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Der unaufhaltsame Ab- und Aufstieg des Mülls

Stroh zu Gold zu spinnen, gelingt nach wie vor nur durch Zauberei, aber Abfall in Strom umzuwandeln, das ist Realität. Schon lange wollte Dr. Norbert Vornehm, Vorstand der Stadtwerke Gera AG (SWG), beim Müll "den Daumen drauf haben". Seit dem 1. Juni dieses Jahres darf nach neuer gesetzlicher Regelung kein unbehandelter Müll mehr gelagert werden. Das heißt, der Abfall, den die Stadtwirtschaft GmbH in ganz Gera einsammelt, darf nicht mehr auf der Deponie Untitz abgekippt werden. Eine verfahrenstechnische Möglichkeit der Behandlung heißt verbrennen, und ziemlich schnell kam die Abfallverwertungsanlage in Zorbau bei Weißenfels ins Gespräch, zumal sich die Stadtwerke hier in die komplette Kette von der regionalen Hausmüllabfuhr in Gera bis zur Vermarktung des erzeugten Stromes einbinden wollten. "Dieses Geschäftsfeld stärkt zum einen die wirtschaftliche Basis der Stadtwerke" sagte Dr. Vornehm "und zum anderen sehen wir genauer hin als mancher Private, was mit dem Müll wirklich passiert und wie es passiert", unterstrich er.
Was wirklich mit dem Müll passiert, davon überzeugte er sich in diesen Tagen mit seinen Vorstandskollegen, mit dem Aufsichtsrat, den Geschäftsführern der Stadtwerke-Töchter, dem Betriebsrat und Mitgliedern des Geraer Stadtrates zur offiziellen Einweihung der Müllverbrennungsanlage Zorbau. Die Öfen wurden aber bereits Mitte Juni angeschmissen, und so konnten die Geraer Gäste den Weg ihres Mülls bereits gut verfolgen.

Insgesamt fressen die zwei großen Verbrennungsöfen rund 300.000 Tonnen Müll im Jahr. Diese Mengen schaffen die Geraer dann doch nicht. Er wird aus dem Ostthüringer Raum (Verbandsgebiet des Zweckverbandes Restabfall Ostthüringen) sowie aus Süd-West-Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammengebracht. Gera beschickt die Anlage in Zorbau mit 32.000 Tonnen Restabfall. Dieser wird von der SWG-Tochter Geraer Stadtwirtschaft GmbH eingesammelt und zur neu erbauten Umladestation auf dem Vorgelände der Deponie Untitz gebrcht. Jetzt wandert der Müll aus den kleineren Sammelfahrzeugen in großvolumige LKW, um dann seine letzte Reise nach Zorbau anzutreten.

Das wiederum geschieht im Auftrag der Elogo GmbH, einer weiteren SWG-Tochter, die den gesamten logistischen Prozess leitet, aber auch weiteren Abfall heranschafft. Sie unterhält noch vier Umladestationen und bringt auf diese Weise jährlich bis zu 150.000 Tonnen Restabfall aus ganz Ostthüringen in den heißen Schlund der Öfen. Nachdem der Abfall in den Bunker abgekippt wurd, wird er tüchtig geschüttelt und gerührt, Großes mit einer Rotorschere zerkleinert und eine homogene Abfallmischung zubereitet. Und wie woanders auch, entsteht beim Verbrennen Hitze und Rauch.
"Aber wir heizen mit der freiwerdenden Energie nicht den Himmel auf", versicherte Mark Venhoek, Geschäftsführer der Anlageneigentümerin, Sita Deutschland GmbH (die Stadtwerke Gera halten 25,1 Prozent der Anteile der Sita Deutschland, wiederum eine Tochter des europäischen Konzerns Suez), "sondern wir erzeugen Strom". Um Energie zu gewinnen, wandelt ein Dampferzeuger die Energie unter hohem Druck und hoher Temperatur in Dampf um. Eine Dampfturbine treibt einen Generator an, der Strom produziert.
Den heißen Draht hat die Energieversorgung Gera GmbH (EGG), denn sie hat die Rechte zur Vermarktung des Stromes erworben. Rund 40.000 Haushalte jährlich können mit Zorbau-Strom versorgt werden. Zurück bleibt von unserem Müll eine Schlacke, die nach der Aufbereitung zum Beispiel im Straßenbau Anwendung findet.
120 Millionen Euro hat die Sita in die Anlage investiert. "Gern hätten wir eine solche Anlage auch in unserer Region gehabt", gab Dr. Vornehm zum Schluss zu, "doch allein hätten wir sie nicht bauen können", ist er sich sicher. Umso mehr freue er sich, als Partner bei einem großen europäischen Konzert eingestiegen zu sein. Die Wege des Mülls sind nicht unergründlich, sondern für Gera äußerst lukrativ, und vielleicht kommt am Ende doch Gold heraus?

( Helga Schubert, 22.07.2005 )

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