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Den Opfern ein Gesicht geben

In der NS-Zeit starben mehr als 200.000 kranke und behinderte Menschen einen gewaltsamen Tod. "Euthanasie" - "guter" oder "schöner" Tod war dabei die Legitimations- und Tarnformel für ein staatlich organisiertes Mordprogramm. Die Täter waren Ärzte, Schwestern und Pfleger. Zu ihren Opfern gehörten auch 5.000 behinderte Kinder und Jugendliche, die im Rahmen der "Kindereuthanasie" erfasst und in eigens geschaffenen "Kinderfachabteilun-gen", die zumeist psychiatrischen Anstalten angegliedert waren, getötet wurden.
Spätestens seit 1941 wurden die Thüringer Landesheilanstalten Stadtroda - unter dem Direktor Dr. Gerhard Kloos - das Zentrum zur Tötung behinderter Kinder in Thüringen.
Nach 1945 wurden die verantwortlichen Stadtrodaer Ärzte strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen. Von 1946 bis 1948 ermittelte die Kriminalpolizei und von 1964 bis 1966 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Die Ermittlungen wurden eingestellt, die Ergebnisse nicht genutzt, weil auch Ärzte, die in die NS-"Euthanasie"-Verbrechen verwickelt waren, in der DDR lebten, arbeiteten und hohes Ansehen genossen. Wie Gerhard Kloos im Westen juristisch nicht belangt wurde, so konnten auch die Täter in der DDR ihre Medizinerkarriere fortsetzen.
Die Opfer der NS-Medizinverbrechen gehörten zu den "vergessenen Opfern" des DDR-Antifaschismus.
Die dokumentierten Einzelschicksale stehen für das Leiden aller in Stadtroda zu Tode gekommenen Kinder und Jugendlichen. Alle verband eine Gemeinsamkeit: Sie wurden von Ärzten als "bildungs- und arbeitsunfähig" und somit als "lebensunwert" eingestuft.
Dank für die Unterstützung gilt den Angehörigen der Opfer, der Asklepios Fachklinik GmbH Stadtroda, dem Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Bundesarchiv Berlin (BAB), der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR), Außenstelle Gera, dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar, dem Universitätsarchiv Jena.
Wir wollen mit dieser Ausstellung den Opfern ein Gesicht geben:
- Institut für Geschichte der Medizin (Klinikum); Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik sowie Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena;
- Landeszentrale für politische Bildung Thüringen;
- Die Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
- Geschichtswerkstatt Jena e. V.
Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera lädt ein zur Eröffnung der Ausstellung Überweisung in den Tod NS-"Kindereuthanasie" in Thüringen am Donnerstag, 8. Juni, 17 Uhr, Puschkinplatz 7.
Es sprechen: PD Dr. Susanne Zimmermann (Friedrich-Schiller-Universität Jena) zur Entstehungsgeschichte der Ausstellung sowie Dr. Matthias Wanitschke, Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, zum Thema "Archivierter Mord. Der SED-Staat und die NS ‘Euthanasie’-Verbrechen in Stadtroda".
Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli geöffnet.

( 09.06.2006 )

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