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Landestheater Altenburg und Bühnen der Stadt Gera nennen sich Theater & Philharmonie Thüringen

"Wo liegt diese Doppelstadt Altenburg-Gera? Sie ist auf keiner Landkarte verzeichnet", philosophierte der neue Generalintendant Prof. Matthias Oldag zur Pressekonferenz in Altenburg. Auch der Seemannsknoten ließe sich nun zehn Jahre nach der Fusion nicht mehr deuten. So ist es beschlossene Sache, dass das Geraer Haus seinen alten Namen Bühnen der Stadt Gera wieder führen darf, und auch das Landestheater Altenburg heißt wieder wie einst, aber gemeinsam firmieren sie unter neuem Logo und dem Namen Theater & Philharmonie Thüringen. Und damit wollen er und seine neuen Mannen (es ist keine Frau mehr im Leitungsgremium) in die zweite Bundesliga aufrücken und nicht als Provinzler in einer Randlage spielen. "Wir wollen engagiertes Theater machen", sagt er.
Klare Aussage: "Alle Sparten bleiben erhalten". Das Schauspiel wird jedoch in Altenburg als Produktionsort angesiedelt. Dem Ballett wird große Aufmerksamkeit gewidmet. Schließlich soll es sich in Zukunft als Staatsballett profilieren. Die Jugendarbeit wird verstärkt. Die Erhöhung der Zuschauerzahl ist natürlich auch für den neuen Generalintendanten ein wichtiger Punkt. Dazu soll ein innovativer, anspruchsvoller und publikumsfreundlicher Spielplan beitragen. Wieder entdeckt wird die kleine Form, wozu zwei kleinere Spielstätten benötigt werden. In Gera muss dazu nicht lange gesucht werden, denn mit dem Kleinen Theater im Zentrum, in dem das Puppentheater sein Domizil hat, wurde auch schon in der Vergangenheit anspruchsvolles Theater der kleinen Form gemacht. Das Haus am Gustav-Hennig-Platz muss als Puppentheater und überhaupt nicht um seine Zukunft bangen. Im Gegenteil: Es wird saniert, was wohl auch dringend notwendig ist. In Altenburg sind Orangerie und Teehaus im Gespräch. Prof. Oldag weiß, dass Theater teuer ist, umso mehr freue es ihn, dass alle Gesellschafter die finanzielle Zusicherung in gleicher Höhe wie bisher bis 2008 erteilt hätten, bekannte er.


"In jeder Aufführung stecken Energie, Herzblut, aber auch Zweifel", versicherte der Theatermann, der in Wittenberg geboren wurde, zunächst Mathematik studieren musste, weil zum Regiestudium nicht zugelassen, was er aber später noch nachholte. Er hatte feste Engagements in Bielefeld, Weimar und Schwerin, und inszenierte als Gast in vielen Theatern von Rostock über Berlin bis Dresden, und auch am Theater Altenburg-Gera präsentierte er neun Inszenierungen, wozu 2004 die gefeierte Produktion "Die Ausflüge des Herrn Broucek" von Janacek und 2006 "Vanessa" von Samuel Barber gehörten. Der Spielplan für die nächste Saison setzte auf Klassisches ebenso wie auf Neues. Im Musiktheater heißt die erste Premiere in Altenburg "Moskau, Moskau". Diese Operette von Dmitri Schostakowitsch ist dem 100. Geburtstag des Komponisten gewidmet und erreichte in der ehemaligen Sowjetunion Kultstatus. Gera erlebt am 27. Oktober im KuK eine Operettengala, in Altenburg hat das aufwändige Musical "Les Misérables" am 11. November Premiere. Die Barockoper von Gluck "Orpheus und Eurydike" wird in der Bühne am Park das Publikum erfreuen, und auf die große Puccini-Oper "Tosca" dürfen zunächst die Altenburger erleben. Mit diesem musikalischen Werk der Wohlklänge wird das Große Haus Gera am 21. April nach der Rekonstruktion wieder eröffnet. Als Auftragswerk wurde eine Oper zum Thema Nietzsche an Altmeister Siegfried Matthus vergeben. Das Werk erlebt am 5. Mai seine Uraufführung unter dem Titel "Cosima" in Gera. Den musikalischen Schlusspunkt der Spielzeit setzt die Strauß-Operette "Wiener Blut" in Altenburg.


Neuer Ballettdirektor ist Ivaylo Iliev, der aus Sofia (Bulgarien) stammt und zuletzt Erster Ballettmeister an der Leipziger Oper und nach dem Tod des Ballettdirektors Uwe Scholz auch Leiter des Leipziger Balletts war. Traditionell bereitet er zwei Premieren vor, und auch die Geraer Balletttage werden wieder durchgeführt. Die Messlatte soll noch höher angesetzt werden. "Den Namen Thüringer Staatsballett müssen wir uns durch noch größere Qualität erarbeiten", ist seine Meinung.
Als Schauspieldirektor stellte sich Uwe Dag Berlin vor. Er arbeitete als Regisseur in Bochum, Aachen, Lübeck, Chemnitz und Kasel. Als Schauspieler war er am Deutschen Theater Berlin, dem Berliner Ensemble oder im Film "Sonnenallee" tätig. In seinem ersten Engagement war er übrigens an den Bühnen der Stadt Gera zu erleben. Hier gab es Zusammenstöße mit dem Intendanten, und der junge Schauspieler wurde 1987 aus politischen Gründen entlassen. Im Landestheater Altenburg will er sich mit dem Schauspiel von Christopher Hampton "Gefährliche Liebschaften" auf der Bühne und viel Tam tam und Straßenszenen im Umfeld einführen. "Ich will mit einem Knaller Guten Tag sagen", ist seine Devise. Zu den weiteren Plänen gehören Goethes "Die Leiden des jungen Werther", Falladas "Der Trinker", Goethes "Iphigenie auf Auris" und die deutschsprachige Erstaufführung von "Les Demoiselles d’Avignon" von Jaime Salom. Im Puppentheater dürfen sich die Großen über das Puppenerotical 2" freuen und die Kleinen, aber auch die Großen, über "Pinocchios Abenteuer" nach Collodi, "Peter und der Wolf" von Prokofjew und über das Stück "Der kleine Maulwurf". Zur Bundesgartenschau ist das Theater mit zwei Open-Air-Aufführungen dabei: "Peter Squenz" ein Schimpfspiel von Andreas Gryphius und "Wiener Blut" von Johann Strauß. In Altenburg wird der Prinzenraub vorangetrieben.


Eric Solén, der Generalmusikdirektor, der aus Schweden stammt, freut sich, dass er seinen ersten eigenen Konzertplan vorlegen kann, bei dem die alten Meister und Musik von acht heute lebenden Komponisten zu Gehör kommen. Jeder Abend steht unter einem bestimmt Motto, das von "Rhythmuswelten", über "Wintermusik" bis zu "Raumklang" reicht. "Ich denke, damit ist in wenigen Worten erklärt, worum es in diesen Konzerte geht", glaubt Solén.
Zum Leitungsgremium gehören weiterhin Chefdramaturg Tobias Wolff, der in Koblenz geboren wurde, in Cambridge Musikwissenschaft und Bratsche in Essen und Düsseldorf studierte und zuletzt als freier Musikjournalist in Leipzig arbeitete; Verwaltungsdirektor Dieter Dressen und Christian Beyer als Leiter des künstlerischen Betriebsbüros.
Helga Schubert


( 26.05.2006 )

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