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Eine kleine Erinnerung muss bleiben

Hermann Götting war kein Künstler, umgab sich aber gern mit ihnen, kleidete sich in fantastische Gewänder, glich einem Paradiesvogel, auf alle Fälle aber war er ein Lebenskünstler. Ab 1962 in Köln lebend, von Beruf Straßenbahnschaffner, betätigte er sich später als Conferencier und Kleinkünstler, arbeitete in verschiedenen Musik- und Nachtklubs oder in Travestie-Kabaretts. Imposante Hüte, Dreispitz und Stulpenstiefel waren sein Markenzeichen. Er organisierte großartige Feste, und jeder, der zur Kölner Szene gehörte, wollte dabei sein. Was ihn aber noch viel mehr unter seinen Zeitgenossen hervorhob, war seine Sammelleidenschaft. Und durch diese ist er auch vielen Besuchern des Museums für Angewandte Kunst in Gera bekannt geworden. Zum Jahreswechsel 1996/97 stellte das Haus aus seiner Sammlung Schaufensterpuppen aus. Sie bildeten jedoch nur einen kleinen Teil dessen, was Hermann Götting gesammelt hat. Ein weitaus größerer Teil ist jetzt in der Ausstellung "Ein Sammler-Original - In memoriam Hermann Götting" zu sehen.
Kurz nach Vollendung seines 65. Lebensjahres verstarb der unkonventionelle Sammler aus Köln plötzlich und unerwartet. Er hinterließ außer seiner prall gefüllten Wohnung drei Lagerhallen vollgestopft mit Utensilien der Alltagskultur vom Hosenknopf über Sammeltassen, Sesselgruppen bis zur Ladeneinrichtung, von banalen Dingen bis zu kunstvoll gestalteten Porzellanen oder Keramiken. "Ein lebendiges Bild des 20. Jahrhunderts", schwärmt MAK-Direktor Hans-Peter Jakobson. Dabei könne man nicht einfach alles als unnütz und Kitsch abtun, meint er, viele der Stücke stellten sich als besonders wertvolle Objekte der Kunst- und Designergeschichte dar und böten ein reiches und spannendes Forschungsfeld.
Als der Sammler starb, ohne ein Testament zu hinterlassen, erbten seine zwei Stiefschwestern den Nachlass, die völlig überfordert waren. "Ich fühlte mich verpflichtet, außerdem waren viele der Objekte maßgeschneidert für unsere Art deco-Sammlung", sagt Hans-Peter Jakobson. Er konnte den Förderverein des Hauses gewinnen, einen Teil des Nachlasses zu kaufen. Mit 1000 Objekten in sechs Containern kam der Museumsdirektor aus Köln zurück. Noch heute wundert er sich darüber, wieso es dem Geraer Haus gelungen ist, der Stadt Köln einen Teil des Erbes abzuluchsen. Vielleicht kümmert sich die dann um den Rest, die drei Lagerhallen, glaubt er.
Lebensdevise von Hermann Götting war: Nichts darf verloren gehen - eine kleine Erinnerung muss sein. Dabei hat der besessene Sammler persönlich auf vieles verzichtet, denn er war bei weitem nicht reich, er sparte, um wieder ein Stück, von dem sich andere trennen wollten, zu erwerben. Trotzdem wirkt die Ausstellung auf keinen Fall verstaubt oder abgetragen. Im Gegenteil, sie ist so zeitnah und verkörpert ein ganzes Jahrhundert, dass es sogar zwei Vertretern eines bekannten Münchner Auktionshauses, die durch die Ausstellung gingen, die Sprache verschlagen hat. Sie wollten nicht glauben, was der Sammler zusammengetragen hatte, freute sich Hans-Peter Jakobson nicht ohne Schadenfreude.
Bis zum 8. Mai ist die interessante Schau zu sehen. Wunderschöne Jugendstilkleider, Gläser, Vasen und Porzellane namhafter Gestalter aus dieser Zeit, Radios, Musiktruhen, der erste Fernseher, Nippes, Sammeltassen und andere Zeitzeugen aus den 50-er Jahren - das alles und viel mehr hat Hermann Götting in seinem kuriosesten Museum der Welt gehabt und kann jetzt in Gera bewundert werden.

( Helga Schubert, 25.02.2005 )

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