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Das wird ein guter Jahrgang

"... und ein Wein wuchs auch dem Berge..." heißt es in einem alten Jenaer Studentenlied. Für Gera abgewandelt könnte er heißen: "und ein Wein wuchs auf dem Tempelberg". Das ist ein Miniweinberg an der Süd-West-Seite des Hotels Dorint Novotel. Mitarbeiter legten ihn für ihren Chef Hoteldirektor Jörg Tempel an und schenkten ihn zu seinem Geburtstag. Der Jungfernwein 2001 brachte es immerhin auf acht Flaschen, und von Jahr zu Jahr wurden es einige mehr. Heranwächst hier auf dem kleinen Stückchen Land die Sorte Regent, " eine ziemliche neue Zucht aus den 90-er Jahren, die frost- und pilzresident ist", weiß Sommelier Raimund Morys.
In diesem Jahr versammelten sich weinkundige Mitarbeiter zur sechsten Weinlese. Der Geburtstag des Chefs ist dabei nicht nur ein schöner Anlass, sondern für die Auszubildenden ein außergewöhnlicher Einstieg in das neue Lehrjahr. Insgesamt erproben sich im Hotel 18 künftige Hotel- und Restaurantfachleute, davon neun im ersten Lehrjahr. Ihre erste Unterrichtsstunde hieß "Weinkunde", die sie hautnah erlebten. Unter Anleitung von Raimund Morys und Frank Seidler aus dem Servicebereich, der auch zu Hause die Hobbywinzerei betreibt, wurden sie in die Geheimnisse des Weinkelterns eingeweiht, erfuhren, warum Netze über die Rebstöcke gespannt waren und wie man die Grad Öchsle, die entscheidend für die Güte des Rebensaftes sind, misst. An der Spindel lasen sie ab: 75 bis 80 Grad Öchsle. "Das ist gut", versichert der Sommelier, "das wird ein guter Jahrgang". Zuvor öffnete er eine Flasche des Jahrganges 2005, und der Hoteldirektor Jörg Tempel lud zum Verkosten ein. Der Wein hat eine fruchtige Note, ist dunkelrot und von süßem Geschmack. "Fast wie ein Portugieser oder Madeira", freut er sich und prüft die satte Farbe im Gegenlicht der Sonne.
Frank Morys, der viel zu Weinmessen in alle Welt reist, vermutet, dass schwerere und dunklere Weine die Zukunft in Deutschland sein werden. Der leichte Riesling werde immer mehr verdrängt. Das bringe der Klimawechsel mit sich. Außerdem bringen ihn die neuen EU-Normen für Wein ins Staunen. Die deutschen Winzer müssten ihren Wein nicht mehr den teuren Eichenfässern anvertrauen, sondern es genüge, wenn Eichenholzchips preiswerteren Fässern beigegeben werden. "Das wird sich auch auf den Geschmack auswirken", ist er sich sicher.
Inzwischen haben die Lehrlinge die Trauben gelesen. Nun heißt es die Beeren von den Stielen zupfen, dann werden diese gemaischt. Nach drei Wochen Gärung wird der werdende Wein in Glasballons abgefüllt und muss gären, erfahren die Lehrlinge. 24 Flaschen konnten im vergangenen Jahr abgefüllt werden. Vielleicht werden es wieder soviel, hofft der Fachmann. "Verkauft wird unser Wein nicht", sagt Jörg Tempel, es ginge ja auch darum, die Jahrgänge zu verfolgen, "aber vielleicht versteigern wir einige für einen guten Zweck", überlegt er. Schließlich wurde bei einer Versteigerung von drei Flaschen des edlen Rebsaftes vom Tempelberg ein Erlös von über 200 Euro erzielt. Darüber freute sich die Tagesgruppe der Kindereinrichtung Kurt-Keicher-Straße.



( NG/sch, 13.10.2006 )

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