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Wo sich in der Wintertraube die kleinen Bienen kuscheln

Wenn draußen der Frost in den Zweigen knackt und aus Gräsern und Pflanzen bizarre Gebilde zaubert, wenn Schneeflocken den Häusern, Büschen und Bäumen eine Haube geben, dann ruht die Natur und hat sich in den Winterschlaf begeben. Viele Tiere kommen damit ganz gut zurecht und halten ebenfalls ihre Winterruhe. Für Bienen fängt der Winter eigentlich schon im August an. Es ist nicht so, dass sie dann schon keinen Nektar mehr sammeln. Sie tummeln sich noch fleißig über Wiesen und in Gärten und summen ihr Lied. Aber wieso, mitten im Hochsommer, der Bienenwinter beginnt, das weiß Rolf Gebhardt, Vorsitzender des Imkervereins "Goldene Weisel".
In seinem Garten in der Siedlung in Gera-Untermhaus hat er ein richtiges Bienenparadies aufgebaut. Zehntausende der fleißigen Insekten - etwas 70 000 befinden sich in einem Stock - fliegen bei ihm ein und aus und tragen den Honig zusammen. Nicht etwa aus reiner Gutmütigkeit für uns Menschen, sondern als Futter für die kalten und nassen Tage. "Und da wir ihnen ja dieses Futter, den Honig, wegnehmen, müssen wir Imker dafür sorgen, dass die Tiere nicht verhungern", erläutert der Fachmann.
Als Nahrung für die kalten Wintertage erhalten die Bienen Zuckerwasser. Das können sie aber nicht so verwenden, sondern sie müssen es in Fruchtzuckerkomponenten aufschließen, die dann eingelagert werden können.
Für diese Arbeit muss das Thermometer noch etliche Plusgrade aufweisen. Deswegen beginnt der Bienenwinter bereits zu einer Zeit, wo wir Menschen noch lange nicht an Schnee und Eis denken. Imker Gebhardt macht sich beizeiten auf die Suche nach preiswertem Haushaltszucker, denn immerhin benötigt er rund fünf Zentner davon. "Jedes Volk benötigt etwa zwölf Kilogramm", weiß er aus Erfahrung. Innerhalb von zwei bis drei Wochen ist das gesamte Winterfutter verarbeitet und in den Vorratswaben eingelagert. Natürlich legt sich das summende Völkchen nicht gleich auf die faule Haut.
Wir können es noch weiter beim Blütennaschen beobachten, aber neigt sich der Sommer zu Ende, geht auch die Anzahl der Blüten zurück. Jetzt muss die Königin umsorgt werden. Sie legt bis etwa September noch rund 1000 Eier pro Tag. Die Sommerbienen leben nämlich nur etwa fünf Wochen, die Winterbienen dagegen sechs bis sieben Monate. Sie bringen das Volk über den Winter.
Rolf Gebhardt hat seine Bienen genau studiert. Gern gibt er sein Wissen weiter und kann gerade Kindern gar nicht genug über die nützlichen Insekten erzählen. Er betreut etwa 800 Kinder, besucht Kindergärten und gestaltet eine Unterrichtsstunde in Schulen. "Ehrenamtlich, versteht sich", nickt er.
Froh ist er darüber, dass der Imkerverein im Tierpark ein Bienenmuseum einrichten konnte. "Wir erhielten Lottomittel, konnten davon einen Bienenlehrpfad mit vier Bienenvölkern und Bienenhäusern einrichten und für die Kinder komplette Schutzanzüge anschaffen, so dass sie dort auch arbeiten können", freut er sich. Im Bienenmuseum befinden sich nicht nur Arbeitsgeräte aus Imkernachlässen, die ältesten von 1885, sondern man kann auch 26 Waben hinter Glas betrachten und sehen wie sich eine Biene ihre Wohnung einrichtet. Rolf Gebhardt lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Tierpark. Hier in der freien Natur macht auch den Schülern das Lernen Spaß und sie erfahren auch noch ganz nebenbei Wissenswertes über Pflanzen und andere Insekten.
Jetzt im Winter hält der Bienenexperte weiterhin Kontakt zu den Kindern. "Wir brauchen sie sogar, denn etwa 200 Rähmchen für die Waben müssen gebastelt und gedrahtet werden", sagt er, da könne jede Hilfe benötigt werden. In den Bienenstöcken selbst herrscht nun totale Winterruhe. Aber die Honigbienen schlafen nicht. Ihre Aufgabe ist es, die Königin zu schützen.
Sobald die Temperatur unter zehn Grad Celsius fällt, bilden sie eine dichte Traube, die sogenannte Wintertraube. Wird es richtig kalt, kuscheln sie noch enger zusammen. "Selbst, wenn es draußen 20 Grad Minus sind, herrschen um die Königin immer noch 35 bis 36 Grad", weiß der Fachmann. Kalt ist den Bienen wahrlich nicht.
Wir Menschen dagegen müssen etwas gegen die Winterkälte unternehmen und freuen uns da auf ein wärmendes Glas Tee oder Milch mit einem Löffel Honig. "Aber nie über 40 Grad erhitzen", warnt Rolf Gebhardt, dann gingen nämlich die wertvollen Inhaltsstoffe des Honigs verloren.

Und fast gegen jede Krankheit ist nicht nur ein Kraut gewachsen, sondern auch ein Honig geeignet. Waldhonig zum Beispiel wird unter anderem bei Bronchialkatarrh verwendet, Blütenhonig ist bei Heuschnupfen geeignet, Lindenhonig hilft gegen Schlaflosigkeit, Akazienhonig findet bei Erkältung Anwendung, Rapshonig ist gut bei Hautallergien, es gibt sogar Pfefferminzhonig, der bei Magenbeschwerden oder Lavendelhonig, der bei Kopfschmerzen eingesetzt werden kann.
Rolf Gebhardt gewinnt nur sortenreinen Honig, bis zu fünf Sorten. Er weiß genau, wann die Baumblüte beginnt oder der Raps blüht, die Kastanien oder die Linden. Und er weiß auch, was im Umkreis bis zu fünf Kilometer blüht, denn so weit fliegen seine Bienen.
Der Imker gewinnt aber auch noch Pollen "das sind die männlichen Keimzellen unserer Blumenflora", erklärt er -, und Propolis. "Das wird im Hochsommer bei Temperaturen über 20 Grad plus von nur wenigen Bienen gesammelt und wird umgangssprachlich auch als Kittharz b bezeichnet". Ein paar Fläschchen dieses kostbaren Naturproduktes, deren Gewinnung sehr aufwendig ist, behält er für sich, andere verkauft er.
Propolis sei ein Allheilmittel, ist er überzeugt und hilft bei Grippe, Halsentzündung, Rheuma, Gelenkbeschwerden, Allergien und vielen anderen, zählt er auf. Und noch etwas wird aus Honig seines Bienenvolk produziert: Met. Dieser Wein, bekannt auch als Germanen-Trunk, stärkt ebenfalls das Wohlbefinden und wirkt entzündungshemmend.
Rolf Gebhardt freut sich auf das nächste Frühjahr, wenn die ersten seiner summenden Hausgenossen zum Reinigungsflug ansetzen und dann etwa im März die Haselsträucher nach Pollen absuchen.
Die Königin macht ihren Hochzeitsflug. Dann beginnt das nächste Bienenjahr. Bis dahin aber träumen die Bienen vielleicht von "einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit", wo eine Biene sehr bekannt war. Und diese Biene nennt sich Maja.
Der 1881 geborene Ahrensburger Waldemar Bonsels schrieb die Geschichte von der "Biene Maja und ihren Abenteuern" 1912. Vor 25 Jahren erblickte sie im Film das Licht der Welt und erfreut seitdem in einer Fernsehserie die kleinen Zuschauer. Und nicht zuletzt Karel Gott trug das Lied von dieser "kleinen frechen Biene Maja" in alle Welt. "Maja, erzähle uns von dir", singt Karel Gott. Vielleicht hilft es, dass sich mehr Kinder für die Imkerei begeistern, wünscht sich Bienenvater Rolf Gebhardt.

( Helga Schubert, 24.12.2004 )

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