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Habemus BUGAm: Was machen wir daraus?

Scherzhaft gesagt, war es eine Bus-Ladung geballter Intelligenz auf dem Weg zur BUGA nach München, um Denkanstöße für Gera/Ronneburg zu bekommen. Habemus BUGAm - wir haben die BUGA, was machen wir nun daraus? Was kann man von der Isar-Stadt lernen und was nicht?
Eingeladen zum Trip hatte die IHK Ostthüringen sowie die GEBIFO (Gesellschaft für Bildungsforschung), und Gastgeber war Münchens Bürgermeister Eichinger. 16 kompetente Verantwortungsträger, nachgewiesenermaßen BUGA-Fans, zwängten sich in die engen Sitze des Kleinbusses der Firma Gera-Trans, freundlich begrüßt von IHK-Geschäftsführerin Ingrid Weidhaas. Es ist nicht die erste hochkarätige Geraer Studiendelegation, die Münchens Sommerereignis beschnuppert, in bayerischer Bescheidenheit in einem Prospekt als "Blumenmeer, Gartenfest, Kulturspektakel, Familien-Oase, Kinderparadies, Wellnesszentrum und Naturerlebnis" bezeichnet. Etwa zehn ähnliche Gera/Ronneburger Abordnungen weilten bislang schon in der bayerischen Metropole München.
Dem Ruf zur Exkursion gefolgt waren Peter Granderath, Vorsitzender des BUGA-Fördervereins, Volker Tauchert, Vorsitzender des Vereins "Ja für Gera", Jan Wabst, Wirtschaftsförderer von Gera, Birgit Becker, Chefin der Geraer Arbeitsagentur, Heidrun Heinitz, Geschäftsführerin des Geraer Ausbildungsverbundes, und weitere Experten. Leider glänzten durch Abwesenheit der Wirtschaftsverband Ostthüringen und der Einzelhandelsverband. Sie seien aber eingeladen gewesen.
Also, auf ins Getümmel! Die in Sachen Ausstellungen international erfahrene BUGA-Beraterin Dr. Jutta Thinesse-Demel füttert uns reichlich mit Informationen und Wissenswertem. Wichtig: Ihre Ausführungen sind gottseidank nicht schöngefärbt.
Bekannt ist: Nach 50 Jahren Bundesgartenschauen wollte München mal etwas anderes machen. "Pers-pektivenwechsel" hieß das Zauberwort, ein Mix aus Kunst, Design und nebulösem Anliegen mit nur wenig Blumenschau und Gartenkunst, wie man von oben mit der 2,9 Kilometer langen Seilbahn unschwer feststellen kann. Das Vorhaben erwies sich aber wenig perspektivreich. Ein Besucher meinte: Die BUGA müsste eigentlich BEGA heißen, Beton- und Grasausstellung. Die Quittung: unter den Erwartungen bleibende Besucherzahlen.
Widmen wir uns deshalb Themen, die für Gera/Ronneburg relevant sein könnnen. Die Münchener BUGA entstand auf einem 200 Hektar großen Gelände des ehemaligen Flugplatzes Riem. Daher die beängstigende Weitläufigkeit des Geländes. Aber was den Bajuwaren perfekt gelungen ist: Das riesige Gelände wird nach der BUGA komplett als Bauland nachgenutzt. Ingrid Weidhaas ist über diese Art von zukunftsträchtiger Nachhaltigkeit geradezu begeistert.
Nach der Schau und auch schon jetzt entsteht ein buntes Wohngebiet mit einem hohen Anteil an Sozialwohnungen (geplant: 16.000 Einwohner; 13.000 Beschäftigte im Gewerbegebiet). Es wird ein bezahlbares Baugebiet, im Grunde ein neuer attraktiver Stadtteil mit einem herrlichen Badesee, umgeben von Wald und dennoch sehr verkehrsgünstig gelegen.

Nun ist diese Situation mit Gera und Ronneburg (z.B. zum Wohnungsbau) nicht vergleichbar. Aber eine grundsätzliche Frage möchten die Exkursionsteilnehmer dennoch aufwerfen: Reichen unsere Überlegungen schon aus, was die Nachnutzung, die bleibenden Werte des hiesigen BUGA-Geländes, beispielsweise für einen ständig betriebenen Erlebnispark, betrifft?

Nächster Punkt. Für ihre Gartenschau wendeten die Münchener 41 Millionen Euro auf. Das Land Bayern hielt sich weitgehend vornehm zurück. Für Gera und Ronneburg ist die dreifache Investsumme vorgesehen. Um dennoch dem Publikum etwas bieten zu können, haben die Münchener zweierlei mit Pfiff gemacht. Sie haben bei namhaften Sponsoren (was wir in Gera so sicherlich nicht können) beträchtliche Summen locker gemacht, u.a. bei Siemens, BMW, Pfister-Brot und Hypovereinsbank, und sie haben eng mit der Region und 40 umliegenden Kommunen sowie fünf überörtlichen Vereinen zusammengearbeitet, was wir in Gera und Ronneburg auch können sollten und müssen.
Hilfestellung gab in München der Planungsverbund "Äußerer Wirtschaftsraum". Die Kommunen und Vereine des Umlandes erhielten die Chance, sich auf dem BUGA-Gelände mit Folklore, Gastronomie, Musik, Kunst und Tanz zu präsentieren. Beispiel Vierkirchen. Die Münchener kannten diesen reizvollen Ort nicht. Aber weil er sich auf der BUGA vorstellte, wurde er schlagartig bekannt und - seither rege besucht(!).
Die regionalen Kräfte hat man potenziert. Eines der Gemeinschaftsprojekte ist ein 170 Kilometer langer Radweg, der Radl-Ring, rund um München, klasse Beispiel für Nachnutzung. Münchens Umgebung als BUGA-Land.
Die BUGA GmbH würdigt im Gelände das Engagement der Partner auf einem "Platz der Regionen". Hostess Magali Kirchgässer (es gibt etwa 50 solcher Hostessen eines eigenständischen Unternehmens) erläutert unserer Delegation: Auf 60 Texttafeln stellen sich Kommunen, kommunale Vereine und Sponsoren mit den Projekten vor, mit denen sie die fünfmonatige Schau bereichern.
Volker Tauchert ist ganz hingerissen, wie die Region in die BUGA-Gestaltung einbezogen wurde. Er und auch Peter Granderath werfen deshalb die Frage auf, ob die Überlegungen zur Einbindung von Bad Köstritz, dem Mühltal, Münchenbernsdorf, Berga und dem Elstertal sowie weiterer Kommunen und Sehenswürdigkeiten der Region schon ausreichen. Tauchert geht sogar soweit zu sagen, dass der gesamte Ostthüringer Bereich im Umkreis von etwa 60 Kilometern durch die BUGA touristischen Aufschwung bekommen müsste. Es gehe darum, Gera in der Region und die Region in Gera bekannt zu machen.
Granderath hält zumindest vorerst zwei Vorschläge für überlegenswert: einen Badestrand an der Elster in Gera anzulegen und einen Fahrradverleih fürs Radeln durchs schöne Gessental zu etablieren.
Was wir in Gera besser machen müssen als die Münchener, ist die Information und die Orientierung für die Besucher. Auf dem gesamten riesigen Messegelände Riem wo sich der Besucher einen Wolf läuft, fehlt es an ausreichender durchgängiger Orientierung und Erklärung, zum Beispiel mit farbigen Linienführungen, Schrift- und Bildtafeln und ins Auge springenden Hinweisschildern. Immerhin gibt’s ja zum Beispiel täglich 25 Veranstaltungen. Auffallend ist die oft mangelnde persönliche Beratung, so am Stand "Ideen für Ihren Garten".
Der Besucher fühlt sich beim Rundgang immer wieder alleingelassen. Die 20 Rikscha-Fahrer, die übers Gelände touren, sind keine kompetenten Erklärer. Sie wurden nicht geschult. Anders das Personal in den drei Gastronomiebereichen. Das kann gut Auskunft geben.

Übrigens: Die Münchener BUGA hat nur ein armseliges Logo. Da sind wir in Gera/Ronneburg besser dran. Aber was auch wir (bis jetzt) noch nicht haben, ist eine Identifikationsfigur, ein Maskottchen, ein originelles Souvenir. Der Löwe Gero und der Goldene Spatz sind schon vergeben.

Eines sollten wir in Gera auch vermeiden: zu hohe Eintrittspreise, die die Leute vergraulen. 14 Euro in München für die Erwachsenen-Tageskarte sind ganz schön happig. Familienkarten gibt es nicht und Gruppenkarten erst ab 20 Personen. Beliebt hingegen sind überraschenderweise Dauerkarten. Besucherunfreundlich, besonders für junge Leute ist auch die tägliche Öffnungszeit nur bis 21 Uhr.

Wenn die BUGA GmbH Gera/Ronneburg an Anregungen interessiert sein sollte: Bitteschön, nutzt doch die von der Exkursionsgruppe gemachte Ideenvielfalt. Einfach mal diese geballte Intelligenz einladen.

( Harald Baumann, 26.08.2005 )

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