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Kunst an Ort und Zeit gebunden

Ein Labyrinth aus Gängen und Nischen, hohe Luftfeuchtigkeit und fehlendes Tageslicht unter der Altstadt von Gera auf einer Länge von neun Kilometer - das sind Höhler, die unterirdischen Tiefkeller, in denen im 16. bis in 19. Jahrhunderte das Bier gelagert wurde. Für Touristen sind sie Anziehungspunkte. Spätestens seit 2003 hat es sich herausgestellt, dass die Höhler auch der Kunstszene einen geeigneten Rahmen bieten. Die erste Höhler-Biennale lockte damals in zwei Monaten 3000 Besucher aus nah und fern an. Nun steht die zweite Biennale vor der Kellertür. In fünf Höhlern werden in der Zeit vom 19. August bis 31. Oktober die Kunstinstallationen zu sehen sein.
Was reizt die Künstler an den eigenwilligen Ausstellungsplätzen, in denen der Kalk rieselt, mitunter spitze Schottersteine in die Schuhsohle stechen und keine gepflegten Polsterecken auf den Kunstbetrachter warten? Glasgestalter Winfried Wunderlich äußerte sich dazu mit den Worten: "Es ist einfach spannend. Dort unten kann niemand entweichen. Der Besucher muss sich mit dem Geschauten auseinandersetzen. Und es kostet ihn auch Überwindung, denn er kommt von der Helligkeit in tiefes Dunkel". Aber auch für die Künstler ist der Ausstellungscharakter in den Höhlern eine Herausforderung, gibt der Geraer Künstler zu. "Wir sind an Ort und Zeit gebunden und müssen uns mit der Enge beschäftigen, mit dem Gefühl, der Angst und Geborgenheit", umschreibt er die Ideen.
An Ort und Raum gebunden zu seien, unterstreicht die Einmaligkeit der Ausstellung. Die Kunstinstallationen werden in dieser Form, wie sie zur Höhler-Biennale gezeigt werden, nie wieder zu sehen sein. Heinz Nikulla, Vorsitzender des Höhlervereins, der gemeinsam mit dem Kunstverein die Höhler-Biennale vorbereitet, hofft, dass diese Einmaligkeit in dem besonderen Ambiente Anziehungspunkt für noch mehr Besucher als 2003 sein wird.
Im Blickfeld haben die Veranstalter schon das Jahr 2007 mit der Bundesgartenschau. Dann soll die Biennale die größte deutsche Ausstellung für Installationskunst werden.
In diesem Jahr sind 35 Künstler aus dem In- und Ausland vertreten. Heinz Nikulla lobt das Engagement aller Beteiligten von den Höhlereigentümern bis zu Kleinsponsoren und den zehn Mitarbeitern, die über die Otegau gewonnen wurden. "Wir können jede Hand und jede Hilfe gebrauchen", meint er. Einige Sponsoren drucken Plakate und Eintrittskarten kostenfrei. Das Land bezahlt den Katalog aus Lottomitteln, und die Stadt übernimmt Versicherungsleistungen und die Transporte.
Die offizielle Eröffnung findet am 23. August mit dem Schirmherrn der Ausstellung, Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, statt. Zu den ausstellenden Höhlern gehören der unter der Kanitzschen Buchhandlung, der Apotheke am Markt, dem Tete a Tete, dem Geschäft Kunst und Mode, dem Delikatessengeschäft Weißenborn und der in der Rittergasse/Ecke Kirchstraße. Die Höhler sind dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 13 Uhr geöffnet.
Künstlerführungen werden ebenfalls angeboten. Winfried Wunderlich liegt viel daran, dass nicht nur Touristen, sondern auch die Geraer die Besonderheiten der Ausstellung erkennen und sie auch besuchen.

( Helga Schubert, 22.07.2005 )

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