaktur Rudolstadt-Volkstedt ein Taschengeld zusammen. Zwei Wochen vor der Eignungsprüfung für die Lehre brach sie sich jedoch das Handgelenk. Ein halbes Jahr später habe sie sich dann als Keramformer beworben. "Das war mein Glück", sagt sie. 1981/82 belegte sie in der Kulturakademie der DDR berufsbegleitend einen Kurs zum Volkskunstschaffenden und war fortan zertifizierter Zirkelleiter. Mit dieser Ausbildung kam sie ins Geraer Pionierhaus und veranstaltete Bastelstraßen zum Pressefest, Pioniernachmittage, Ge-burtstage und Zirkel mit der Spezialstrecke Keramik - auch einmal im Haus des Lehrers und im Wema-Klubhaus.
Heute merkt man ihr an, dass ihr Beruf eine Berufung ist. Schön findet sie vor allem auch den Austausch mit den Kursteilnehmern. Der Kontakt geht über die Kurse hinaus - das beweist der beliebte Keramik-Stammtisch, der trotz der einzelnen kleinen Gruppen ein großes Miteinander möglich macht. "Keramikfreunde sind gesellig, aufgeschlossen und obendrein kreativ - was will man mehr", ist so auch ihr fröhliches Fazit.
Keramikwerkstatt, Lobensteiner Straße 49, ( 5523050.

( Christine Schimmel, 22.12.2006 )

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