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Sterne und Sternchen aus vergangenen Zeiten

Sterne und Sternchen waren zu DDR-Zeiten einmal so begehrt wie heute moderne Stereo-Anlagen oder MP3-Player der neuesten Generation. Wer damals ein Sternchen in seinem Besitz hatte, war schon so etwas wie ein Glückpilz - zumindest in den Anfangzeiten um 1960. Aber alle Sterne und Sternchen auf einmal - diesen Wunsch hat sich wohl nur der Geraer Klaus Katnig erfüllt, er ist der Herr über rund 1000 dieser Schönheiten. Und sie sind alle in bester Erhaltung und einsatzbereit.
Wem es noch immer nicht klar geworden ist: Hier ist die Rede von einer inzwischen fast legendären Serie von Kofferradios. Fast alle mit Batterie betrieben, mit Transistoren bestückt und in den unterschiedlichsten Ausführungen vom einfachen Gerät bis zur damals kaum erreichbaren Export-Variante, bei der das etwa triste grau der Chassis auch einmal in aufgepeppten Farben zu erhalten war.
1000 Sammelobjekte hat Klaus Katnig zusammengetragen, obwohl er seinem Hobby erst nach der Wende frönt. Natürlich hat es sich auch einmal ein Radio gekauft: 1962 erwarb er sich einen Stern-Automatik für stolze 660 Mark der DDR- Dafür bot es immerhin Mittel-, Lang-, Kurzwelle sowie UKW und hatte einen hervorragenden Klang.
Bereits 1959 hatte die DDR mit der Eigenproduktion von Kofferradios begonnen, nachdem man eigene Leiterplatten, Transistoren und andere Bauteile entwickelt hatte. Für das Sternchen war sogar eine eigene 9-Volt-Batterie als Energiequelle entwickelt worden.
In die Wiege war die seltene Sammlerleidenschaft dem gelernten Elektromonteur nicht gelegt worden, obwohl der mit den seit etwa 1948 erfundenen Transistoren groß geworden ist, die die Miniaturisierung der Rundfunktechnik erst ermöglicht haben. Rundfunkmechaniker wollte er werden, auf eine offene Stelle bei einem Geraer Fachbetrieb kamen auch damals schon 70 Bewerber, das Rennen machte ein anderer, der über gute Beziehungen verfügte.
So machte Klaus Katnig die Rundfunktechnik kurzerhand zu seinem Hobby. Fast jedes Gerät, das neu in die Sammlung aufgenommen wird, muss erst restauriert werden. Aber damit ist es nicht getan, die Elkos z. B. lassen in ihrer Leistung deutlich nach, wenn sie längere Zeit nicht in Betrieb sind, so dass sie hin und wieder einmal in Betrieb genommen werden müssen. Nacheinander versteht sich!
Ein wohlsortiertes Lager an Ersatzteilen gehört zum Werkstatt-Bestand, manches funkelnagelneu, anderes als Ersatzteil erst gewonnen. Ladenneue Transistoren aus der DDR haben auch heute noch ihren Wert. Wenn jemand mit einem Gerät zu dem Bastler kommt, kann er in den meisten Fällen helfen, und sei es nur durch einen guten Rat. Oft genug bringt auch jemand ein Sternchen oder einen Stern vorbei, weil er Platz braucht, aber das Gerät nicht wegwerfen möchte. Klaus Katnig freut sich darüber. Zu den günstigen Jahreszeiten werden die Trödelmärkte in Leipzig und anderswo besucht. Dabei passiert es kaum, dass der Kofferradio-Freak nicht fündig wird. Namhafte Auktionen per Internet allerdings schätzt er nicht so sehr, weil hier inzwischen astronomische Preise verlangt werden.
Die Radiogeräte stehen natürlich nicht in der heimischen Schrankwand sondern sind in der Hobbywerkstatt gut untergebracht. Hier ist auch noch genügend Platz für Werkstattbücher, Serviceanleitungen, Bedienungsanleitungen, Zeitschriften und Fachbücher mit kompletten Schaltungsplänen. Alle sind in bester Erhaltung.
Zwei Stücke fehlen noch in der Sammlung, der Stern 5 und das Röhrenradio Puck. Irgendwann wird Klaus Katnig beide noch ergattern.
Gemeinsam mit Günter Spitzer, einem Sammler von Röhrenradios, und Benno Müller, der nahezu alle historischen Röhren-Geräte sein eigen nennt, hat Klaus Katnig beim Kulturbund schon einmal einen Teil der Sammlung ausgestellt, andere Exponate waren auf der Osterburg in Weida zu sehen. Ein wenig stolz ist er schon darauf, dass die Radioausstellung mehr Besucher hatte als andere Sonderausstellungen. Für viele Besucher gab es eben ein Wiedersehen mit den Sternchen ihrer Jugendzeit. Bliebe noch der Wunsch, einmal im Geraer Stadtmuseum ausstellen zu können und andere an der Sammlerfreude teilhaben zu lassen.
Weihnachten jedenfalls wird bei Katnigs festliche Musik aus dem Radio kommen. Ob es aber ein Kofferempfänger oder ein Stereo-Gerät mit gro-ßen Boxen ist, bleibt sein Geheimnis.

( Reinhard Schubert, 23.12.2005 )

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