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Geras Dachdecker seit 1831 mit eigener Innung

In einem alten Gedicht der Dachdecker-Zunft heisst es:

Ich bin das Dach, wenn ich nicht wäre,
wo blieb das Bauen in der Welt?
Drum bitt‘ ich Euch, gebt dem die Ehre,
der mich erschaffet und er-hält...

Geben wir also den Dachdeckern die Ehre. Die Geraer Zunft kann jetzt im April 2006 ihr 175-jähriges Bestehen feiern. An einem Apriltag des Jahres 1831 gegründet, gehört sie zu den ältesten Dachdecker-Innungen auf deutschem Boden. Bundesweit gibt es 219 Innungen mit über 8.000 Mitgliedsbetrieben. Noch heute ist ihr Logo ein Ziegelhammer, ein Schieferhammer und ein Zirkel (symbolisiert die Bauzeichnung). Stolz behaupten die Dachdecker: "Wo wir sind, da ist oben." Und ihre ehrenwerte Tätigkeit, damit wir alle "bedacht" sind, bezeichnen sie selbstbewusst als "Handwerk in Wolken und Wind".
Das seltene Jubiläum muss natürlich zünftig gefeiert werden. Wie wir vom Innungsobermeister Rolf Heckert und dem Geschäftsführer der Geraer Kreishandwerkerschaft Hans-Ulrich Weidling erfahren, sind die Mitglieder, Gäste, Freunde, ja, alle Bürger Geras und des Umlandes für Sonnabend, den 22. April ab 10 Uhr ins Christliche Jugenddorfwerk Leumnitz eingeladen. Festspielstätte ist dort der sogenannte Dorfplatz.
Die Innung hat gemeinsam mit Partnerbetrieben eine sehenswerte Ausstellung gestaltet. Da sind interessante Dokumente zur Geschichte der Gilde zu sehen. Die Ziegelwerke Creaton, Jacobs Tonwerke, die Wohndachfenster-Firmen Velux und Roto, Dachsysteme Lafarge/Braas und weitere Partner werden ihre Exponate vorstellen. Und der Verlag Dr. Frank hat eine Festbroschüre herausgebracht.
Natürlich wird auch die Musi aufspielen, so das 50-köpfige Schallmeienorchester Lindau/Rudelsdorf und ein 30 Mitglieder umfassendes Blasorchester aus Bad Klosterlausnitz. Und wie es sich an einem solch denkwürdigen Geburtstag gehört, gibt es einen Festakt mit Grußworten von Gästen. Politprominenz hat sich angesagt, darunter Thüringens Bauminister Andreas Trautvetter, OB Ralf Rauch und Landrätin Martina Schweinsburg.
In den Archivmaterialien der Innung ist die Quittung für das Gelage eines Richtfestes aus dem Jahre 1924 erhalten geblieben. Da stehen auf der Rechnung auch 53 Liter Lagerbier für den aus heutiger Sicht sagenhaft niedrigen Preis von 26,50 Mark. Na gut, so billig wird es zur Jubiläumsfeier in Leumnitz nicht zugehen. Dennoch: Für Speisen und Getränke zu moderaten Preisen ist gesorgt. Die Betreuung liegt dankenswerterweise in den Händen des Jugenddorfwerkes.
Als Laien wissen wir allenfalls, dass es etwa acht Dach-Grundtypen gibt: Flachdach, Satteldach, Pultdach, Walmdach, Mansardendach, Zeltdach, Kegeldach und Kuppeldach. Aber was ist in unserer Region am meisten gefragt? Zu etwa 90 Prozent sind es geneigte Ziegeldächer, meist in Rot. Inzwischen sind aber auch Grün, Blau und Schwarz in Mode gekommen. Ein von einem Innungsbetrieb montiertes modernes Ziegeldach hat heutzutage eine durchschnittliche Lebensdauer von 50-60 Jahren. Und aufgemerkt: Am unverwüstlichsten sind Dächer aus Schiefer.
Der Innungsobermeister zählt derzeit 33 Mitgliedsbetriebe, vor allem in Gera und in Teilen des Altkreises Gera-Land (Thüringen 2003 insgesamt 230 Betriebe). Die Innung sieht sich als Interessenvertretung der Mitglieder gegenüber der Politik, engagiert sich für die Heranbildung des fachlichen Nachwuchses und die Weiterbildung der Mitglieder (dazu gehört auch die Meisterausbildung).
Stolz ist man auf die über Thüringen hinaus bekannte spezielle Schule in Lehesten für das Schieferdachdeckergewerbe. Immerhin ist Schiefer als Baumaterial im thüringisch-fränkischen Raum seit eh und je gefragt. Wer sich als junger Mensch für den Beruf des Dachdeckers interessiert, kann gewiss sein, dass er in dreijähriger Lehrzeit eine solide Ausbildung erhält (70 Lehrverträge 2003 in Thüringen). Leider erweisen sich viele Schulabgänger derzeit als wenig geeignet.
Der Innungsobermeister selbst, Jahrgang 1947, gebürtiger Sondershausener und seit 1966 in Gera, Dachdeckerlehre und Meisterausbildung, seit 1984 selbständiger Meisterbetrieb, hat gegenwärtig sieben Beschäftigte. Deren Handschrift tragen in Gera Eigenheime u. a. in der Schäfereistraße, in Leumnitz und "An der Wildbirne".
Die Zeiten, da Handwerk goldenen Boden zu haben schien, sind auch für die Dachdecker offenbar vorbei. Industrieaufträge sind kaum noch zu bekommen. Es gibt einen merklichen Preisverfall, besonders bei Aufträgen der öffentlichen Hand, die immer den billigsten Anbieter nimmt, der leider allzuoft nicht der beste ist. Ein ungleicher Wettbewerb entsteht auch durch die geförderten Ich-AGs. Diese sparen sich die Kosten für Lehrlingsaus- und Erwachsenenweiterbildung. Bei In-solvenz bleibt der Kunde auf seinen Gewährleistungsansprüchen sitzen.
Die Dachdecker-Gilde stemmt sich dieser Entwicklung dadurch entgegen, dass sie u. a. in ihr Leistungsangebot Maßnahmen der Wärmedämmung und die Installation von Photovoltaik und Solartechnik aufgenommen hat. Was aber ihr größter Trumpf war, ist und bleibt: ihre solide Qualitätsarbeit, ihr handwerkliches Können.

( Harald Baumann, 21.04.2006 )

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