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"Rückrufaktion" für weggegangene junge Leute

Bei Rückrufaktionen von Fahrzeugen beschleicht uns Autobesitzer ein ungutes Gefühl. Bei der nachfolgenden "Rückrufaktion" können wir aber ein gutes Gefühl haben. Die genaue Bezeichnung der Aktion ist "Jugend kehrt zurück in die Region". Es ist eine aktuelle Initiative des Wirtschaftsverbandes Ostthüringen. Im Kern geht es darum, junge Leute, die hier keinen Job kriegen oder keine Perspektive sahen, zur Rückkehr in die heimatlichen Gefilde zu bewegen und ihnen dabei hilfreich unter die Arme zu greifen. Die Kampagne setzt sich das Ziel, in einem nicht näher fixierten Zeitraum zunächst 100 junge "Heimkehrer" zu requirieren.
Erläuterungen zu dem interessanten Projekt gaben vor der Presse: Dr. Michael Kneisel, Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsverbandes, welcher derzeit 94 Mitglieder im Ostthüringer Raum zählt, Beate Mitscherlich, Geschäftsführerin B.D.I. Gera, sowie Harald Tröger, Schulleiter der Euro-Schulen Gera. Die Idee für die Rückhol-aktion ging von der Interessengruppe Bildung des Wirtschaftsvereins aus. Unterstützung soll aber von der Mehrzahl der im Verband organisierten Unternehmen, Einrichtungen und Institutionen kommen. Mit von der Partie ist u. a. die IHK.
Letztlich werden viele Hände und Köpfe für die Aktion gebraucht. Ihr Ausgangspunkt: Viele Bürger, insbesondere aber junge Leute, haben in den letzten Jahren aufgrund der leidigen Situation bei Arbeitsplätzen und Lehrstellen ihre Heimat gen Westen verlassen. In der Zwischenzeit ist die Altersstruktur allerorten bedenklich geworden, und in so manchem Unternehmen fehlt es schon jetzt an qualifiziertem und erfahrenem Personal.
Das ist für den Wirtschaftsverband Anlass, junge Leute, die aus einer Notlage heraus weggingen, wieder in die heimatliche Region zurückzuholen, ihnen bei der Intergration in hiesige Unternehmen behilflich zu sein, ja sie sogar bei der Suche nach geeignetem Wohnraum oder nach sozialer Anbindung zu unterstützen.
Ein Schritt in dieser Aktion ist das fürs Frühjahr 2007 geplante Come-Back-Treffen. Namhafte Vertreter der Wirtschaft, Arbeitgeber und Vereine möchten bei dieser Veranstaltung jungen Leuten demonstrieren, dass sie mit ihrer beruflichen Qualifikation in der Region gebraucht werden. Da der Verband in der Drei-Länder-Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland mitarbeitet, möchte die Aktion sogar überregional tätig werden. Schade, dass sich dabei die EU mit Fördermitteln noch weitgehend zurück hält.
In der Runde kamen zwei Heimkehrer zu Wort: Die 25-jährige Diana Kirmse, tätig in der Frießnitzer Firma Gera-Möbel, und die 22-jährige Beatrice Wilfling, derzeit sich weiterbildend an den Euro-Schulen Gera. Diana hatte nach dem Abitur vier Jahre Betriebswirtschaft und Fremdsprachen in Zwickau studiert und sogar in Spanien ein halbjähriges Praktikum absolviert. Sie hatte über 30 Bewerbungen losgeschickt, um einen Job in unserer Region zu bekommen. Vergeblich. Erst in Göttingen klappte es. Sie verdiente dort gut.

Aber ach, die Atmosphäre in der Firma, war gelinde gesagt nicht gut. Als Frau aus dem Osten wurde sie geschnitten. Sie fühlte sich nicht wohl, kam zurück. Die IHK Gera, die Nachwuchskräfte für die Wirtschaft ausbildet, verhalf ihr zu einem passenden Job, bei dem ihr die Spanisch-Kenntnisse zugute kommen.
Ähnlich war es bei Beatrice. Nach der Realschule bewarb sie sich als Chemikantin. 150 Bewerbungen blieben erfolglos. Dann klappte es mit Arbeit und Ausbildung in zwei westdeutschen Städten. Doch auch sie hatte es schwer, wurde als Ossi abgestempelt. Sie kam Mitte 2005 zurück. Den Job als Berufsrennreiterin gab sie auf. Sie will jetzt Verwaltungsfachangestellte bei der Bundeswehr in Erfurt werden.
Solche Heimkehrer wie die beiden wollen sich als Multiplikatoren betätigen, also Bekannte und Freunde ebenso zur Rückkehr bewegen. Grob gerechnet, könnte jeder Rückkehrer fünf bis zehn Gleichaltrige ansprechen. Der Wirtschaftsverband wird ein Internetprotal einrichten und ist als Plattform erreichbar unter E-Mail: info@w-ot.de oder über Fax (0365) 4229937.

( Harald Baumann, 10.11.2006 )

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