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Viele Kerzen bringen Licht in die Kaimberger Kirche

Es ist eisig in der kleinen Dorfkirche in Gera-Kaimberg, viel kälter als draußen an diesem kalten Dezembertag. Die hohen Fenster sind nicht dicht und mit Fensterläden verschlossen. Strom aus einer Notleitung lässt eine matte Glühbirne und eine Lichterkette an einer Glocke aus Tannengrün etwas leuchten. Uta Zimmermann und Margot Trommer, zwei Einwohnerinnen aus Kaimberg, die sich gemeinsam mit anderen Ortsansässigen mit viel Engagement der Kirche angenommen haben, schauen nach dem Rechten. Denn am Heiligen Abend werden 14.30 Uhr die Glocken von zwei Jugendlichen geläutet und zur Weihnachtsfeier rufen. Es werden Lieder gesungen, es wird musiziert und Oberpfarrer Geipel wird die Weihnachtsgeschichte verlesen. "Es ist eine Stunde zum Innehalten zwischen der kommerziellen Weihnacht und dem Familienfest", beschreibt Margot Trommer den Grund für das Zusammentreffen. Dafür sei das Kirchgebäude der geeigneteste Ort, wo biblische Geschichte aufgeht in gemeinschaftliches Gestalten der Weihnachtsfeier durch Kinder und Erwachsene aus Kaimberg.
Die Menschen dieser Gemeinschaft, die sich da zusammen gefunden hat, sind keine praktizierenden Christen, sie finden, eine Kirche ist ein Denkmal und kein Lager für Baumaterialien, wie es in dem Kaimberger Gotteshaus der Fall ist. Der gesamte hintere Teil des Gebäudes ist voll gestopft mit Steinen, Betonteilen und Farbeimern. Die Evangelische Kirche hatte dies einem Bauunternehmer gestattet, wohl in der Annahme, dieser renoviere laut seines Pachtvertrages dafür die Kirche. Doch der Unternehmer ist nach Bayern verschwunden, hat die Kirche nicht renoviert, stattdessen das Baumaterial zurückgelassen.
Dabei hätte die kleine Kirche mehr verdient, als als Abstellfläche genutzt zu werden. Das beweisen die rührigen Bürger von Kaimberg, und auch die Untere Denkmalschutzbehörde Gera, die das Gebäude in Augenschein genommen hat. Zum Tag des offenen Denkmals in diesem Jahr nutzten jedenfalls mehr als hundert Besucher die Gelegenheit, das Kleinod sakraler Baukunst zu bewundern und dort nach zwölfjähriger Pause eine Nachmittagsandacht zu erleben.
Immerhin gehen die Ursprünge der Kirche auf das Jahr 1238 zurück. An dem Standort wurde eine Gutskapelle gegründet, die später zu einer Kirche erweitert wurde. Im 17/18. Jahrhundert nahm die kleine gotische Anlage ihre endgültige Gestalt an. 1753 wurde sie von der Familie von Ziegenried übernommen, erneuert und diente als gutsherrliche Gruft. 1880 erhielt die Kirche eine Richard-Kreuzbach-Orgel, die heute noch im Original existiert, sicherlich etwas konserviert und gestimmt werden müsste, aber bespielbar ist. Der letzte Gottesdienst fand 1992 statt. Danach wurde das Gebäude vernachlässigt, einiges wurde beschädigt oder ging entzwei, wie der barocke Taufengel aus Holz, von denen es etwa nur 200 in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gibt. Er ist inzwischen repariert und eingelagert.
"Es wäre schön, wenn dieser Taufengel wieder an seinen angestandenen Platz zurückkehren würde", meint Margot Trommer. Aber als eine der wichtigsten Maßnahmen betrachtet sie die Beräumung des eingelagerten Baumaterials durch den Pächter der Kirche und dessen vertragliche Verpflichtungen. Der Stromanschluss muss wieder hergestellt werden, und dann können die Bänke im Rondell repariert werden, zählt sie auf.
Ute Zimmermann hat indessen die Fensterläden geöffnet. Die Lichtstrahlen fallen herein und zeigen die schöne Innenausstattung aus weiß und gold bemaltem Holz, die Kanzel mit den ionischen Säulen, Blumengirlanden und Strahlenkran, die gut erhaltenen Schnitzereien aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Am Heiligenabend sind die Fensterläden wieder geschlossen, trotzdem werden viele Lichter strahlen und etwas Wärme in die Winterkälte bringen. Wärme auch in die Herzen derer, die sich hier zur nachmittäglichen Weihnachtsfeier zusammenfinden und hoffen auf Unterstützung, Ideen und Spenden vieler Bürger, der Stadt und der Kirche selbst.

( Helga Schubert, 24.12.2004 )

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