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Eine verfressene Kleinmotte geht die Kastanienbäume an

Die Rosskastanie war der Baum des Jahres 2005. Aus gutem Grund. Seit ein paar Jahren ist nämlich die Miniermotte bis in unsere Breiten vorgedrungen und macht "Aesculus hippocastanum" - so der botanische Name der meist stattlichen Bäume - erheblich zu schaffen. Zwar stehen in unserer Stadt die Bäume noch mit ihren herrlichen weißen oder auch roten Blüten, aber die Tätigkeit der Motten könnte sich bald wieder zeigen, dann werden die Blätter welk und braun, dann Fallen sie ab. Kastanien können ein Alter bis zu 200 Jahren erreichen, wie sie aber reagieren, wenn der Mottenbefall über Jahre anhält, ist weitgehend unbekannt und selbst unter Wissenschaftlern umstritten.
Der Befall ist relativ einfach nachzuweisen. Hält man ein Kastanienblatt ins Gegenlicht, kann man die Larven deutlich erkennten. Zur Verpappung legen sie einen Kokon an, der sichtbar und transparent wird, wenn man die Oberhaut des Blattes entfernt.
Meist gibt es nur den hilflosen Rat, dass man das abgefallene Laub aufsammelt und vernichten soll. Nach vorsichtigen Schätzungen dürfte es in Gera etwa 200 Kastanienbäume geben, die der Stadt gehören, von den privaten Gehölzen einmal abgesehen. Mit Motten befallenes Kastanienlaub soll als Sondermüll abgegeben werden - und das ist kostenpflichtig. Oder man verbrennt es. Das aber ist auch in Gera nicht mehr zulässig. So hat eben alles seinen Preis: Wir haben weniger Feinstaub, dafür können sich die Kastanienmotten aber breit machen.
Die bba hat auf der Grundlage von Untersuchungen in Berlin und Potsdam festgestellt, dass "die wirksamste und umweltfreundlichste Methode zur Bekämpfung nach wie vor ist, das herab gefallene Laub schnellstens abzutransportieren oder es vor Ort zu verbrennen. So verhindert man, dass sich die Eier der Rosskastanienminiermotte zu Larven entwickelt". In den genannten Städte konnte so die erste Faltergeneration auf 20 bis 25 Prozent des Normalwertes reduziert werden.
Was also tun, wenn sich die Larven der Motte durch Ober- und Unterhaut der Blätter fressen? Die Schäden haben bisher noch nicht zum Absterben der Bäume geführt. Unbestritten ist aber, dass die geschwächten Bäume viel leichter durch Wurzelpilze befallen werden können. Damit nimmt die Gefahr das Absterbens deutlich zu.
Es wird nach Alternativen gesucht und die scheinen sich langsam aufzutun: Bei der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (bba) in Braunschweig wurde eine eigene Projektgruppe "Kastanien-Miniermotte" gebildet, die der Bekämpfung der Schädlinge auf die Sprünge helfen soll. Sie empfiehlt zum Beispiel neuartige Fallen, die während der Vegetationsperiode wegen der zu erwartenden bis zu drei Bruten in reichlich zwei Meter Höhe in die Bäume gehängt werden sollen. Wenn der geleimte Boden schwarz ist, also voll, muss dieser ausgewechselt werden. Erstmalig sollte das vor dem Knospensprung vorgenommen werden, der in diesem Jahr allerdings bereits erfolgt ist. Aber zwei Folgebruten waren eventuell noch zu verhindern.
Im einschlägigen Fachhandel unserer Stadt sind die Deltafallen für Cameraria ohridella bisher noch nicht zu haben, die Braunschweiger bba nannte als Hersteller und Vertreiber die Trifolio-M GmbH, Sonnenstraße22, 35633 Lahnau. Der Preis pro Stück dürfte zwischen acht und 14 Euro - je nach Ausstattung - liegen. Allerdings gewährt der Hersteller ab zehn Stück Rabatte. Die sogenannten Pheremodispenser sind bei Tiefkühllagerung zwei Jahre haltbar.
Vielleicht leistet sich der eine oder andere Besitzer eines schönen Kastanienbaumes die Fallenanlage und spart damit unter Umständen die kostenpflichtige Entsorgung des befallenen Laubes - aber was kann die Stadt mit ihren rund 200 Bäumen machen? In der Zeit der knappen Kassen wird wohl kaum jemand für derartige Ausgaben plädieren. Es sei denn, dass die Baumschutzordnung ein wenig modifiziert wird und bei Baumfällungen nicht nur Ersatzpflanzungen vorgeschrieben werden, sondern auch ein paar Mark zum Ankauf der Fallen.
Eine Rosskastanie wird nach rund 15 bis 20 Jahren "mannbar". Die nächste Generation wird besser verstehen, ob wir rechtzeitig gehandelt haben oder einfach abwarten.

( Reinhard Schubert, 02.06.2006 )

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