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Am Wintergarten stehen die Ampeln jetzt auf Grün

Nach 35 Jahren Pause wird in absehbarer Zeit wieder die Straßenbahn durch die Reichsstraße fahren. Die Stadtteile Untermhaus und Zwötzen sind dann durch eine Linie verbunden, deren Name seit langem feststeht: Stadtbahnlinie 1. Die Übergabe des Abschnittes in der Reichsstraße hat zum Aufatmen vor allem der Geschäftswelt an der 1400 Meter langen Trasse geführt. Rund ein Jahr musste auf den Durchgangsverkehr und den von ihm bewirkten Kundenstrom verzichtet werden. Für die Fahrzeuge war extra eine Umgehungsstraße über das frühere Bahngelände gebaut worden, die nunmehr ausgedient hat. Oberbürgermeister Ralf Rauch und Dr. Norbert Vornehm, Geschäftsführer des Verkehrbetriebes (GVB), schalteten gemeinsam am Wintergarten die Ampeln auf Grün, und genau fünf Minuten später kam der erste Linienbus aus Richtung Stadtzentrum wieder auf der herkömmlichen Strecke an der neu geregelten Kreuzung Wintergarten an. Die Straßenbahn selbst wird allerdings erst im BUGA-Jahr 2007 die Gesamtstrecke befahren können. Der Freude der Anwohner, vieler Fahrgäste, der Händler und der Gewerbetreibenden gab das allerdings keinen Abbruch. Viele von ihnen waren gekommen und wollten Zeuge der Wiedereröffnung werden. Bei herrlichem Sommerwetter geriet der feierliche Akt fast zu einem kleinen Volksfest.
Als städtische Entwicklungsachse bezeichnete Oberbürgermeister Rauch die Reichsstraße. Die Stadtplaner hätten langfristig dafür gesorgt, dass die Stadtbahn auf eigenem Bahnkörper fahren und damit unabhängig vom Autoverkehr vorankommen könne. Bereits vor Jahren sei beim Neubau der Gebäude von UCI-Kino, BfA und Agentur für Arbeit die jetzige Straßenbreite berücksichtigt worden. Der GVB habe außerdem im Bereich des Möbelhauses, der Drahtflechterei und der Lackiererei ältere Baulichkeiten abgerissen und teilweise durch Neubauten ersetzt.
Die Reichsstraße gliedert sich jetzt in drei Bereiche. Der erste liegt zwischen Heinrich- und Enzianstraße. Hier liegt eine eingleisige Schienenverbindung, die zum Wenden genutzt wird. Normalerweise wird aber die Linie 1 von der Heinrichstraße her über die Wendeschleife in der Schüler- und der Enzianstraße zur Reichsstraße gelangen. Ab hier liegt im zweiten Abschnitt bis zur Himmelsleiter ein eigener Bahnkörper in der Straßenmitte auf Rasengleis und ist gesäumt von über 100 kräftigen jungen Ulmen. Dieser Abschnitt verfügt außerdem über die rechts und links der Schienen gebauten Fahrbahnen und Gehwege sowie - erstmals - einen Radfahrstreifen. Auf dem dritten Abschnitt zwischen Himmelsleiter und Wintergarten mussten die Schienen wegen der Enge des zur Verfügung stehenden Verkehrsraumes straßenbündig eingeordnet werden und sind daher auch vom Autoverkehr befahrbar. Ebenfalls fertig gestellt ist der Gleisbogen zur Ochsenbrücke, unter der die neue Linie in Richtung Gessentalstraße führen wird. An der Kreuzung Wintergarten - sein trauriges Bild will so gar nicht zu dem neuen Straßen- und Bahnsystem passen - wird die Bahn später Vorrang haben.
GVB-Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Leithold würdigte in einer kurzen Ansprache die grundhafte Sanierung der Straße, die eine Erneuerung der unterirdischen Leitungen ebenso eingeschlossen hat wie die Installierung neuer Beleuchtungsanlagen, die völlig neu gestalteten Gehwege sowie das Aufstellen von 47 Leitungsmasten sowie die Einrichtung von zwei Haltestellen. GVB-Chef Dr. Vornehm merkte an, dass dafür ein Jahr lang an jedem Werktag elf Stunden gearbeitet wurde, sonn-abends bis 14 Uhr, sogar am Vortag des Heiligabends im vergangenen Jahr.
Rund sieben Millionen Euro hat die Straße gekostet, allein Straßen- und Tiefbau haben 4,5 Millionen verschlungen, der Gleisoberbau noch einmal runde 2,2 Millionen. Der Rest entfällt auf Fahrleitungsbau, Begrünung und technische Ausrüstungen. Immerhin haben Bund und Land tief in die Kassen gegriffen und 85 Prozent der Gesamtsumme aufgebracht.
Als ein Bauarbeiter des letzte Verbotsschild zur Einfahrt zur Seite geräumt hatte, rollte der Fahrverkehr über die neue Reichsstraße, als sei das eine schon jahrelang praktizierte Selbstverständlichkeit. Genau 1400 Meter rollt der Verkehr ohne Unterbrechung, dann kommen Puschkinplatz, Tollerstraße und Theaterstraße. Und hier wird noch kräftig gebaut. Wenn alles klappt: 2007 soll alles fertig sein, und die Linie 1 hat freie Fahrt von Zwötzen bis Untermhaus!

( Reinhard Schubert, 06.05.2005 )

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