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Unser Tipp für einen Ausflug zu den Pfingstfeiertagen

Eisenberg hat eine lange Geschichte. Es gehörte bis 1135 den Kaisern, darauf bis 1271 den Markgrafen von Meißen und des Osterlandes, anschließend bis 1425 den Landgrafen von Thüringen und den Markgrafen von Meißen und kam darauf zu Sachsen. Mit der Landesteilung von 1485 kam Eisenberg an die Ernestinische Linie, mit der von 1602 an das Fürstentum Altenburg und damit 1672 an Gotha. Und jetzt wird es für Eisenberg entscheidend: 1675 starb Herzog Ernst I., der Fromme, von Sachsen-Gotha. Seine sieben Söhne teilten das Erbe unter sich auf und errichteten eigene Residenzen, die sogenannten "Brüderbauten". Der Fünfte der Brüder, Herzog Christian (geb. 6. 1. 1653), erhielt die Ämter Ronneburg, Roda, Camburg und Eisenberg und gründete die Linie Sachsen-Eisenberg. Mit seinem Ableben 1707 erlosch diese jedoch wieder. 1920 fiel das Schloß an das Land Thüringen, wurde 1921 von der Stadt Eisenberg erworben und bis 1952 als Rathaus genutzt. Danach belegte der Rat des Kreises die Schloßräumlichkeiten und ab 1990 der Landrat des Landkreises.
Die kurze Residenzzeit von Herzog Christian genügte jedoch, um Eisenberg eine der schönsten Barockanlagen im thüringisch-sächsischen Raum zu errichten, indem die seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesene Bebauung zu seinem Residenzschloß Christiansburg erweitert wurde. Die Schloßanlage wird heute auch als Paradebeispiel des Thüringer Barock angesehen, besonders auch, weil die umfassende Restaurierung den Bauzustand Ende des 17. Jahrhunderte. wieder hergestellt hat. Man kann die wunderschönsten italienischen Stuckdekorationen bewundern, sich an den farbenprächtigen Deckenmalereien berauschen oder staunend vor Gemälden stehen. Man begegnet dem Bildnis von Herzog Christians erster Frau Christiane und seiner zweiten Frau Sophie Marie ebenso wie "Herzog Christian zu Pferde" im Assemblée-Zimmer zum Festsaal. Da heute das Schloß Sitz des Landratsamtes des Saale-Holzland-Kreises ist, können die Mitarbeiter fast beneidet werden, in einer so schönen Umgebung wirken zu können. Blickt der Landrat in seinem Zimmer an die Decke, so fällt sein Blick auf eine Badeszene und den Raub der Europa. Wer könnte da nicht in’s Schwärmen kommen!
Direkt an das Schloß schließt sich der Bogengarten an, der vermutlich um 1700 angelegt wurde und in seiner äußeren Form nahezu erhalten ist. Das besondere an ihm ist der umgebende Laubengang. Besonders im Frühjahr, wenn das Blätterdach noch nicht geschlossen ist, kann man interessante Licht- und Schattenspiele beobachten und hat an jeder Stelle einen immer wieder anderen Blick auf das Schloß oder die üppig blühenden Magnolien im Park. Im Zentrum des Bogengartens befindet sich ein kleiner Brunnen, der an den Schnittpunkten von vier gleichgroßen Wiesenstücken mit Blumenrabatten und Beeten liegt, die je nach Jahreszeit bepflanzt werden. Diese Gestaltung ist seit 1800 so und ersetzt die ehemaligen acht verschiedenen Schmuckbeete.
Vom Bogengarten aus gelangt man in den anschließenden Baumgarten, der nach 1829 nach Plänen des Hofgärtners Döll als Landschaftsgarten entworfen wurde. Die Ausführung und die Wegeführung entsprechen der alten Anlage,die ehemals vorhandene große Wiese jedoch wurde schon vor 100 Jahren mit Bäumen bepflanzt. Weiterhin ist noch ein teils von Mauerwerk umgebener Küchenkräutergarten nebst Pavillion vorhanden. Die gesamten unterschiedlichen Gartenteile hatten aben nie "die für die barocke Gartenkunst charakteristische Gliederung und Ausrichtung auf die Schloßarchitektur als bauliche Dominante." (Thimm, 2004)
Im Ostflügel des Schlosses ließ Herzog Christian die Schloßkirche bauen (1679-1687), die 1692 geweiht wurde.Sie weist an drei Seiten umlaufende Emporen auf und ebenso überreiche Stuckdekorationen von oberitalienischen Meistern. Dazu wurden noch farbige Fresken ausgeführt. Bemerkenswert sind auch die wunderschöne Wendeltreppe, die zu den Emporen führt sowie die Wappentafel gegenüber den Emporen und die original erhaltene Donat-Trost-Orgel, eine der bedeutendsten im thüringisch-sächsischen Gebiet. "Drei übermütige, musizierende Putti sitzen endlich auch auf dem zurückhaltend stuckiertem Orgelprospekt, der sich auf der obersten Galerie direkt über Altar und Kanzel befindet." (Dr. Baier-Schröcke 1972) In der Gruft unter der Schloßkirche liegt u.a. Herzog Christian von Sachsen-Eisenberg.
Vor 100 Jahren bescheingte man Eisenberg eine ansehnliche Industrie: Es gab die Fabrikation von "Wollzeugen, Plüschwaren, Etuis, Leder, landwirtschaftlichen Maschinen, Pianofortebestandteilen, Holzschuhen, Würsten,Chamotteziegeln und Porzellanwaren, ferner Dampfsägemühlen, Schuhmacherei und Porzellanmalerei." (Brockhaus,1901) Von all diesen Sachen und über vieles andere mehr kann man im Klötzner-Haus, dem Stadtmuseum, erfahren. Unter dem Museumsgebäude, 1555 erstmals erwähnt, liegen mittelalterliche Tonnengewölbe, die an die Geraer Höhler erinnern und am erstaunlichsten ist ein 14 m tiefer Schacht unklarer Funktion. Weiter hervorhebenswert ist das Gebetskämmerchen Herzog Christians im Barockzimmer. Von der traditionellen Industrie wie Musikinstrumentenbau, Holzindustrie und Fleischwarenproduktion gibt es heute nichts mehr. 1991 schloß das letzte Porzellanwerk in Eisenberg und beendete eine fast 200-jährige Tradition, seit 1796, der Porzellanherstellung. Zu Beginn des 19. Jahrhundert zählte Eisenberg fünf Porzellanfabriken, die 1913 741 Menschen Lohn und Brot gaben. Noch heute sind die Namen Bremer&Schmidt, Reinicke, Kalk und Jäger bekannt für ihr Geschirr mit Unterglasurdekoration, wobei an erster Stelle das weithin bekannte Strohblumenmuster steht. Auf Floh- und Antikmärkten kann man immer wieder Einzelstücke entdecken.Vor dem Stadtmuseum wurde die Massemühle mit ihren gewaltigen Mühlrädern aus der alten Mühlberg´schen Porzellanfabrik aufgestellt zur Erinnerung an eine prosperierende Zeit.
In der Nähe des Stadtmuseums liegt das Renaissancerathaus, das aus zwei dreigeschossigen Bauten (1579 und 1593), sowie zwei Türmen und Rundbogenportalen besteht. Ein Wahrzeichen von Eisenberg ist der Mohrenbrunnen von 1727, um den sich eine Geschichte rankt. Er steht vor der Stadtkirche St. Peter, einem einschiffigen spätgotischen Bau. Eisenberg bietet in der Innenstadt viele kleine Läden, die zum Bummeln und Einkaufen verlocken. Es ist nicht weit zum Schloß, zum Schloßpark oder Eisenberger Tierpark. Alles kann man zu Fuß erreichen.
Wenn man also einmal um eine Ausflugsidee verlegen ist: Warum nicht mal nach Eisenberg...! 25 km von Jena gelegen ,an der Bundesstraße 7, mit dem Bus ab Hermsdorf oder Gera erreichbar oder von Gera mit dem Auto über Bad Köstritz. Mit der Eisenbahn ist leider keine Verbindung mehr möglich, der 1880 hergestellte Anschluß nach Crossen existiert nicht mehr. Die Empfehlung "bis Crossen mit der Bahn. Von Crossen mit Bahn weiter über Rauda (Eingang ins Mühltal) ... in 25 Minuten bis Bahnhof Eisenberg" ist Geschichte.
















( Dr. H.Christel, 02.06.2006 )

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