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Soldaten-Briefe in Buchform

Über die rund 1400 Antwortschreiben von Soldaten des Zweiten auf die aus Gera-Liebschwitz versandten sogenannten "Heimatbriefe" hat Neues Gera bereits berichtet. Zur Erklärung nochmals die Schilderung des Zusammenhanges:
Der ehemalige Liebschwitzer Lehrer Rudolf Behr hatte den Soldaten aus dem Schulbezirk im Zweiten Weltkrieg "Heimatbriefe" geschrieben. Er berichtete darin über die Geschehnisse aus Liebschwitz und Umgebung in den Jahren 1939 bis 1943. Um sein Vorhaben verwirklichen zu können, musste Rudolf Behr die Genehmigung der lokalen Nazi-Organisation erwirken. Sie verlangte jedoch, dem Nazi-Jargon entsprechende Einleitungen aufzunehmen. Das entsprach wohl nicht den Vorstellungen des Autors. Er ging jedoch darauf ein, um sein Versprechen an die Soldaten einlösen zu können. Bis zur Einberufung zum Kriegsdienst konnte er so von 1939 bis 1943 40 Ausgaben der "Heimatbriefe" an monatlich zunächst 300, zuletzt an 600 Adressaten versenden.
Viele Soldaten aus dem Schulbezirk beantworteten diese willkommene Post aus der Heimat mit kurzen Zeilen aus ihren Einsatzgebieten und Frontabschnitten, darunter auch längere, heute teilweise vergilbte Briefe. Die Soldaten berichteten trotz bestehender Verbote über ihre Erlebnisse. Manch einer der meist 18 bis 25 Jahre jungen Mäner bediente sich dabei nationalsozialistischer Phrasen, die ihnen seit 1933 vorgetragen worden waren. Rudolf Behr bewahrte die Antwortschreiben auf. Von Familienangehörigen wurden sie in den letzten Kriegstagen zusammen mit anderen Gegenständen versteckt.
Fast 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entdeckten Nachkommen Behrs das Versteck mit 1388 Briefen und Karten von insgesamt 465 Absendern, zumeist Frontsoldaten. Dieser außergewöhnliche und historisch wertvolle Fund wurde bereits einer "Erssten Auswertung" vom heute in Altenburg lebenden Schwiegersohn Rudolf Behr, dem Historiker Dr. Günter Hauthal, gesichtet, geordnet und einer zusammenfassenden Dokumentation über die Heimatstube Liebschwitz und das Stadtarchiv von Gera der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Nunmehr liegt die zweite, inhaltlich wesentlich erweiterte und chronologisch exakt aufbereitete Arbeit in gedruckter Form (220 Seite, A4-Format), vor. Für die bildliche Ausgestaltung waren die Einwohner der zum damaligen Schulbezirk zählenden Gemeinden von Liebschwitz, Taubenpreskeln, Lietzsch, Lengefeld, Niebra, Falka, Otticha, Pösneck, Untitz und Röppisch aufgerufen. Dem Autor war es so möglich, auf 43 Bildtafeln 167 Fotos aufzunehmen und siesen außerdem zahlreiche Skizzen und Darstellungen der Frontverläufe beizufügen. Allen Helfern gebührt großer Dank! Somit ist diese "Zweite Ausfertigung" unter dem Titel "Erinnerung und Mahnung" eine wahre Fundgrube . nicht nur für die Nachkommen ehemaliger Soldaten.
Dr. Hauthal legt nun die Auswertung aller Antwortschreiben mit umfangreichen Recherchen und der Aufbereitung zum Teil eigener und von seinem Schwiegervaten erlebter Kriegsereignisse inn mühevoller, sehr aufwändiger Arbeit vor, Die Erlebnisse der Soldaten aus dem Heimatbezirk werden von ihm in die historischen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges mit viel Sachverstand eingeordnet und zuweilen gewertet.
Diese Veröffentlichung dürfte daher nicht nur wegen der Besonderheit dieses außergewöhnlichen Fundes, sondern auch in der Art und Weise der Aufarbeitung dieser Zeit etwas Einzigartiges darstellen. Ergänzt werden die Recherchen Hauthals durch eine umfangreiche Namensliste der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus dem Liebschwitzer Schulbezirk, die auf bereits in der Heimatstube Liebschwitz vorhandenen Gefallenenlioste aufbaut,
Aus finanziellen Gründen kann das Buch zunächst nur in einer beschränkten Auflage erscheinen, für die bereits zahlreiche Bestellungen vorliegen. Ähnlich wie bei der Broschüre zum 100-Jahr-Feier der Schule Liebschwitz ist eine wqeitere Auflage vorgesehen. Bestellungen werden in den nächsten Wochen in einigen Liebschwitz Geschäften entgegemgenommen.





( Stefan Bauch, Ortschronist von Liebschwitz, 03.11.2006 )

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